Eine klare Mehrheit der Schweizer lehnt den Bau von Minaretten ab. Das Votum ist eine Katastrophe, denn ein Bauverbot verstößt gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.
Das Ergebnis der Abstimmung gegen den Bau von Minaretten ist der Triumph einer einzigen Partei, der Schweizerischen Volkspartei. Auch dieses Referendum hat die SVP quasi im Alleingang gewonnen.
Bild vergrößern
Mit drastischen Plakaten warb die national-konservative Schweizerischen Volkspartei (SVP) für das Minarett-Verbot. (© Foto: dpa)
Anzeige
Regierung, Parlamentsmehrheit, Wirtschaftsverbände, Kulturschaffende, Medien und an vorderster Front die großen christlichen Kirchen, in deren Namen ja in gewisser Weise gekämpft wurde: Alle hatten sie davor gewarnt, ein Ja anzukreuzen. Und recht hatten sie.
Dieses Referendum ist eine Katastrophe für die Schweiz. Ein solches Bauverbot gibt es nirgends sonst in Europa. Wenn jene sechs Worte - "der Bau von Minaretten ist verboten" - künftig in der Verfassung stehen, dann verstoßen sie nicht nur mehrfach gegen ebendiese Verfassung, etwa gegen die Religionsfreiheit oder das Diskriminierungsverbot. Sie verstoßen auch eklatant gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Es wird nicht lange dauern, bis ein Betroffener vor den Straßburger Menschenrechtsgerichtshof zieht, wo eine peinliche Verurteilung und womöglich der Ausschluss der Schweiz aus dem Europarat drohen.
Das ist besonders traurig für ein Land, das auf den Ausgleich der Interessen angewiesen ist, das Kulturräume, Sprachen und Mentalitäten vereint, die einander beleben. Das hat stets funktioniert, und auch der Umgang mit den knapp 400.000 Muslimen im Lande verlief bisher weitgehend reibungslos. Von brennenden Ausländerheimen und zähnefletschenden Skinheads ist jedenfalls nichts bekannt.
Warum also dieses Resultat? Mit rund 60 Prozent Ja-Stimmen ist es schockierend hoch ausgefallen. Es müssen zum islam- oder allgemein ausländerfeindlichen Grundstock, der höchstens ein Viertel der Bevölkerung umfasst, eine Menge Bürger hinzugestoßen sein.
Eine Erklärung hat mit dem annus horribilis zu tun, das die Schweiz hinter sich hat. Dies war auch ein Wut-und-Frust-Votum. Das Ende des Bankgeheimnisses empfanden viele Eidgenossen als demütigend. Und noch immer wird ihr Land in der Geiselaffäre von Gaddafi an der Nase herumgeführt. "Das Ausland" steht nicht hoch im Kurs in der Schweiz. Und weil die Berner Regierung in den genannten Fällen keine gute Figur machte, mag das Votum auch ein Denkzettel für sie sein.
Außerdem ist das Ergebnis eine Art Kollateralschaden der direkten Demokratie. So kann es kommen, wenn das Volk nicht nur über Turnhallen oder Transrapidbahnen abstimmt, sondern über alles. Gerade bei Initiativen, die gegen den vermeintlichen "Gutmenschen-Mainstream" gerichtet sind, lassen sich die Bürger mobilisieren - umgekehrt bleibt die liberale Mehrheit aus Bequemlichkeit oder einem Ekelgefühl heraus den Urnen fern. Die SVP hat dies immer wieder zu nutzen gewusst.
Nun wird ein Sturm der Entrüstung losbrechen, vor allem in der muslimischen Welt. Der schlimmste Fehler wäre es, wenn sich die Schweiz als Reaktion noch weiter verhärtet. Denn im Herzen ist dieses Land weltoffen und liberal.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Minarett-Verbot RSS
- Rechtspopulistische Initiative erfolgreich Schweizer stimmen gegen Minarett-Bau 29.11.2009
- Religionsfreiheit für Muslime Minarette als Raketen 22.01.2010
- Antisemiten und Islamfeinde Hetzer mit Parallelen 04.01.2010
- Minarettverbot: Politische Korrektheit Ihr könnt aufhören! 25.12.2009
- Worte der Woche "Wir brauchen nicht den bärtigen, alten Mann" 19.12.2009
- Vorurteile gegen den Islam Kopftuchfrauen 17.12.2009
- Straßburg Klage gegen Minarett-Verbot 16.12.2009
(SZ vom 30.11.2009/dmo)
Griechenland in der Schuldenkrise
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Ich wünschte wir in Deutschland hätten dieses direkte und verbriefte Instrument der direkten politischen Einflußnahme. Den Willen der Bevölkerung hat eine Regierung zu akzeptieren - auch bei möglichem internationalen Unbehagen. Das ist ihre Aufgabe!
