Vereidigung des russischen Präsidenten Putin gibt den Freiheitskämpfer - und lässt Demonstranten verprügeln

Bei seiner Vereidigung als Präsident schlägt Wladimir Putin ungewohnt sanfte Töne an: Es gehe ihm um Demokratie und Freiheit, betont er. Vor den Kremlmauern bekommen Tausende Putin-Gegner schmerzhaft zu spüren, was die Regierung unter Freiheit versteht.

Von Hannah Beitzer

Im Inneren des Kreml ist die Welt noch in Ordnung für Wladimir Putin. Vor ihm öffnen sich goldene Türen, während er zu beschwingter Marschmusik durch den Großen Kremlpalast schreitet. 3000 geladene Gäste stehen Spalier und klatschen. Putin, der bereits von 2000 bis 2008 russischer Präsident war und Russland danach als Ministerpräsident führte, wird an diesem Montag abermals als Staatsoberhaupt vereidigt. Nach der Vereidigung gibt es eine Militärparade und reichlich Kanonendonner. 

Und doch hat sich außerhalb der Kremlmauern einiges verändert für Putin, der so lange unangefochten der zarenhafte Führer Russlands war - das wird während seiner Antrittsrede deutlich. Fast klingt es, als spräche dort sein Vorgänger Dmitrij Medwedjew. "Wir müssen Demokratie und die verfassungsmäßige Freiheit stärken", sagt Putin und verspricht: "Wir werden ein demokratisches Land sein, wo jeder die Freiheit hat, seine Talente zu entfalten." Außerdem lobt er die "aktive und verantwortungsvolle Zivilgesellschaft" seines Landes.

An wen diese Worte gerichtet sind, ist klar: An all jene, die immer lauter und immer zahlreicher einen Mangel an Demokratie in Russland beklagen. Hunderttausende Menschen gingen in den vergangenen Monaten im ganzen Land auf die Straße, um gegen das System Putin zu protestieren. Die Regierung geht mit den Protestierenden bei weitem nicht so tolerant um, wie es Putins Antrittsrede vermuten lässt. Er selbst hat seine Gegner im Wahlkampf immer wieder beschimpft - sie seien Egoisten, von ausländischen Mächten gesteuert.

Bereits vor der Vereidigungszeremonie sperrten Sicherheitskräfte große Teile der russischen Hauptstadt ab - aus Angst vor neuen Massenprotesten. Bereits am Morgen hätten Polizisten einige kleinere Versammlungen in Moskau aufgelöst, berichteten mehrere russische Medien.

Schon am Tag vor Putins Amtseinführung hatten Zehntausende auf den Straßen Moskaus gegen den zukünftigen Präsidenten demonstriert. Die zunächst friedlichen Proteste schlugen in Gewalt um, als einige Demonstranten versuchten, von der vorgeschriebenen Route abzuweichen. Die Polizei ging bei ihrem Einsatz mit Schlagstöcken gegen Putin-Gegner vor, Augenzeugen berichteten von blutigen Szenen. Etwa 400 Menschen wurden festgenommen, darunter auch mehrere Journalisten, wie die Nachrichtenagentur Lenta.ru und die oppositionelle Zeitung Nowaja Gaseta berichteten.