USA: Skandal um Anthony Weiner Erotischer Foto-Flirt ruiniert Polit-Karriere

Eine ausgebeulte Unterhose, eine nackte Brust: Der US-Politiker Anthony Weiner wollte anzügliche Fotos via Twitter an Internetbekanntschaften verschicken, doch versehentlich zeigte er sie der ganzen Welt. Nach etlichen Verschleierungsversuchen gab der ambitionierte New Yorker Demokrat schluchzend und stammelnd alles zu.

Von Michael König

Der Name des Bildes lautet "package.jpg". Es zeigt eine graue Unterhose mit Eingriff - und noch etwas mehr. Es sollte wohl sexy sein, aber es war letztlich nur verheerend. Der demokratische Kongressabgeordnete Anthony D. Weiner, 46 Jahre alt, wollte das Foto am 27. Mai um 23:35 Uhr via Twitter an eine Studentin in Seattle schicken, aber er drückte den falschen Knopf. Als er sein Missgeschick feststellte, war es zu spät. Zwei Wochen später, am vergangenen Montag, räumte Weiner auf einer Pressekonferenz in New York unter Tränen ein: "Ich habe schreckliche Fehler gemacht."

Dass soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook eher ungeeignet sind, um private Nachrichten zu verschicken, haben schon andere Internetnutzer erfahren müssen. Etwa Thessa, das Mädchen aus Hamburg, das versehentlich ganz Facebook-Deutschland zu seinem 16. Geburtstag einlud. 1500 Gäste kamen, die Polizei musste einschreiten.

Weiner aber ist nicht irgendwer, sondern ein ambitionierter Politiker in den USA. Ein Demokrat mit scharfer Zunge, der 2013 Nachfolger von Michael Bloomberg als Bürgermeister von New York werden wollte. Seine Wahlkampfkasse war bereits gutgefüllt, seine Beziehungen vielversprechend. Er ist verheiratet mit einer engen Vertrauten von US-Außenministerin Hillary Clinton. Ihr Mann, der frühere US-Präsident Bill Clinton, nahm im Sommer 2010 die Trauung vor.

Zu seinen Freunden zählt der Kongressabgeordnete aus New York auch Jon Stewart, Gastgeber der satirischen Nachrichtensendung The Daily Show und Ikone der amerikanischen Linken. Aber auch Stewart kam irgendwann nicht mehr umhin, Witze auf Weiners Kosten zu reißen. Dessen Nachname wird im Englischen wie das Wiener Würstchen ausgesprochen - umgangssprachlich ein Synonym für das männliche Geschlechtsteil.

Das Märchen von den Hackern

Das Foto von den sagenhaft hässlichen grauen Boxershorts mit der deutlich sichtbaren Ausbeulung war auf allen Nachrichtenkanälen zu sehen, dabei hatte Weiner es nur einer bestimmten Adressatin, einer 21-Jährigen aus Seattle, schicken wollen, wie er später einräumte. Weil er bei Twitter jedoch die falsche Option wählte, erschien der Link zum Foto nicht wie geplant nur in ihrem Postfach. Sondern auf seiner Twitter-Timeline, für jeden sichtbar auf seiner Profilseite.

Weiner bemerkte den Irrtum und löschte das Foto umgehend, aber das Internet verzeiht keine Fehler. Längst war das Bild kopiert worden, wenig später zerrissen sich konservative Blogger das Maul. Vorneweg der erklärte Linkenhasser Andrew Breitbart, dem es gelang, in seinem Blog biggovernment.com weitere Fotos von Weiner zu veröffentlichen, die der Politiker an Frauen im Internet verschickt hatte: Er präsentierte seinen nackten Oberkörper und hielt auch mal einen Zettel mit der Aufschrift "me" in die Kamera - als Beweis, dass er es wirklich selbst ist. Ein TV-Sender präsentierte derweil eine 26 Jahre alte angebliche Flirt-Partnerin Weiners, die behauptete, der Politiker habe ständig Telefonsex mit ihr verlangt.

Angesichts der Beweislage schien es von Anfang an schwierig, die Vorwürfe abzustreiten. Weiner tat es trotzdem. Sein Twitter-Account sei "offensichtlich gehackt" worden, ließ er zunächst durch sein Büro ausrichten. Später gab er etliche Interviews, in denen er die Hacker-These - wenig glaubhaft - vertrat. Auf die Frage, ob die grauen Boxershorts tatsächlich nicht seine sei, konnte Weiner allerdings nur ausweichend antworten.

Liberale Blogger hielt das nicht davon ab, vermeintliche Beweise für Weiners Unschuld vorzubringen und Andrew Breitbart, jenen konservativen Internetpublizisten, der den Skandal ins Rollen gebracht hatte, der Manipulation zu bezichtigen. Tatsächlich war Breitbart in der Vergangenheit schon mehrfach durch falsche Anschuldigungen gegenüber demokratischen Politikern und Organisationen aufgefallen.

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