Überraschende Erklärung von Hugo Chavez: Der venezolanische Präsident hat die kolumbianische Guerillatruppe Farc dazu aufgerufen, ihren Kampf zu beenden.

Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat die linksgerichteten Farc-Rebellen im Nachbarland Kolumbien aufgerufen, ihre Waffen niederzulegen, alle Geiseln freizulassen und den bewaffneten Kampf gegen die Regierung in Bogota zu beenden. Der Kampf der Farc gegen die demokratisch gewählte kolumbianische Regierung sei nicht gerechtfertigt. "Der Guerillakrieg ist Geschichte", sagte er am Sonntag in einer Radioansprache.

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Der venezolanische Präsident Hugo Chavez fordert die Farc auf, ihre Waffen niederzulegen (© Foto: AFP)

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"Zurzeit ist eine bewaffnete Rebellenbewegung in Lateinamerika fehl am Platz", sagte Chavez. An den Rebellenführer Alfonso Cano gerichtet erklärte er: "Ich glaube, die Zeit ist gekommen, alle Ihre Geiseln freizulassen. Das wäre eine großartige humanitäre Geste. Im Gegenzug für nichts."

Eine solche Erklärung von Chavez kommt überraschend, hatte der venezolanische Präsident doch noch vor einigen Wochen Regierungen weltweit aufgefordert, die Farc von ihren Terror-Listen zu streichen. Die Guerilleros sollten als legitime Aufständische anerkannt werden.

Kolumbien wirft der Regierung Chavez vor, die Farc-Rebellen insgeheim zu unterstützen. Vor einigen Monaten waren in einem Rebellen-Lager Computer-Daten entdeckt worden, die dies nach Angaben von Interpol auch belegen.

Der linksnationalistische Chavez hat hingegen bestritten, die Farc aktiv zu unterstützen. Sein Aufruf vom Sonntag könnte dabei helfen, die angespannten Beziehungen zur kolumbianischen Regierung wieder zu verbessern. Zu Jahresbeginn hatte die Farc auf Vermittlung von Chavez mehrere Geiseln freigelassen, die sie zum Teil seit Jahren im Dschungel gefangen hielt.

Dutzende weitere werden aber noch festgehalten, darunter die französisch-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt. Ende Mai hatte die Farc mitgeteilt, ihr Gründer und Anführer Manuel Marulanda sei Ende März einem Herzinfarkt erlegen. Neuer Chef ist den Angaben zufolge Alonso Cano. Politische Beobachter gehen davon aus, dass Cano an Verhandlungen mit den Regierungen und langfristig an Frieden eher interessiert ist als Marulanda.

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) finanzieren sich vor allem durch den Kokain-Handel und Entführungen. Zuletzt mussten sie aber empfindliche Verluste hinnehmen.

So töteten kolumbianische Soldaten Anfang März im Dschungel Ecuadors die Nummer zwei der Gruppe, Raul Reyes. Zuletzt desertierte zudem eine prominente Kommandeurin der Farc und erklärte öffentlich, die Organisation sei dabei, sich aufzulösen.

Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe geht entschlossen gegen die Farc vor. Er hatte jüngst erklärt, einige Guerilla-Kämpfer seien bereits bei seiner Regierung vorstellig geworden, um ihre Kapitulation anzubieten. Sie seien auch zur Freilassung aller Geiseln bereit. Ein anderer Teil der Farc wolle aber weiterkämpfen.

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(Reuters/AP/bavo/gal)