Ein Papst sollte die Kirche nicht nur nach innen einen, sondern auch nach außen Brücken bauen - Papst Benedikt XVI. jedoch widerlegt gerade seine ehemals programmatischen Werte.
"Wir können nicht in den Kopf des Papstes sehen", sagen die italienischen Rabbiner. Den Katholiken geht es genauso. Selbst Geistliche, die loyal zu ihrem Pontifex stehen, sprechen von Ernüchterung, Verunsicherung und Enttäuschung.
Bild vergrößern
Polarisiert, statt den Weg zu weisen: Papst Benedikt XVI. (© Foto: dpa)
Anzeige
Sie rätseln, warum Benedikt XVI. vier reaktionäre, seit langem exkommunizierte Bischöfe wieder in die Kirchengemeinschaft aufnimmt, darunter einen Mann, der den Holocaust leugnet. Wie schon einmal, nach der Regensburger Rede im September 2006 mit ihrem islamfeindlichen Zitat, fragt sich die Welt: Was treibt diesen Papst? Wohin führt er seine Kirche?
Altgediente Ratzinger-Kritiker antworten, der Papst sei eben ein verknöcherter Mann, der den Vatikan in einen dogmatischen Elfenbeinturm verwandele und die Öffnung der Kirche zur Welt verweigere. Wer das verkannt habe, sei naiv gewesen.
Tatsächlich müssen sich jetzt alle verunsichert fühlen, die Benedikt XVI. nach der Papstwahl vor vier Jahren freudig begrüßten - aller Bedenken zum Trotz. Viele glaubten, Joseph Ratzinger werde als Papst offener und großherziger agieren denn als "Panzer-Kardinal". Dieser Glaube wankt.
Vier Dinge sind es, die die Versöhnung mit den Lefebvre-Bischöfen so anstößig machen: Erstens kommt der Papst den Erzkonservativen entgegen, obwohl sie keine Vorleistungen erbringen.
Normalerweise verlangt die Kirche von Schismatikern Unterwerfung. Davon kann bei den Lefebvre-Bischöfen keine Rede sein. Es ist ungewiss, ob sie je den Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils folgen werden, das die Kirche modernisiert und auf eine Verständigung mit den anderen Religionen eingeschworen hat.
Zweifel an der Treue Benedikts zum Konzil
Warum also verhält sich Benedikt so großzügig zu den vier Bischöfen? Das passt nicht zu der Strenge, mit der er sonst Menschen behandeln lässt, die anderer Meinung sind. So verweigerte seine Kirche vor zwei Jahren einem Italiener die Bestattung, weil der unheilbar kranke Mann um Sterbehilfe gebeten hatte.
Zweitens ließ Benedikt seine Aussöhnung mit den Feinden des Konzils exakt an dem Wochenende veröffentlichen, an dem sich die Ankündigung des Konzils zum 50. Mal jährte.
Das kann kein Zufall sein und weckt Zweifel an der Treue des Papstes zum Konzil. Drittens vergiftet der Beschluss so kurz vor dem Holocaust-Gedenken an diesem Dienstag das ohnehin schwierige Verhältnis der Kirche zum Judentum.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Die Nuba: Leni Riefenstahls Bilder machten sie einst bekannt. Heute sucht das Volk aus Sudan Schutz in Höhlen und Felsspalten – vor den Bomben des Regimes in Khartum. Ein Frontbericht. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Vatikan und Holocaust-Leugner Offener Brief an den Papst 27.01.2009
- Kritik am Papst "Dialog mit Juden 100 Jahre zurückgeworfen" 27.01.2009
- Der Vatikan und der Holocaust-Leugner Papst überging zuständigen Kardinal 27.01.2009
- Katholischer Holocaust-Leugner Bischöfe gehen auf Distanz 26.01.2009
- Benedikt XVI. Der Sündenfall des Papstes 26.01.2009
Union debattiert über Familienpolitik
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Die aktuellen Entscheidungen des Papstes zulasten des Judentums wurden ganz bewusst und gezielt getroffen, um damit die Dialogmöglichkeiten mit der muslimischen Welt zu verbessern. Die katholische Kirche gewinnt durch die Anerkennung antisemitischer Positionen in ihren Reihen Macht und Einfluss bei der Bewältigung der Zukunftsfragen, die ohne Muslime nicht zu lösen sind, wie Nahostkonflikt, Ölversorgung des Westens, Integration muslimischer Bürger in Europa, Schutz katholischer Kirchengemeinden in muslimischen Ländern u.a.
Dass diese Entscheidungen des Vatikans mitten in die größte jemals dagewesene Finanzkrise des Kapitalismus fallen, ist wohl kein Zufall, sondern Kalkül. Die Finanzkrise trifft die bisherigen Global Player und sie schwächt den jüdischen Einfluss auf die Entscheidungen der USA bezüglich der genannten Probleme ganz erheblich. Auch die Kritik, die Israel derzeit wegen ihres Krieges gegen die Hamas vor allem in der arabischen Welt auf sich zieht, kann für den Zeitpunkt der Entscheidungen maßgeblich gewesen sein. Der Papst nutzt das sich durch Finanzkrise und israelischen Ansehensverlust auftuende Machtvakuum durch seine radikale Öffnung hin zu den muslimischen Staaten. Der Preis, den der Vatikan für diese neuen strategischen Optionen bezahlen muss, z.B. wie kritische Diskussionen und Kirchenaustritte in Westeuropa, ist überschaubar und wird nach Abwägung mit dem erwarteten weltumspannenden Nutzen für die Kirche billigend in Kauf genommen.
Darin muß ich Ihnen recht geben: wer die lefebvreistischen Schismatiker ohne Vorbedingungen wieder in die Kirche aufnimmt, sollte klarstellen, wie er auch sonst zum 2. Vatikanum steht. Es wäre zumindest ehrlich, wenn sich Benedikt davon "lossagen" würde. Zwar wären dann die Wegweiser der Kirche in einen dahinscheidenen Zombies namens voraufklärerischer Katholizismus gestellt, aber genau das scheint dieser Papst zu wollen.
Wer interressiert sich schon noch was dise Paepste machen. Das ist doch wurscht.
Dass die Aufhebung der Exkommunikation keine "Rehabilitation" darstellt ist schon richtig.
Aber handelt es sich bei Mr. R. um einen reuigen Sünder? Reue und Einsicht sind Voraussetzung für Gande. Aber nennt sich Mr. R. nicht eigentlich widerrechtlich "Bischof"?
Und was soll die Heimholung dieser Piusbrüder? Die Gesinnung des Mr. R. und der Piusbrüder kann in Rom ja nicht unbekannt sein. Heute kann man in den italienischen Zeitungen nachlesen, dass einer der italienischen Oberen dieses Vereins eben erst die Gaskammern als Desinfektionsanstalten bezeichnet hat, nichts weiter!
Dieser Artikel an Böswilligkeit nicht zu überbieten.
Wir da jemand an seine Sünden erinnert?
Paging