Von Christian Wernicke, Washington

US-Verteidigungsminister Gates fordert vom Präsidenten eine rasche Entscheidung über mehr Soldaten in Afghanistan.

In der US-Regierung verschärft sich der Streit um die künftige Strategie des Westens in Afghanistan. In klarem Widerspruch zu Vorgaben aus dem Weißen Haus erklärte Verteidigungsminister Robert Gates am Dienstag öffentlich, die Obama-Regierung müsse ihre Entscheidung über eine möglicherweise massive Aufstockung der US-Truppen notfalls treffen, noch bevor eine neue Regierung in Kabul gebildet sei.

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Obamas Zurückhaltung führt zu Irritationen bei US-Generälen. (© Foto:)

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Zuvor hatte Rahm Emanuel, als Stabschef des Weißen Hauses einer der engsten Berater des Präsidenten, in Fernsehinterviews gesagt, ohne eine legitime afghanische Regierung könne Barack Obama nicht entscheiden, ob Amerika "zusätzliche Truppen schickt oder ob wir dort überhaupt unsere derzeitige Mission erfüllen". Zudem scheint Washingtons Einfluss in Kabul geschmälert, weil der US-Sondergesandte Richard Holbrooke seit Wochen keinerlei Zugang mehr zu Präsident Hamid Karsai hat.

Pentagon-Chef Gates, der bereits unter George W. Bush arbeitete, fällt in der Debatte um Amerikas künftiges Vorgehen am Hindukusch eine Schlüsselrolle zu. Anders als die meisten Berater Obamas hat der Minister bislang nicht durchblicken lassen, ob er dem Gesuch des Nato-Oberkommandeurs in Afghanistan, des US-Generals Stanley McChrystal, zur Entsendung von zusätzlichen 40.000 bis 60.000 Soldaten zustimmt. Generalstabschef Admiral Michael Mullen und die höchsten US-Generäle befürworten McChrystals Forderung, auch Außenministerin Hillary Clinton und ihr Sonderbeauftragter Richard Holbrooke neigen dieser Option zu.

Im Weißen Haus hingegen wächst die Skepsis: Vize-Präsident Joe Biden will den Militäreinsatz mit einem Strategiewechsel zu einer Anti-Terror-Mission mit weit weniger Soldaten zurückfahren, und einige Vertraute wie Stabschef Emanuel sehen alarmiert, wie unter Demokraten der Widerstand gegen eine Eskalation des Krieges wächst. Emanuel fürchtet, dies könne die Parteilinke im Kongress verprellen, deren Unterstützung das Weiße Haus zur Durchsetzung der umkämpften Gesundheitsreform benötigt.

Nach dieser Logik könnte die Stichwahl in Afghanistan nun Obamas Regierung mehrere Wochen wertvolle Zeit schenken. Genau gegen diese Deutung jedoch stemmt sich Gates.

"Wir werden nicht einfach auf unseren Händen hocken und auf das Ergebnis dieser Wahl oder die Bildung einer Regierung in Kabul warten", sagte der Minister. Der Präsident werde sich entscheiden müssen, während die Lage in Kabul noch im Fluss sei.

Gates weiß, dass sich unter seinen Offizieren zunehmend Unwillen breitmacht darüber, wie lange Präsident Obama mit seiner Entscheidung über zusätzliche Soldaten zögert. Sicherheitsexperten mit guten Kontakten im Pentagon berichten, unter Militärplanern mache sich "zunehmend Frust breit, der schnell zu Unwillen führen kann".

Und Gates selbst wird gegen Ende dieser Woche beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister einräumen müssen, dass Washington noch immer nicht über die Truppenverstärkung für eine Mission entschieden habe, deren Kurs eigentlich erst im März von der Militärallianz bestätigt worden war.

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  1. Sie lesen jetzt Obamas Zögern frustriert die Generäle
  2. Kritik an Holbrooke
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