Herber Rückschlag für Venezuelas Präsidenten Chávez: Mit knapper Mehrheit haben seine Landsleute die geplante Verfassungsänderung abgelehnt. Andreas Boeckh von der Uni Tübingen über den überraschenden Wahlausgang, die Chancen der Opposition und die Zukunft des Erdöllandes.
sueddeutsche.de: Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat nach mehr als acht Jahren erstmals wieder eine Niederlage einstecken müssen. Warum hat er diesmal verloren?
Sieht in der Abstimmungsniederlage von Chávez einen Sieg der Demokratie: Prof. Dr. Andreas Boeckh von der Universität Tübingen. (© Foto: privat)
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Andreas Boeckh: Die große Mehrheit der Chávez-Anhänger schätzt zwar seine sozialpolitischen Schwerpunkte, doch die meisten sind auch überzeugte Demokraten. Hätte Chávez die Wahl gewonnen, hätte die Exekutive künftig alle Macht gehabt, ohne sich noch um irgendwelche anderen Institutionen Sorgen machen zu müssen. Das ging vielen Wählern zu weit, deshalb blieben einige seiner Anhänger diesmal zu Hause.
sueddeutsche.de: Kurz gesagt: Chávez hat zu viel gewollt.
Boeckh: Ja, eindeutig. Doch anstatt sich etwas zurückzunehmen, hat er die schlimmsten Befürchtungen der Demokraten auch noch bestätigt, als er kurz vor der Wahl erklärte, dass er bis 2050 Präsident bleiben will. Da wäre er dann mehr als 90 Jahre alt! Damit hat er den Bogen endgültig überspannt.
sueddeutsche.de: Chávez selbst hat vor der Wahl gesagt: Wenn die Wahl verloren geht, sind allein die USA dafür verantwortlich. Wie kommt er darauf?
Boeckh: Das ist für ihn die Allzweckwaffe. Wenn irgendwas schiefgeht, dann sind laut Chávez die USA daran schuld. Natürlich unterstützen die Vereinigten Staaten alle möglichen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die gegen ihn eine Front aufbauen möchten. Aber für diese Niederlage sind die USA nun wirklich nicht verantwortlich, die wäre so oder so gekommen.
sueddeutsche.de: Vor der Wahl drohte Chávez damit, im Fall einer Niederlage kein Öl mehr an die USA zu liefern. Ein anderes Mal kündigte er an, kein Öl mehr an irgendein Land zu exportieren. Wird er diese Drohungen einlösen?
Boeckh: Nein, das ist Quatsch. Chávez begeht ja keinen wirtschaftlichen Selbstmord. Venezuela ist absolut abhängig von seinen Öleinnahmen. Wenn diese ausfielen, hätte Chávez ein Riesenproblem, das weit größer wäre als das der ölimportierenden Staaten.
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danke @ parisien!
Stimmt: gleich einen Satz weiter im interview werden Chavez´ Wünsche als nahezu undemokratisch dargestellt, als absoluter Machtbonus für den Präsidenten. Und DAS mögen seine Anhänger, die ihn eigentlich sonst mögen, eben nicht.
Also, lieber selber mal verstehendes Lesen üben anstatt hoch kompetente Instanzen dumm anzupflaumen
@B_M_Wrangel:"" Andreas Boeckh: Die große Mehrheit der Chávez-Anhänger schätzt zwar seine sozialpolitischen Schwerpunkte, doch die meisten sind auch überzeugte Demokraten."
Darf ich es mal versuchen?
Ich glaube ,er meint,dass diese Leute die Sozialpolitik schätzen und darüberhinaus (also zusätzlich) Demokraten sind, Ch `s Sozialpolitik also begrüßen,ihn aber auffordern , sich auch an die demokratischen Spielregeln zu halten.
Boeckh will also nicht,wenn ich ihn richtig interpretiere ,Sozialpolitik und Demokratie als Widerspruch darstellen.
Gutes Interview! Die SZ sollte häufiger auf externen Sachverstand zurückgreifen!
" Andreas Boeckh: Die große Mehrheit der Chávez-Anhänger schätzt zwar seine sozialpolitischen Schwerpunkte, doch die meisten sind auch überzeugte Demokraten."
Professorlein, was meinen sie denn mit diesem Satz? Zwar sozialpolitisch aber DOCH demokratisch? Wo issnda der Widerspruch? Wann werden denn die Profs mal Pisa-technisch abgeklopft?!
Chavez sollte allerdings auch nicht jede Forderung mit Kampf gegen den US-Imperialismus rechtfertigen. Er hat sich um sein Land verdient gemacht, da scheint seine gewollte Verfassungsänderung doch eher durchgeknallt gewesen zu sein. Mit Würde und Anstand bis zum Ende der Amtszeit zu regieren sollte die Devise sein. - und dann den Weg für einen Nachfolger freimachen.
Welches Land ist denn davon ausgenommen? Auch in Venezuela geht es doch vor allem darum, ob der Kapitalismus à la USA freie Bahn bekommen soll oder eine soziale Marktwirtschaft.
Paging