Von Stefan Ulrich

Im Kirchenstaat wird erstmals über das Zölibat diskutiert - und das offiziell. Rüttelt da ausgerechnet Joseph Ratzinger an einem Pfeiler der Kirchentradition?

Emmanuel Milingo wähnt sich auf den Spuren des Herrn. "Jesus selbst hat als Erster verheiratete Männer zu Priestern erwählt", verkündete der exkommunizierte Erzbischof und Ehemann diese Woche in Anspielung auf die Apostel.

Anzeige

Darauf solle sich der Papst zurückbesinnen und das Zölibat - also die Verpflichtung katholischer Priester zur Ehelosigkeit - aufheben. Zehntausende verheiratete Geistliche könnten dann in den Dienst der Kirche zurückkehren und so auch den Priestermangel lindern. Bleibe der Vatikan dagegen hart, werde sich "eine neue katholische Kirche formieren".

Furcht vor dem Schisma

Da ist sie also, die Drohung mit dem Schisma, der Kirchenspaltung, die in Rom so gefürchtet wird. Im Vatikan heißt es dazu, der aus Sambia stammende und in Washington lebende Milingo habe zwar bislang nur eine kleine, bizarre Gruppe von Anhängern um sich geschart.

Dennoch sehe man ihn als ernstes Problem: Schließlich sei er nicht irgendein Priester, sondern ein Erzbischof, der erst in aller Öffentlichkeit geheiratet und dann auch noch widerrechtlich vier neue Bischöfe geweiht habe. Das mache ihn zu einem einmaligen Fall in der Kirchengeschichte.

Auch Benedikt XVI. sieht den Fall des abtrünnigen Hirten als schwerwiegend an. Für Donnerstag hatte er deshalb eine zweistündige Kabinettssitzung einberufen. Er empfing seine etwa 20 "Minister", also die Chefs der Kurien-Kongregationen und Räte, in der Sala Bologna des Apostolischen Palastes. Auch wenn dabei keine Entscheidungen gefällt wurden, fand das Treffen in Rom viel Beachtung.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Ehe, wem Ehe gebührt
  2. Seite 2
Leser empfehlen