Nuon Chea ist einer der höchsten noch lebende Funktionäre der Diktatur, der mehr als zwei Millionen Kambodschaner zum Opfer fielen. Nun wurde der Greis verhaftet - und soll sich demnächst vor einem Völkermordtribunal verantworten.
Drei Jahrzehnte nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer macht Kambodscha mit der Vergangenheitsbewältigung Ernst: Ein Großaufgebot der Polizei verhaftete am Mittwoch in Pailin den einstigen Chefideologen Nuon Chea wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der heute 82-Jährige galt als rechte Hand des brutalen Machthabers Pol Pot, unter dessen Führung von 1975 bis 1979 etwa zwei Millionen Menschen ihr Leben verloren.
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Nuon Chea (© Foto: AP)
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Polizisten übergaben Nuon Chea den Haftbefehl und flogen ihn mit einem Hubschrauber in die Hauptstadt Phnom Penh. Nuon Chea, früher "Bruder Nummer 2", ist der bislang höchstrangige Angeklagte vor dem Völkermordtribunal in Kambodscha, das mit Unterstützung der Vereinten Nationen eingerichtet wurde. Die beiden Ermittlungsrichter You Bun Leng und Marcel Lemonde begannen im Juli mit ihren Untersuchungen.
Nuon Chea erklärte danach in einem AP-Gespräch, er sei bereit, sich vor dem Gericht zu verantworten. Als Präsident der Nationalversammlung habe er mit den Geschäften der Regierung nichts zu tun gehabt. Der Sohn des Verhafteten, Nuon Say, sagte in Pailin, sein Vater sei "froh, dass er Licht auf das Regime der Roten Khmer werfen kann, damit die Welt und die Leute das verstehen". Seine Mutter sei bei der Verhaftung zusammengebrochen. Zahlreiche Schaulustige beobachteten das Geschehen schweigend.
Die Direktorin des Zentrums für Soziale Entwicklung, Theary Seng, begrüßte die Verhaftung der "Nummer zwei der Terrorherrschaft". Das kambodschanische Volk warte schon so lange auf Gerechtigkeit.
Selbst wenn es in dem Prozess kein Urteil geben sollte, sei es von großer Bedeutung, dass jetzt nach Gerechtigkeit gesucht werde, sagte Theary Seng, die in den 70er Jahren mehrere Verwandte durch Gräueltaten der Roten Khmer verlor.
Vor Nuon Chea wurde bereit Kaing Guek Eav verhaftet, der unter dem Namen Duch bekannt ist und das berüchtigte Gefängnis S-21 geführt hat. Der Führer der Roten Khmer, Pol Pot, starb 1998, sein Militärchef Ta Mok im Jahr 2006.
Das frühere Staatsoberhaupt Khieu Samphan und der Rote-Khmer-Außenminister Ieng Sary leben in Kambodscha in Freiheit, befinden sich aber in einem schlechten Gesundheitszustand. Es wird angenommen, dass sie ebenfalls auf der Liste des Tribunals stehen.
(dpa/AP/Sopheng Cheang)
Wenn schon keine Einsicht zu erwarten ist, so halte ich es trotzdem für sinnvoll eine Gerechtigkeit zumindest zu suchen - auch wenn man die Menschen nicht wieder zum Leben erwecken kann. Ein ruhiges Leben in mittelständischem Wohlstand wäre jedenfalls Hohn gegenüber allen, die zu Schaden gekommen sind.
Die Frage nach dem Aufwand halte ich auch nicht für gerechtfertigt, wenn es um Gerechtigkeit geht.
Dass noch weitere Personen aus anderen Ländern das System unterstützt haben, befreit noch lange nicht die einheimische Führungsriege von der Verantwortung.
Welche Gerechtigkeit will man hier finden? Welche Einsicht will man bei diesem 82 - jährigen erreichen? Zwei Millionen Menschen wurden umgebracht und der lebte im "wohlverdienten" Ruhestand. Ist den Aufwand gar nicht wert! Hier wird höchstens noch eine Bühne der Selbstdarstellung gebaut.
Und wenn, gehören auch die mit auf die Anklagebank, denen ein kommunistisches Regime wichtiger war, als Menschlichkeit. Und die sitzen in ganz anderen Ländern.