Noch nie in der Geschichte ist der Aufstieg einer neuen Weltmacht völlig spannungsfrei verlaufen. Im Gegenteil, oft waren Kriege die Folge einer raschen Industrialisierung, militärischen Modernisierung und nationalistischen Aufwallung der Gefühle, wie sie momentan auch in China beobachtet werden können.
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Aus Rücksicht auf japanische Empfindlichkeiten musste Clintons Reise in Tokio beginnen, doch ihre wichtigste Station wird am Wochenende Peking sein. Schon als Präsidentschaftskandidatin hatte sie die US-chinesischen Beziehungen das "wichtigste bilaterale Verhältnis der Welt in diesem Jahrhundert" genannt, und ihre schnelle Reise in die Volksrepublik lässt dieser Einsicht nun Taten folgen.
Hillarys Ehemann Bill hatte sich noch sechs Jahre lang Zeit gelassen, bis er seinen ersten China-Besuch als US-Präsident absolvierte. Aber das war in einem anderen Jahrhundert, wenige Jahre nach dem Pekinger Massaker vom 4. Juni 1989, und am Beginn eines Jahrzehnts mit durchschnittlich mehr als zehn Prozent Wirtschaftswachstum in der Volksrepublik.
Langfristig führt kein Weg mehr an China vorbei, das Land wird immer stärker. Derzeit leidet Peking zwar ähnlich stark wie Amerika unter den Folgen der Krise, und hat gerade deshalb ein noch größeres Interesse an guten Beziehungen zu Washington. Erste Ausrutscher der neuen Regierung Obama sind daher in China milde übergangen worden (wie die Tirade des Finanzministers Timothy Geithner, Peking "manipuliere" seine Währung).
Zwar fürchtet Peking wie ganz Asien einen neuen Protektionismus der USA. Noch schlimmer aber ist die Sorge vor einem Handelskrieg. Die chinesische Führung hat die Währungsreserven des Landes in US-Schuldbriefen angelegt, aus Mangel an Alternativen - sie kann keinen weiteren Verfall des US-Dollars und keine lange Rezession in einem seiner wichtigsten Exportmärkte wünschen.
Still und leise ist China in der Ära Bush nicht nur stärker, sondern auch abhängiger vom Rest der Welt geworden. Dies ist nur eine der Überraschungen, die eine neue amerikanische Außenpolitik unter Barack Obama ans Licht befördern wird. Endlich.
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(SZ vom 18.02.2009/bavo/odg)
Die Ärzte in München
Nun denn, während Geithner die Chinesen noch kritisieren durfte, darf Clinton die Chinesen umarmen, denn diese Grossmacht muss mitspielen, wenn es Amerika schon bald wieder besser gehen soll.
Zitat:
"Zu lange und zu intensiv war Amerika auf den Irak und die gewaltsame Reaktion auf die Tragödie des 11. September konzentriert."
Afghanistan und Irak liegen nicht in Asien? Korea und Vietnam auch nicht? China als "wichtig" zu begreifen ist eine brandneue erkenntnis Obamas?
Irgendwie hatten wir gedacht, in den letzten Jahrzehnten hätten ie USA alles daran gesetzt, eurasiatische Grosmacht zu werden. Muss wohl ein Irrtum sein.
Und dass nicht nur die Clinton, sondern zugleich auch wieder Zigtausend Soldaten nach Afghanistan in Marsch gesetzt werden, muss wohl ebenso eine fta morganma sein. Ein Glück, dass wir die erkenntnisse solch fähiger Kommentatoren der SZ haben.