Verbalattacke von Chávez Merkel unbeeindruckt von Hitler-Vergleich

Venezuelas Präsident Chávez hat Kanzlerin Merkel in die Nähe von Adolf Hitler gerückt. Die reagiert gelassen - wurde sie doch schon früher auf ähnliche Weise geschmäht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich unbeeindruckt von abfälligen Äußerungen des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez gezeigt.

Die Kanzlerin freue sich auf den EU-Gipfel am kommenden Freitag mit den Ländern Lateinamerikas und ihre bilateralen Gespräche dort, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Steg verwies auf Äußerungen Merkels der vergangenen Woche, mit denen sie "deutlich Position bezogen" habe.

Merkel hatte mit Blick auf Venezuela gesagt, ein Land allein könne die Beziehungen zwischen der EU und Lateinamerika nicht nachhaltig beeinträchtigen. Präsident Chávez spreche nicht für Lateinamerika. Auch das venezolanische Volk habe mit der Ablehnung des von Chávez initiierten Referendums Ende vergangenen Jahres Stellung bezogen.

Die Venezolaner hatten im Dezember gegen eine Verfassungsreform gestimmt, die dem linksnationalistischen Präsidenten, der eine scharf gegen die USA gerichtete Politik verfolgt, erhebliche weitere Vollmachten verschafft hätte.

Der für seine Ausfälle bekannte Chávez hatte am Sonntag in seiner wöchentlichen Rundfunksendung Merkel als politische Nachfahrin Adolf Hitlers bezeichnet. Die Bundeskanzlerin gehöre der politischen Rechten an, "der selben Rechten, die Hitler, die den Faschismus unterstützt hat", hatte Chávez in Caracas erklärt.

"Kindliche Träume"

Mit Blick auf den EU-Lateinamerika-Gipfel am Freitag in Lima sagte Chávez, er wisse nicht, ob er daran teilnehmen werde. Aber wenn er Merkel dort treffen werde, "könnte ich ihr etwas sagen, und sie könnte dann beleidigt sein".

Die Bundeskanzlerin musste bereits vor der verbalen Attacke von Chávez mehrfach Hitler-Vergleiche über sich ergehen lassen. Eine türkische Tageszeitung bezeichnete sie im vergangenen Herbst anlässlich des neuen Zuwanderungsrechts als "zweiten Hitler".

Ein Militärsprecher in Iran soll laut Bericht einer iranischen Nachrichtenagentur über die Kanzlerin gesagt haben, sie sehe sich "in ihren kindlichen Träumen" als Adolf Hitler. Ein polnisches Wochenblatt stellte Merkel mit Hitler-Bärtchen dar.

Auch andere deutsche Politiker wurde schon in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt und selbst im Europäischen Parlament wurden die Regeln zivilisierten Umgangs schon mit Füßen getreten.

Italiens jetzt wiedergewählter Ministerpräsident Silvio Berlusconi legte dem deutschen SPD-Europaabgeordneten Martin Schulz während einer früheren Amtszeit 2003 eine Filmrolle als KZ-Aufseher nahe, entschuldigte sich jedoch später dafür. Ein britischer Abgeordneter verglich Pläne des deutschen Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933.

"Gewählt wie Adolf Hitler"

Auch Chávez selbst musste sich schon mit Hitler vergleichen lassen: Der frühere US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte 2006 vor Journalisten bemerkt, der Präsident Venezuelas sei "genau wie Adolf Hitler" legal gewählt worden und habe dann seine Machtposition ausgebaut.

Merkel beginnt am Dienstag die erste Lateinamerika-Reise ihrer Amtszeit, bei der sie Brasilien, Peru, Kolumbien und Mexiko besucht. Beim fünften EU-Lateinamerika-Gipfel mit Beteiligung von 27 europäischen und 33 lateinamerikanischen und karibischen Staaten soll Mexiko strategischer Partner der EU werden. Brasilien ist dies bereits seit 2007.