Eine Posse um Sarah Palin zeigt, in welch erbärmlichem Zustand sich die Republikaner befinden. Nach dem Ende der Ära Bush herrscht ein Machtvakuum, ein Herausforderer für Obama ist nicht in Sicht.
Wenige Politiker werden hierzulande so sehr mit den Begriffen "peinlich" oder "Panne" in Verbindung gebracht wie Sarah Palin. Das liegt zum einen an der hübschen Alliteration, die ihr Nachname hergibt. Und zum anderen daran, dass sie im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2008 von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen tapste. Der republikanische Kandidat John McCain hatte sie als Vizepräsidentin vorgesehen - dass letztlich die Demokraten Barack Obama und Joe Biden triumphierten, hing wohl auch mit Palins Patzern zusammen.
Bild vergrößern
Sarah Palin bei der Spendengala der Republikaner in Washington: Ein- und wieder ausgeladen. (© Foto: AP)
Anzeige
Sieben Monate nach der Wahl ist die Gouverneurin von Alaska nun erneut die Protagonistin einer peinlichen Posse - diesmal allerdings trifft Palin nur eine Teilschuld. Es ist in erster Linie ihre Partei, die daran verzweifelt, einen adäquaten Gegenspieler für Barack Obama zu finden - und sich bei der Suche gerade zum Gespött der amerikanischem Medien gemacht hat. Palin lieferte mit einer Rede, die größtenteils abgekupfert war, gewissermaßen das Sahnehäubchen.
Geld für den nächsten Wahlkampf
In der Nacht zum Dienstag stand bei der Grand Old Party einer der wichtigsten Termine des Jahres an: Beim traditionellen Fundraising-Gala-Dinner in Washington sammelten die Republikaner knapp 15 Millionen US-Dollar Spenden, die für den nächsten Wahlkampf benötigt werden: 2010 stehen die sogenannten midterm elections an, bei denen ein Drittel der Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt werden.
Die Organisation des Gala-Dinners war so konfus, dass das Time Magazine auf seiner Website fragte: "Wie in aller Welt wollen die Republikaner ein Comeback schaffen, wenn sie schon bei der Organisation einer Feier straucheln?"
Die Feier ist gleichzeitig ein Schaulaufen der möglichen Obama-Konkurrenten für die Präsidentschaftswahl 2012 - und Sarah Palin wird sich vermutlich gefreut haben, als sie im Frühling eingeladen wurde, beim Dinner eine Rede zu halten.
Trotz ihrer Pannen im jüngsten Wahlkampf gilt sie bei vielen Republikanern als Favoritin - andere halten sie jedoch für schlichtweg untauglich. Und so passte es gut ins Bild, dass Palin, die ihre Teilnahme offenbar noch nicht fest zugesagt hatte, kurzerhand wieder ausgeladen wurde - obwohl sie bereits in einer Pressemitteilung als Rednerin angekündigt worden war.
Auftritt des Clinton-Widersachers
An ihrer Stelle sollte Newt Gingrich bei der Spendengala die Rede halten, der - wie auch die bei den Vorwahlen 2008 John McCain unterlegenen Mitt Romney und Mick Huckabee - ebenfalls als Kandidat für die Wahl 2012 gehandelt wird. Der langjährige Sprecher des Repräsentantenhauses war einst der ärgste Widersacher von Bill Clinton, ehe er sich wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten einem Untersuchungsausschuss stellen musste - und 1998 von der Bildfläche verschwand.
Der Rechtsintellektuelle wäre bei der Wahl 2012 allerdings 69 Jahre alt, und somit nur unwesentlich jünger als John McCain, der als 72-Jähriger gegen Obama verlor. Schon unken die Demokraten, der politische Gegner würde "Kandidaten-Recycling" betreiben - mit Genuss beobachten sie, wie sich die Republikaner immer tiefer in die Führungskrise manövrieren.
Mit der Ansetzung Gingrichs anstelle von Palin ging die Posse nämlich erst richtig los: Innerhalb des Organisationskomitees regte sich Widerstand gegen die Ausladung Palins. Anhänger der 45-Jährigen luden sie kurzerhand wieder ein - diesmal als Überraschungs-Gast, der vor oder nach Gingrich eine Rede halten sollte. Auch diese zweite Einladung wurde kurz darauf zurückgenommen: Palin solle Gingrich nicht die Schau stehlen, hieß es.
Angesichts des Einladungs-Chaos war es eine kleine Sensation, dass Palin überhaupt bei der Gala erschien, lächelte - und schwieg. Womöglich auch, weil sie bereits am vergangenen Mittwoch mit einer Rede negativ aufgefallen war: Ihre Laudatio auf den Talkmaster und Sohn des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, Michael Reagan, wies große Ähnlichkeiten zu einem Text auf, der 2005 veröffentlicht wurde.
Wie der Journalist Geoffrey Dunn auf der linksliberalen Nachrichtenseite Huffington Post anmerkte, habe Palin ihre Quelle zu Beginn der Rede zwar erwähnt, später aber keinen Unterschied zwischen Zitaten und eigenen Gedanken gemacht. Dunn nannte die Rede deshalb zunächst ein "Plagiat", revidierte dies später und kritisierte, Palin habe großzügig "abgekupfert".
