Vatikan Die richtige Sache gemacht - aus Liebe zu Gott und der Kirche

Benedikt XVI. wird 90. Die Anwesenheit des emeritierten Papstes ist auch vier Jahre nach seinem Rücktritt komplizierter, als der Vatikan zugibt.

Von Matthias Drobinski

Das Gehen fällt ihm schwer mittlerweile, auf dem Klavier spielt er seltener, der Körper wirkt zerbrechlicher als ohnehin. Doch geistig ist Benedikt XVI., der emeritierte Papst, fit, sagen jene, die ihn kennen. Morgens um sieben Uhr liest er in der Hauskapelle die Messe, dann schreibt er Briefe, am Nachmittag empfängt er Besucher im ehemaligen Kloster "Mater Ecclesiae" in den Vatikanischen Gärten, das für ihn zum Altersruhesitz umgebaut worden ist - die Liste der Gesprächswünsche ist lang. Zurückgezogen leben heißt ja nicht einsam leben, sagt Georg Gänswein, sein Privatsekretär.

An diesem Ostersonntag jedenfalls wird der berühmteste Zurückgezogene der katholischen Kirche, geboren als Joseph Ratzinger in Marktl am Inn, 90 Jahre alt.

Viele konservative Bischöfe und Kardinäle halten Benedikt noch immer für einen Verbündeten

Ziemlich genau vier Jahre seit seinem historischen Rücktritt im Februar 2013 ist Benedikt XVI. nun der erste emeritierte Papst in der Geschichte der Neuzeit; vom neuen Papst Franziskus wohnt er quasi in Sicht- und Rufweite entfernt. Benedikt hat vom ersten Stock des Klostergebäudes einen fantastischen Blick auf die Kuppel des Petersdoms, Franziskus schaut vom Gästehaus Santa Marta auf die weniger atemraubende vatikanische Tankstelle - in dieser Hinsicht sind die Perspektiven der beiden Herren in Weiß grundverschieden.

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Ansonsten bemüht man sich im Vatikan sehr zu erklären und zu zeigen, dass zwischen den alten und den neuen Papst kein Blatt Papier passt. Tatsächlich gibt es bis heute kein kritisches Wort des einen über den anderen. Franziskus spricht voller Hochachtung von Benedikt als Bruder. Benedikt lobt die Amtsführung seines Nachfolgers. Und tatsächlich hat schon Benedikt einige jener Kurienreformen auf den Weg gebracht, die nun Franziskus gegen alle internen Widerstände umzusetzen versucht. Alles andere, so heißt es im Vatikan, würden die sensationsheischenden Medien herbeischreiben und -senden.

Da aber die Unterschiede zwischen dem alten und dem neuen Papst nun doch mehr als Stilabweichungen sind, ist die Existenz zweier Päpste doch komplizierter als offiziell dargestellt. Just vor der Familiensynode 2014, wo die Bischöfe über den Umgang mit Geschiedenen diskutierten, die wieder geheiratet haben, änderte Benedikt XVI. eine Passage aus dem Jahr 1972 in seinen gesammelten Werken - damals war er noch für die ausnahmsweise Zulassung von Wiederverheirateten zur Kommunion eingetreten. Ein Zeichen an die Synodalen? Auf keinen Fall, ließ der Papa emeritus erklären. Aber viele konservative Bischöfe und Kardinäle haben nach wie vor den Eindruck, dass ihr wichtigster Verbündeter der alte Theologenpapst ist.

Gäste auf der Feier: Bruder Georg und dann noch die Haushälterinnen und Erzbischof Gänswein

Vor allem aber ist Benedikt daran gelegen, die Umstände seines Rücktritts zu erklären - und sich gegen die Vermutung zur Wehr zu setzen, dieser Rücktritt sei erzwungen gewesen, durch die Ergebnisse der internen Ermittlungen zum Vatileaks-Skandal oder durch die allgemeine Kirchenkrise. Auch deshalb hat er sich noch einmal zu langen Gesprächen mit seinem Interviewer Peter Seewald getroffen, gegen sein Versprechen, sich nach dem Rücktritt der Öffentlichkeit zu enthalten. Auch jetzt betont Papstsekretär Gänswein in der italienischen Zeitschrift La Repubblica, Benedikt sei nicht aus dem Amt gedrängt worden und habe diesen Schritt auch "nie bereut": "Er ist überzeugt, dass er die richtige Sache gemacht hat, aus Liebe zu Gott und der Kirche."

Seinen Geburtstag will Benedikt XVI. bescheiden und in kleinem Rahmen feiern - großes Brimborium war Joseph Ratzinger immer fremd. Sein mittlerweile 93 Jahre alter Bruder Georg ist da, der einstige Kapellmeister der Regensburger Domspatzen; die beiden verbindet eine lebenslange enge Beziehung. Dann noch die Haushälterinnen und Erzbischof Gänswein, ein gutes Essen für alle, mehr nicht.

Ein offizieller Festakt ist nicht vorgesehen, Papst Franziskus war schon am Mittwoch da, aber vielleicht kommt der Nachbar ja spontan noch einmal vorbei. Am Montag ist dann ein Stück Bayern zu Gast: Es kommen Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und 50 Gebirgsschützen.

Sein Testament habe Benedikt schon verfasst, hat Gänswein der Repubblica verraten. Seinen persönlichen letzen Willen - aber auch seinen geistlichen Nachlass: Es seien seine Bücher über Jesus von Nazareth.

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