Denn die Lefebvristen hintertreiben traditionell die Aussöhnung. Am Schlimmsten aber wirkt, viertens: Einer der Bischöfe ist seit Jahren ein Holocaust-Leugner. Der Papst und seine Berater mussten das wissen. Benedikt hob die Exkommunikation also auf, obwohl klar war, welch schlimmes Zeichen er damit setzte.

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Zwei Erklärungen bieten sich dafür an: Entweder kam es wieder mal zu einem Betriebsunfall im Vatikan, wie offenbar damals, als Benedikt in seiner Regensburger Rede die Muslime erzürnte. Sollte dem so sein, wäre der Papst miserabel beraten, was nicht von seinem Personalgespür zeugte. Die andere Erklärung ist noch schlimmer.

Danach wäre dem Papst die Eintracht mit einer erzkonservativen Splittergruppe wichtiger als das Verhältnis zum Judentum und zu den moderaten, der Moderne zugewandten Kräften in seiner eigenen Kirche.

Betriebsunfall oder bewusste Bevorzugung?

Knapp vier Jahre nach dem Antritt Benedikts bietet sich so ein verwirrendes Bild seines Pontifikats: Da sind positive, versöhnliche Gesten wie seine Begegnung mit dem Kirchenkritiker Hans Küng, sein Gedenken in der Blauen Moschee zu Istanbul und die Pläne für eine Reise im Mai nach Israel.

Und da sind rückwärtsgewandte Signale wie das Zitat in der Regensburger Rede, sein übertriebener Einsatz für die lateinische Messe und jetzt die Lefebvre-Versöhnungs-Aktion. Das Faible des Papstes für alte Hüte wie den Hermelin-besetzten Camauro, wirkt da programmatisch.

Joseph Ratzinger scheint sich immer noch schwerzutun, seine Rolle als Papst zu finden. Er war in seinem früheren Berufsleben zunächst ein Kirchenlehrer, dann, als Chef der Glaubenskongregation, ein Kirchenwächter. So wirkte er über Jahrzehnte vor allem nach Innen und versuchte, die katholische Kirche fest zusammenzuhalten und dogmatisch zu stärken. Darin sieht er bis heute seine Mission.

Von einem Kirchenführer wird aber mehr verlangt als von einem Lehrer und Wächter. Ein Papst wirkt mit dem, was er tut, in die ganze Welt. Er spielt eine globalpolitische Rolle, zumal nach einem großen Vorgänger wie Johannes Paul II. Es reicht daher nicht, wenn Benedikt den eigenen Weinberg hinter den vatikanischen Mauern bestellt. Er ist der Pontifex, er muss die Brücken bauen, zu anderen Konfessionen, anderen Religionen und zu denen, die nicht glauben.

Ab und an schien der Papst dies zu akzeptieren, in den Monaten nach der Regensburger Rede etwa, als er den Dialog mit dem Islam vorantrieb. Dann wieder zog er sich in seine alte Lieblingsrolle zurück. Mag sein, dass nun wieder eine Phase der Öffnung folgt, gekrönt von einer Reise nach Jerusalem.

Die spektakuläre Aufwertung der Erztraditionalisten aber kann Benedikt nicht mehr vergessen machen. Sie bestätigt die Kritiker, erschüttert viele Anhänger und legt sich als unheimlicher Schatten auf das Pontifikat.

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(SZ vom 28.01.2009/cag/odg)