Venezuelas Regierung wittert Klopapier-Verschwörung Notstand bei Notdurft

Wer ist schuld, dass kein Toilettenpapier mehr da ist? Was schon in einer WG zu schlechter Stimmung führen kann, löst in Venezuela einen handfesten politischen Streit aus.

Das Toilettenpapier ist aus und kein Nachschub in Sicht: Was bereits in einem einzelnen Haushalt zu den unangenehmeren Situationen gehört, trifft derzeit ein ganzes Land. Venezuela hat gerade mit massiven Engpässen bei der Klopapier-Versorgung zu kämpfen.

In vielen Supermärkten des lateinamerikanischen Landes, so berichten verschiedene Medien, sind die Regale mit den nützlichen Sanitärprodukten leer. Der Guardian zitiert Venezolaner, die seit zwei Wochen auf der Suche nach dem WC-Artikel sind.

Frische Lieferungen sprechen sich in Windeseile herum und sorgen für Anstürme auf die Supermärkte, in denen sich ohnehin lange Schlangen bilden: Neben Toilettenpapier sind auch Mais, Mehl, bestimmte Fleischsorten, Milch, Zucker, Kaffee und Seife knapp. Ein Video der spanischen Zeitung El Mundo zeigt die leeren Regale.

Leere Regale, vollmundige Schuldzuweisungen

Ökonomen machen die staatlichen Preiskontrollen und den künstlich niedrig gehaltenen Dollar-Wechselkurs für die Lage verantwortlich, da dieser derzeit viele Firmen daran hindert, ihre Produktionsmittel im Ausland einzukaufen. Auch die ständigen Stromausfälle machen der Industrie zu schaffen.

Doch Venezuela wäre nicht Venezuela, würde sich daraus nicht eine anrüchige politische Kontroverse entwickeln: Wirtschaftsminister Alejandro Fleming macht regierungskritische Medien dafür verantwortlich, mit einer Kampagne zur Destabilisierung für eine "exzessive Nachfrage" gesorgt zu haben.

Angestachelt von diesen und der dahinterstehenden Opposition, so erklärte Fleming, würden die Venezolaner statt 125 Millionen Rollen derzeit 40 Millionen Rollen mehr pro Monat verbrauchen. Die Regierung will neben 760.000 Tonnen Nahrungsmittel auch noch 50 Millionen WC-Rollen importieren.

Kein Problem zum Wegwischen

Seit dem knappen Wahlsieg des Chavéz-Nachfolgers Nicolas Maduro im April richtet die Linksregierung immer wieder Sabotagevorwürfe an die Opposition. Deren Anführer Henrique Capriles beschuldigt ihrerseits die Regierung des Wahlbetrugs und fordert weiterhin eine Neuauszählung der Stimmen - eine Bitte, der die regierungsnahe Justiz bislang nicht entsprochen hat.

Ausländischen Medien liefert der Toilettenpapier-Konflikt eine Schlagzeilen-Steilvorlage. Bei CNN Mexico heißt es: "Maduro und die Opposition streiten sich um Klopapier". Der britische Guardian titelt: "Venezuela will den Klopapier-Mangel mit 50 Millionen importierter Rollen wegwischen."

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