"Außerdem ist das Ergebnis eine Art Kollateralschaden der direkten Demokratie. So kann es kommen, wenn das Volk nicht nur über Turnhallen oder Transrapidbahnen abstimmt, sondern über alles"
Immer runter mit den demokratischen Hosen - wir wollen sehen, was für faschistoide Volks-verachtende Gestalten wirklich hinter den Eliten in Politik und Medien stecken!
Das ist der bittere und einzige Grund für dieses Wahlergebnis. Diese gesellschaftlichen Institutionen, wie von den Autoren erwähnt, verstehen nicht mal mehr im Ansatz, was das Volk bewegt. Statt offenem und tabulosem Dialog tritt entsetzlicher intellektueller Hochmut, das Volk wird zum Stammtisch degradiert.
In vielen europäischen Großstädten hat mittlerweile die Mehrheit der Neugeborenen muslimische Eltern (bspw. Marseille, Antwerpen, Rotterdam, etc.). In deutschen Großstädten sind 53% der unter 10-jährigen Migrantenkinder. Wohin bitte soll das führen? Wie werden diese Städte in 30 Jahren aussehen, wer stellt dann dort die Leitkultur? Warum verschließt Ihr die Augen davor und verteufelt und diffamiert die berechtigte Angst der Menschen. Und warum verhindert Ihr jede offene Auseinandersetzung? Die Political Correctness ist ein explizit von Euch getragenes, als diktatorisch empfundenes Regelwerk für Sprech- und Denkverbote, welches die Wut der Menschen immer höher kochen lässt. Irgendwann aber platzt jeder Kessel, wenn der Druck nur hoch genug ist. Warum könnt oder wollt Ihr das nicht verstehen?
Das Votum der Schweizer widerspiegelt die Angst der Europäer, dass ein radikaler Islam in Europa unsere Grundwerte gefährdet. Und diese Angst der Europäer ist berechtigt sieht man die täglichen Konflikte, die Anschläge und die vereitelten Anschläge radikaler Muslime der letzten Jahre. Warum verschließen Medien und Politiker die Augen, verstecken sich hinter dem Grundgesetz und verharmlosen die Zustände. Das Ergebnis des Votums ist nicht der Triumph einer Schweizer Partei die das Volk aufhetzte sondern der Wille der Schweizer. Die Ergebnisse einer solchen Wahl in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich oder sonst wo in Europa würde ähnlich ausfallen. Mit dem Bau der Moscheen in ganz Europa wird das Ziel verfolgt uns Europäer schleichend zu islamisieren. Die Drahtzieher und Spender sitzen im Nahen Osten. Warum steht dieser aggressiv auf Expansion ausgerichtete Islam an allen Grenzen im Konflikt wie in China, Indien, und verschiedenen Ländern Afrikas.
Das Votum ist weder schockierend noch traurig sondern Ausdruck von Demokratie und Meinungsfreiheit den ich Deutschland vermisse.
Hätten wir die gleichen Ängste würden in der Schweiz oder in Deutschland hundert oder gar tausend buddhistische oder hinduistische Tempel gebaut? Ich glaube nicht.
manreztuneB: @ Spiogent: Rational trennen
@Spiogent: Du vermischst da leider extrem viele Dinge. Ablehnung der einen (z.B. Verheiratung von Minderjährigen) führt eben *nicht* logischerweise zur Ablehnung der anderen (z.B. Minarettbau). Wenn überhaupt, führt die Ablehnung der letzteren eher zu Verbitterung der Betroffenen und damit Parallelgesellschaften - was Du vermutlich nicht möchtest.
Im übrigen hast Du die Antwort schon selbst gegeben:
"Warum können die Schweizer nicht einfach Schweizer sein?"
Eben. Und genau das gilt auch für Moslems: Warum können die Moslems nicht einfach Moslems sein? Insbesondere die Schweizer Moslems in ihrem Heimatland?
Ich denke ich vermische da nicht sehr viel.
Die Schweizer sind in der Schweiz zu Hause. Die Schweizer Moslems sind doch wohl zu 99% Menschen mit dem Mihigru. Der Rest ist Konvertit.
Wer als Moslem mit Mihigru unbedingt ein Minarett benötigt, den wird der gemeine Schweizer nicht daran hindern, dorthin zu gehen, wo die Minarette stehen.
Paging