Die Anwälte der Gouverneurin beeilten sich, Dunn zu widersprechen - womöglich aus Furcht vor weiteren Querelen. Einer der Autoren des zitierten Textes war nämlich ebenfalls ein Republikaner - einer, dem Palin demnächst noch öfter begegnen könnte: Newt Gingrich.
- Thema
- Barack Obama RSS
- US-Politikerin Sarah Palin Palin plaudert 14.05.2009
- US-Republikaner in der Krise Ratlos und ohne Kopf 13.11.2008
- Nach der US-Wahl "Feiglinge!" 08.11.2008
- US-Republikaner Abrechnung mit Palin 07.11.2008
- Barack Obama und Hamid Karsai Angespannte Annäherung 13.05.2010
- Politik kompakt Angriff auf die Kirche "aus dem Innern" 11.05.2010
- Nach Anschlag in New York 48 Stunden freies Verhör 10.05.2010
(sueddeutsche.de/plin)
Szene München
Wer hier nach großen Unterschieden zwischen den USA und unserem Land sucht, muß sich viel Zeit nehmen.
Kaum war Obama an der Macht, hat er sich mit seiner Mannschaft den dringlichen Fragen gestellt.
Und da ist ein entscheidender Unterschied: Kaum waren unsere Politiker an der Macht, haben sie die Geldflüsse "geregelt". Sind sie schlecht dabei weggekommen? Eindeutige Antwort. Wohin sind die angeblich vertretenen Menschen nach dem geleisteten Eid hingekommen?
Palin war eine Notlösung, die die Löser selbst nicht ernst genommen haben außer ein paar Journalisten, die ständig auf der Suche nach "Kriegsschauplätzen" aller Art sind.
Sind sie eher uns oder wir ihnen ähnlich?
Sie sind doch unser grosses Vorbild und unser bester Freund.
Alles sollten wir ihnen aber wohl doch nicht nachmachen.
Ich finde, die SPD ist, soweit es um ihren Kanzlerkandidaten geht der besser Schüler
im Gegensatz zur CDU.
Wer aber braucht gerade jetzt einen Herausforderer für Obama?
Sollte der etwa der Antrieb für sein weiteres Handeln sein?
Er braucht so etwas nicht, weil er auch so sehr gut weiss, was er will.
Was er nötig hat, sind die richtigen Leute für die Umsetzung seiner Ziele und auch
die richtigen Partner im Ausland.
Bush wollte sie und bekam die, die er verdiente.
Klar war man damals nicht "dumm", genauso wie eine Sarah Palin nicht "dumm" ist.
Es passiert erfahrungsgemäß aber immer wieder daß dort wo ein hinreichendes Maß an Wissen, vor allem aber an intellektueller Denkweise fehlt, dieses Vakuum ersetzt wird durch Aberglaube, dumpfe Vorurteile und andere Dinge die die, die es besser wissen, ablehnen.
Sarah Palin wäre wahrscheinlich eine ganz andere Person, wäre sie anders aufgewachsen. Sie stellen sich diesen Zugang zum Wissen in Amerika etwas zu einfach vor: Viele, viele Menschen in Amerika haben keinerlei soziale Perspektive, und dies überträgt sich auf deren Kinder. Ganze Landstriche leben dort unter einer dumpfen Käseglocke der Perspektivlosigkeit, der Arbeitslosigkeit und der Verzweiflung und infolge dessen einer Selbstbetäubung zum Beispiel mit "Gläubigkeit" die tatsächlich ein "Opium fürs Volk" darstellt - ein SELBSTGEWÄHLTES!
Davon zu unterscheiden wäre ECHTE Religiosität, die vom klugen Menschen aus Erkenntnis frei gewählt wird und die deren Hirn nicht in Fage stellt sondern weiterbildet! Das nur um es gesagt zu haben.
Fakt ist: Millionen Amerikaner leben in sehr unglücklichen Verhältnissen, sehen keine Zukunft, lernen deshalb erst garnichts und verdummen deswegen. Das kann man denen aber nur bedingt vorwerfen, so, wie sie kaum Patienten in einer Klinik vorwerfen würden daß sie selbst schuld daran sind daß sie krank sind! Stattdessen hilft man.
Amerika ist mit der Bibel großgeworden - ohne Schulen und Universalbildung. Aber man braucht Bildung, um die Bibel zu verstehen. Ansonsten endet man auf dem Niveau wie viele Republikaner. Die Erde ist 6000 Jahre alt...
Es gibt einen relevanten Unterschied zum Mittelalter zwischen den jetzigen Republikanern und den damaligen Zentren des Wissens (Klöster, Skriptorien, wo abgeschrieben wurde) und von woher die Wege zum Wissen (im mittlerer Osten) ziemlich lang waren. Damals war man nicht dumm, sondern nur 'etwas' abgeschnitten vom Wissen. Heute hingegen kann man in den USA alles Wissen, wenn man sich dafür interessiert. Die Wege zum Wissen sind kurz. Das nützt leider nichts, weil die Schranken um die Dummheit sich in die Köpfe verlagert haben. Außerdem schämt sich dort keiner mehr seiner Dummheit. Bush hat es öffentlich, global vorexiziert.
Paging