Krise mit Nordkorea Vielleicht war Trumps Gerede von Feuer und Zorn ein cleverer Schachzug

Auf seiner Golfanlage in Bedminster verbringt der US-Präsident seine Ferien. Dort hat er auch seine "Feuer-und-Zorn"-Rede gehalten.

(Foto: REUTERS)

Wenn nicht, dann könnte es in eine Katastrophe führen, wie die Welt sie seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Weiß er also, was er tut, wenn er den Konflikt mit Nordkorea sucht?

Kommentar von Hubert Wetzel

Seit Donald Trump US-Präsident ist, wird wieder über die sogenannte Madman-Theorie geredet. Damit ist eine Idee gemeint, welcher der frühere Präsident Richard Nixon anhing. Diese Theorie funktioniert so: Wenn Amerikas Gegner den Mann im Weißen Haus nur für hinreichend mad - also irre und unberechenbar - halten, wagen sie nicht, ihn zu reizen oder sich ihm zu widersetzen. Es könnte ja sein, dass er tatsächlich so verrückt ist, mit Atombomben zu werfen.

Man konnte sich in den vergangenen Tagen an diese Madman-Theorie erinnert fühlen. Von seinem Golfklub in New Jersey aus drohte Trump Nordkorea mit "Feuer und Zorn" und noch Schlimmerem, als sei er ein schlecht gelaunter biblischer Prophet. Aus dem Weißen Haus hingegen ließen Trumps außen- und sicherheitspolitische Berater wissen, so kriegerisch, wie der Präsident töne, meine er es gar nicht.

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Die Welt durfte also rätseln, ob da nun tatsächlich der Präsident der Vereinigten Staaten einem anderen Land mit einem Angriff, womöglich einem Atomschlag, gedroht hat; ob er vielleicht nur China, Schutzmacht des Diktators in Pjöngjang, ein bisschen aufrütteln wollte; oder ob die martialische Wortwahl wieder einmal nur ein Ausrutscher des notorischen Angebers Trump war.

Nicht zu streng sein mit Trump

Ganz klar ist das immer noch nicht. Eines ist freilich sicher: Um eine Theorie in die Praxis umzusetzen, bedarf es eines hohen Maßes an Wissen sowohl über die Theorie wie auch die Praxis. Anders gesagt: Wer auf der internationalen Bühne erfolgreich den Madman spielen will, sollte genau wissen, wie die wahre Welt da draußen aussieht, wo der vorgetäuschte Irrsinn endet und der echte beginnt. Verrücktheit funktioniert als Strategie nur, wenn man sie sehr kühl und rational anwendet; andernfalls endet alles im Desaster. Bei Donald Trump ist nicht immer zu erkennen, dass ihm das bewusst ist.

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Vielleicht sollte man, auch wenn das kein populärer Einwurf ist, zunächst nicht zu streng sein mit Trump. Es gibt derzeit viele Kritiker in Washington, die dem Präsidenten erklären, wie er dieses oder jenes Weltproblem lösen sollte - von Afghanistan über Syrien und den Nahost-Konflikt bis zu Nordkorea. Etliche haben in den vergangenen Jahren selbst in US-Regierungen gesessen. Und sie haben dort zugesehen, wie diese Probleme größer, verworrener und gefährlicher wurden, nicht selten waren sie dafür sogar verantwortlich. Die Welt ist nicht erst in Aufruhr, seit Trump sein Amt angetreten hat. Dass ein neuer Präsident nicht einfach dort weitermacht, wo andere jahrelang gescheitert sind, muss ja nicht falsch sein.

Andererseits muss man schon sehr viel blindes Vertrauen in Donald Trump setzen, um zu glauben, dass ausgerechnet er die Dinge wieder ordnen kann. Oder überhaupt ordnen will.