Desaster für Newsweek: Das US-Magazin hat seine Geschichte über Koranschändungen im US-Gefangenenlager Guantanamo nunmehr ganz zurückgezogen. Die Meldung hatte in Afghanistan antiamerikanische Proteste mit mindestens 17 Todesopfern ausgelöst. Nun erhebt die US-Regierung schwere Vorwürfe gegen die Journalisten.

Das US-Nachrichtenmagazin Newsweek hat seinen Bericht über angebliche Koran-Schändungen im US-Gefangenenlager Guantanamo nun vollständig zurückgezogen. "Auf der Grundlage dessen, was wir heute wissen, ziehen wir unsere Geschichte zurück, in der es heißt, dass eine interne Untersuchung des Militärs Koran-Schändungen in Guantanamo Bay aufgedeckt hat", erklärte der Herausgeber Mark Whitaker am Montag. Seine Stellungnahme enthielt nur diesen einen Satz.

In Pakistan verbrennen wütende Demonstranten die US-Flagge. (© Foto: afp)

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Die US-Regierung reagierte mit heftiger Kritik auf den Rückzieher des Magazins. Am Sonntag hatte Whitaker bereits Teile des Berichts als falsch bezeichnet und sich bei den Opfern der dadurch ausgelösten Unruhen entschuldigt. Die US-Regierung hatte dies als nicht ausreichend zurückgewiesen.

Dem Fernsehsender NBC sagte Whitaker am Montag, er und seine Mitarbeiter fühlten sich "fürchterlich". Er habe sich am Sonntag "bei allen Menschen, allen Opfern der Gewalt, bei den US-Soldaten und Soldatinnen, die der Gefahr ausgesetzt worden sind, entschuldigt, und wir reden das in keiner Weise klein".

Seiner Überzeugung nach sei der Artikel jedoch auch von islamistischen Extremisten genutzt worden, "um für Unruhen zu sorgen".

In einer Vorabmeldung aus der aktuellen Ausgabe des Magazins hatte Whitaker am Sonntag verkündet, dass der Informant des Blattes sich seiner Angaben nicht mehr sicher sei. Das Magazin hatte am 9. Mai unter Berufung auf einen ungenannten US-Beamten geschrieben, im Guantánamo-Lager hätten US-Verhörspezialisten den Koran in die Toilette geworfen.

In mehreren islamischen Ländern löste dieser Bericht wütende Proteste aus. In Afghanistan wurden mindestens 14 Menschen bei gewaltsamen Demonstrationen getötet.

Bevor Whitaker die Geschichte zurückzog, hatte die US-Regierung scharfe Kritik an der Newsweek geübt und eine Richtigstellung gefordert. US-Außenminsterin Condoleezza Rice sagte auf ihrem Heimflug von einem Irak-Besuch, die Angelegenheit sei "äußerst unglücklich". "Es ist entsetzlich, dass diese Geschichte veröffentlicht wurde, und ich glaube, dass sie viel Schaden angerichtet hat."

Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, betonte, die Zeitschrift habe die journalistischen Standards nicht eingehalten. Außenamtssprecher Richard Boucher sagte, es sei "entsetzlich", dass ein Artikel, der keine Grundlage habe, so viel Schaden angerichtet und sogar Menschenleben gekostet habe.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Bryan Whitman, nannte den Bericht über die angeblichen Koran-Schändungen "unverantwortlich" und "nachweislich falsch".

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(AFP)