Weiße Miliz in Ferguson Provokateure in Flecktarn

Schwer bewaffnet und mit Schutzwesten laufen die Milizionäre der "Oath Keepers" durch die Straßen von Ferguson.

(Foto: AFP)
  • Eine obskure Gruppe weißer Milizionäre patrouilliert durch Ferguson und spielt sich als privater Sicherheitsdienst auf.
  • Die "Oath Keepers" werfen der Polizei vor, während der Krawalle nach dem Tod des schwarzen Jugendlichen Michael Brown versagt zu haben.
  • Kritiker sehen in der Gruppe eine weitere Provokation.
Von Nicolas Richter, Claremont

Es mangelt in Ferguson nicht an Zorn und Verunsicherung, seit ein weißer Polizist vor einem Jahr den schwarzen Jugendlichen Michael Brown erschossen hat. Doch während der Proteste seither hat eine obskure Gruppe weißer Milizionäre in dem Vorort von St. Louis immer wieder für noch mehr Zorn und Verunsicherung gesorgt, jedenfalls unter den schwarzen Bürgern. Die selbsternannten "Oath Keepers" zeigen sich in Flecktarn-Anzügen, tragen ihre schweren Waffen zur Schau und spielen sich als private Sicherheitskräfte auf.

Ihr örtlicher Anführer Sam Andrews wirft der Polizei vor, sie habe während der gewaltsamen Krawalle im vergangenen Jahr versagt. Im Herbst zum Beispiel habe die örtliche Polizei angeblich eine Anweisung aus dem Justizministerium erhalten, Brandstifter und Plünderer nicht festzunehmen. "Mit anderen Worten: Schaut diesen Kriminellen dabei zu, wie sie eure Geschäfte und eure Wohnungen abbrennen und euch beklauen, und tut nichts", so Andrews auf der Website seiner Organisation.

Ein Jahr nach dem Tod von Michael Brown

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Als es im August vergangenen Jahres nach dem Tod Michael Browns zu ersten Gewaltausbrüchen kam, hätten örtliche Geschäftsleute und Anwohner um Hilfe gebeten, sagt Andrews. "Wir haben damals mit einer Sicherheitsoperation begonnen", erzählt er. Seine Männer hätten dabei geholfen, die Fenster von Geschäften und Wohnungen zu vernageln, und sich auf Dächer gestellt, um gegen Randalierer vorzugehen, drei Wochen lang, bis zum Ende der Demonstrationen. Die örtlichen Bewohner seien sehr dankbar gewesen. "Die Bürger Fergusons lieben uns", sagt Andrews.

Schwarze Bürger fühlen sich schikaniert und gedemütigt

Nicht alle Bürger sehen das so. Auf Twitter finden sich etliche Fotos der patrouillierenden Miliz, verbunden mit der Frage, wer diese Leute eigentlich beauftragt und warum die Polizei diese Privatarmee gewähren lässt. Die Unruhen in Ferguson wurden ja nicht nur durch den Tod Michael Browns ausgelöst, sondern durch das Gefühl der schwarzen Bürger, von weißen Sicherheitskräften permanent schikaniert und gedemütigt zu werden. Das martialische Auftreten der Polizei nach dem Tod Browns hat den Zorn genährt. Beobachter äußern die Sorge, dass die weißen "Oath Keepers" eine weitere Provokation sind.

Der örtliche Anführer Sam Andrews gibt sich als nüchterner Sicherheitsexperte, der auf die Erfahrung und Gesetzestreue seiner Leute hinweist. Die "Oath Keepers", übersetzt: "jene, die sich an ihren Eid halten", sind allesamt frühere Polizisten oder Soldaten, sie haben einen Eid geschworen, die Verfassung zu schützen, und wollen sich an diesen Eid auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Staatsdienst halten.

Kritiker der Organisation aber weisen auf deren seltsames Staatsverständnis hin, nennen sie militaristisch und eine erklärte Gegnerin der US-Regierung. Sollte die Regierung zum Beispiel versuchen, Amerikanern deren Waffen wegzunehmen, würden sie Widerstand leisten. Der Gründer Stewart Rhodes warnte 2008 in einem Manifest vor Diktatur und Polizeistaat. Ähnlich klingt Sam Andrews, der vor "kriminellen" Kräften in Polizei und Regierung warnt.

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