Von Von Stefan Ulrich

In ungewöhnlich scharfer Form hat der italienische Außenminister Franco Frattini die deutschen Ambitionen auf einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zurückgewiesen und auf eine Berücksichtigung Italiens bei einer UN-Reform gepocht.

"Wir sind bereit, auch unseren deutschen Freunden einige Unannehmlichkeiten zu bereiten", sagte Frattini im Corriere della Sera. Dies gebiete das nationale Interesse.

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Italien, das sich so stark für die Ziele der Vereinten Nationen engagiere und sich an UN-Friedensmissionen beteilige, müsse bei einer Reform in die erste Reihe aufsteigen.

Laut Frattini ist es jedoch unwahrscheinlich, dass der Kreis der derzeit fünf ständigen Mitglieder des Rates erweitert wird. Der Außenminister propagiert eine Lösung, nach der die verschiedenen Regionalgruppen für jeweils einige Jahre Vertreter in den Rat entsenden.

Italien bemüht sich seit Beginn der Reformdebatte darum, einen ständigen Sitz Deutschlands zu verhindern. Anfang der neunziger Jahre gründete das Land in New York eigens eine Gruppe von Reform-Skeptikern, die bei den Vereinten Nationen spöttisch "Coffee-Club" genannt wurde.

Heute setzt die Regierung Berlusconi vor allem auf die USA. "Amerika wird auf uns hören, so wie es während der kritischsten Phasen der Irak-Krise auf unsere Stimme gehört hat", sagte Frattini. In Berlin reagierte man gelassen auf die Äußerungen des Forza-Italia-Politikers. Jeder habe die Möglichkeit, seine Vorstellungen in den Reformprozess einzubringen, hieß es.

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(SZ vom 18.8.2004)