Ute Vogt "Ich habe einen typischen Frauenfehler gemacht"

Ute Vogt gibt den SPD-Parteivorsitz in Baden-Württemberg ab. Was bleibt, ist der Ärger - über Geringschätzung, Fotomotive und so manches Lob.

Interview: Barbara Vorsamer

sueddeutsche.de: Frau Vogt, beim Parteitag der baden-württembergischen Landes-SPD am Wochenende geben Sie Ihr letztes Spitzenamt in der Politik auf. Sind Sie traurig?

Von nun an nur noch Abgeordnete: SPD-Politikerin Ute Vogt

(Foto: Foto: Reuters)

Ute Vogt: Nach zehn Jahren im Amt muss man nicht trauern, wenn das Amt in jüngere Hände übergeht.

sueddeutsche.de: Wobei Sie mit 45 Jahren nicht in einem Alter sind, das nach einem Generationswechsel schreit.

Vogt: Aber ich war eine lange Zeit im Amt, deswegen fehlt mir inzwischen für bestimmte Dinge die Ruhe. Mein designierter Nachfolger Nils Schmid hat mir gegenüber den Vorteil, ein sehr besonnener Typ zu sein. Ich habe nicht mehr in allem die Geduld, mir anzuhören, was einem tagtäglich so entgegengehalten wird.

sueddeutsche.de: Was wurde Ihnen denn entgegengehalten?

Vogt: Die unterschiedlichsten Dinge. Wer zehn Jahre im Amt ist, macht manche Erfahrungen mit einzelnen Personen, wo einem dann das nötige Grundvertrauen fehlt. Es ist gut, dass jetzt jemand neu anfangen kann. Einer unbelasteten Person fällt es leichter, zu integrieren. Mir ist das zu Beginn meiner Amtszeit als Parteivorsitzende auch sehr gut gelungen.

sueddeutsche.de: Noch 2001 galten sie als große Nachwuchshoffnung der SPD, Kanzler Gerhard Schröder bezeichnete Sie als "Führungsreserve erster Klasse." Was ist dann passiert?

Vogt: Es ist passiert, was vielen Politikern passiert. Wenn die Wahlergebnisse gut sind, dann hat man viele Freunde, wenn die Wahlergebnisse schlecht sind, werden es weniger. Es ist nichts Außergewöhnliches, dass es Hochs und Tiefs gibt in einer politischen Karriere. Meine Laufbahn hat vielleicht mehr Aufmerksamkeit erregt, weil ich zu Beginn recht jung war - und noch dazu eine Frau.

sueddeutsche.de: Besonders Ihr Geschlecht war ständig Thema. War das fair?

Vogt: Nicht immer.

sueddeutsche.de: Was war unfair?

Vogt: Eine Frau muss in der Politik ganz andere Dinge beachten als ein Mann. Kein Mann muss sich dafür rechtfertigen, nicht verheiratet zu sein oder keine Kinder zu haben. Ich musste das schon.

sueddeutsche.de: Ärgert Sie das?

Vogt: Es ist überflüssig und oberflächlich, dass darüber geschrieben wird, welche Kleider ich trage oder welche Frisur ich habe. Aber was mich wirklich wütend macht, ist, dass immer wieder die Frage gestellt wird: Ist die eigentlich kompetent?

Mir ist es als Staatssekretärin oft passiert, dass mich jemand nach einer Rede für die sehr kompetenten Ausführungen gelobt hat. Bei einer Frau muss anscheinend betont werden, wenn sie etwas gut macht. Warum? Der überraschte Unterton solcher Lobreden ist eine Beleidigung. Oder schauen Sie sich die Berichterstattung über mich an.

sueddeutsche.de: Was stört Sie da besonders?

Vogt: Die Bildsprache. Am Anfang meiner Karriere, ganz besonders um die erfolgreiche Landtagswahl 2001 herum, haben die Medien vor allem freundliche Fotos von mir gezeigt. Nach der Landtagswahl 2006 gab es plötzlich nur noch Bilder, auf denen ich verbittert dreinschaue. Dabei habe ich mich doch nicht komplett verändert.

Gabriels Granden

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