Von Michael König

Eine Posse um Sarah Palin zeigt, in welch erbärmlichem Zustand sich die Republikaner befinden. Nach dem Ende der Ära Bush herrscht ein Machtvakuum, ein Herausforderer für Obama ist nicht in Sicht.

Wenige Politiker werden hierzulande so sehr mit den Begriffen "peinlich" oder "Panne" in Verbindung gebracht wie Sarah Palin. Das liegt zum einen an der hübschen Alliteration, die ihr Nachname hergibt. Und zum anderen daran, dass sie im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2008 von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen tapste. Der republikanische Kandidat John McCain hatte sie als Vizepräsidentin vorgesehen - dass letztlich die Demokraten Barack Obama und Joe Biden triumphierten, hing wohl auch mit Palins Patzern zusammen.

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Sarah Palin bei der Spendengala der Republikaner in Washington: Ein- und wieder ausgeladen. (© Foto: AP)

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Sieben Monate nach der Wahl ist die Gouverneurin von Alaska nun erneut die Protagonistin einer peinlichen Posse - diesmal allerdings trifft Palin nur eine Teilschuld. Es ist in erster Linie ihre Partei, die daran verzweifelt, einen adäquaten Gegenspieler für Barack Obama zu finden - und sich bei der Suche gerade zum Gespött der amerikanischem Medien gemacht hat. Palin lieferte mit einer Rede, die größtenteils abgekupfert war, gewissermaßen das Sahnehäubchen.

Geld für den nächsten Wahlkampf

In der Nacht zum Dienstag stand bei der Grand Old Party einer der wichtigsten Termine des Jahres an: Beim traditionellen Fundraising-Gala-Dinner in Washington sammelten die Republikaner knapp 15 Millionen US-Dollar Spenden, die für den nächsten Wahlkampf benötigt werden: 2010 stehen die sogenannten midterm elections an, bei denen ein Drittel der Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt werden.

Die Organisation des Gala-Dinners war so konfus, dass das Time Magazine auf seiner Website fragte: "Wie in aller Welt wollen die Republikaner ein Comeback schaffen, wenn sie schon bei der Organisation einer Feier straucheln?"

Die Feier ist gleichzeitig ein Schaulaufen der möglichen Obama-Konkurrenten für die Präsidentschaftswahl 2012 - und Sarah Palin wird sich vermutlich gefreut haben, als sie im Frühling eingeladen wurde, beim Dinner eine Rede zu halten.

Trotz ihrer Pannen im jüngsten Wahlkampf gilt sie bei vielen Republikanern als Favoritin - andere halten sie jedoch für schlichtweg untauglich. Und so passte es gut ins Bild, dass Palin, die ihre Teilnahme offenbar noch nicht fest zugesagt hatte, kurzerhand wieder ausgeladen wurde - obwohl sie bereits in einer Pressemitteilung als Rednerin angekündigt worden war.

Auftritt des Clinton-Widersachers

An ihrer Stelle sollte Newt Gingrich bei der Spendengala die Rede halten, der - wie auch die bei den Vorwahlen 2008 John McCain unterlegenen Mitt Romney und Mick Huckabee - ebenfalls als Kandidat für die Wahl 2012 gehandelt wird. Der langjährige Sprecher des Repräsentantenhauses war einst der ärgste Widersacher von Bill Clinton, ehe er sich wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten einem Untersuchungsausschuss stellen musste - und 1998 von der Bildfläche verschwand.

Der Rechtsintellektuelle wäre bei der Wahl 2012 allerdings 69 Jahre alt, und somit nur unwesentlich jünger als John McCain, der als 72-Jähriger gegen Obama verlor. Schon unken die Demokraten, der politische Gegner würde "Kandidaten-Recycling" betreiben - mit Genuss beobachten sie, wie sich die Republikaner immer tiefer in die Führungskrise manövrieren.

Mit der Ansetzung Gingrichs anstelle von Palin ging die Posse nämlich erst richtig los: Innerhalb des Organisationskomitees regte sich Widerstand gegen die Ausladung Palins. Anhänger der 45-Jährigen luden sie kurzerhand wieder ein - diesmal als Überraschungs-Gast, der vor oder nach Gingrich eine Rede halten sollte. Auch diese zweite Einladung wurde kurz darauf zurückgenommen: Palin solle Gingrich nicht die Schau stehlen, hieß es.

Angesichts des Einladungs-Chaos war es eine kleine Sensation, dass Palin überhaupt bei der Gala erschien, lächelte - und schwieg. Womöglich auch, weil sie bereits am vergangenen Mittwoch mit einer Rede negativ aufgefallen war: Ihre Laudatio auf den Talkmaster und Sohn des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, Michael Reagan, wies große Ähnlichkeiten zu einem Text auf, der 2005 veröffentlicht wurde.

Wie der Journalist Geoffrey Dunn auf der linksliberalen Nachrichtenseite Huffington Post anmerkte, habe Palin ihre Quelle zu Beginn der Rede zwar erwähnt, später aber keinen Unterschied zwischen Zitaten und eigenen Gedanken gemacht. Dunn nannte die Rede deshalb zunächst ein "Plagiat", revidierte dies später und kritisierte, Palin habe großzügig "abgekupfert".

Die Anwälte der Gouverneurin beeilten sich, Dunn zu widersprechen - womöglich aus Furcht vor weiteren Querelen. Einer der Autoren des zitierten Textes war nämlich ebenfalls ein Republikaner - einer, dem Palin demnächst noch öfter begegnen könnte: Newt Gingrich.

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(sueddeutsche.de/plin)