Von Von Wolfgang Koydl

Amerikanische Präsidenten laden sich mit Antritt ihres Amtes gleichsam die ganze Not der Welt auf ihre Schultern. Denn: Egal wo Krisen, Kriege, Konflikte oder Katastrophen ausbrechen, die Vereinigten Staaten sehen sich aufgrund ihres Anspruchs, ihrer Macht und ihrer Interessen verpflichtet, sich einzuschalten oder einzumischen.

Washington - Zu Pein und Privileg amerikanischer Präsidenten gehört es, dass sie mit Antritt ihres Amtes gleichsam die ganze Not der Welt auf ihre Schultern laden.

Bush

Der mächtigste Mann der Welt - auch für die nächsten vier Jahre. (© Foto: AP/SZ-Grafik)

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Egal wo Krisen, Kriege, Konflikte oder Katastrophen ausbrechen, die Vereinigten Staaten sehen sich aufgrund ihres Anspruchs, ihrer Macht und ihrer Interessen verpflichtet, sich einzuschalten oder einzumischen.

Entsprechend umfangreich ist die Palette außenpolitischer Probleme, die ein neuer Präsident und sein Außenminister mit Beginn ihrer Amtszeit übernehmen.

Das ist in diesem Jahr - in dem es keinen Wechsel im Weißen Haus gibt - nicht anders. Die Aufzählung, die Richard Lugar, der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses des Senats, zu Beginn der Anhörung der designierten Außenministerin Condoleezza Rice vortrug, umfasste denn auch nur die wichtigsten Punkte:

Sie reichten von der Gefahr der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen und den Atomprogrammen Irans und Nordkoreas über die notorisch verfahrene Lage im Nahen Osten und im Irak bis hin zum Völkermord in der sudanesischen Darfur-Region und der Bekämpfung der Weltseuche Aids.

Zerrüttete Beziehungen

Noch nie zuvor freilich hat ein Präsident so viele Probleme während seiner ersten vier Jahre im Weißen Haus selber geschaffen wie George Bush.

Vor allem der Krieg im Irak und die zerrütteten Beziehungen zu den Verbündeten in Europa gehören zur schwersten Hinterlassenschaft seiner ersten Amtszeit.

Maliziös hatte ein Anhänger des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry im Wahlkampf des vergangenen Jahres erklärt, es gebe nur einen Grund, weshalb er sich eine Wiederwahl Bushs wünsche: damit er mit den Konsequenzen seiner Taten leben müsse.

Mittlerweile ist auch den Strategen des Weißen Hauses bewusst geworden, dass ein Kurswechsel nötig erscheint. Seit Tagen verbreiten Spin-Doktoren der Administration die gute Kunde, dass ein geläuterter Präsident in seiner zweiten Amtszeit die Hand zur Versöhnung und Kooperation ausstrecken werde.

Die personifizierte Charme-Offensive

Condoleezza Rice schien diese Charme-Offensive sogar in ihrer Person zu verkörpern, und in ihren ersten Erklärungen vor dem Senat schlug sie betörende Töne an:

Amerikas Verhältnis zum Rest der Welt müsse ein Dialog und kein Monolog sein, die USA "arbeiten immer dann am besten, wenn wir mit unserer Allianz zusammenarbeiten", jetzt sei "die Zeit für Diplomatie" gekommen.

Die Senatoren hörten ihre Worte, doch sie konnten offenkundig nicht den Verdacht abstreifen, dass Bushs außenpolitischer Goodwill-Feldzug eher kosmetischer Natur sein könnte.

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