Ein Kommentar von Henrik Bork

Barack Obama hat erkannt: Asien ist wichtig. Dass seine Außenministerin nun als erstes dorthin fliegt, ist die Anerkennung der geopolitischen Realitäten unserer Zeit.

Die Welt erwartet, wünscht, ja ersehnt geradezu eine neue US-Außenpolitik. Und nun sendet Hillary Clinton das erste Signal, das Hoffnung macht. Sie hat sich Asien als Ziel ihrer ersten Auslandsreise als Außenministerin ausgesucht.

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Das ist eine glückliche Entscheidung, zu der man ihr nur gratulieren kann, auch wenn sie möglicherweise anfangs gegen ihren Willen zustande kam. Es heißt, sie wäre gerne zur Sicherheitskonferenz nach München gereist, aber da waren schon der US-Verteidigungsminister und schließlich der US-Vizepräsident angemeldet. So also Asien als zweitbeste Wahl eines Reisezieles, das einen fulminanten Start ins neue Berufsleben garantiert.

Hoffnung macht diese Asienreise, denn sie zeugt vom strategischen Realismus der amerikanischen Außenpolitik. Es ist, als habe der neue Kapitän Obama das Ruder übernommen, und er setzt nicht nur einen neuen Kurs, sondern lässt auch noch den Kompass neu kalibrieren.

Zu lange und zu intensiv war Amerika auf den Irak und die gewaltsame Reaktion auf die Tragödie des 11. September konzentriert. In der Zwischenzeit hat sich hinter Amerikas Rücken die wahre Revolution dieser Zeit abgespielt: Chinas beeindruckender Aufstieg zu einer wirtschaftlichen Großmacht mit hohen politischen Ambitionen.

Reisen eines amerikanischen Außenministers haben immer schon Aufsehen erregt, seit William H. Seward 1866 an Bord der De Soto auf die dänischen Jungferninseln segelte. Ähnlich wie Clinton war Seward gen Westen aufgebrochen, weil er dort die ökonomische Zukunft seines Landes vermutete. Clintons frühe Asienreise ist nichts weniger als eine Anerkennung der neuen geopolitischen Realitäten unserer Zeit.

Die Weltwirtschaftskrise und die Neuordnung der globalen Finanzmärkte, der Klimawandel und die zwingende ökologische Wende, Energiesicherheit - sämtliche großen Themen der Gegenwart sind heute nicht mehr vom atlantischen Bündnis alleine zu lösen. Eine stärkere Einbindung Chinas und anderer Schwellenländer in den internationalen Dialog ist überfällig.

Eben weil die Bush-Krieger Asien insgesamt eher vernachlässigt hatten, abgesehen vom Aufbau der Militärbasen in Ländern mit "-istan" im Namen, ist Clintons erste Auslandsreise auch ein Signal für einen neuen Multilateralismus. Asien als Region sei "unabkömmlich" für Amerikas Unterfangen, die Chancen und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzunehmen - das hat Hillary Clinton im Flugzeug nach Tokio mitreisenden Journalisten anvertraut.

Vor 20 Jahren noch nannte George Bush der Ältere Deutschland einen "Partner in der Führung". Dazwischen liegt Geschichte. Hillary Clinton spricht nun von einem "Netzwerk von Partnern", das sie aufzubauen gedenke. Sie beginnt damit in Asien.

Chance und Herausforderung - nirgendwo sonst ist diese Dualität so heikel wie im traditionell störungsanfälligen Verhältnis der USA zu China.

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