Ein Kommentar von Andrian Kreye

Ein neues US-Gesetz soll künftige Generationen am Rauchen hindern - ein weiterer entscheidender Schritt zur sozialen Ächtung einer tödlichen Angewohnheit.

Wer heute in Gesellschaft oder auf der Straße eine Zigarette raucht, könnte sich genauso gut in Unterhemd und Trainingshose ein Fläschchen Korn genehmigen. Der Weg vom lässigen Gestus zum vulgären Akt hat in den Industrienationen nur ein paar Jahre gedauert.

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Zigaretten dürfen laut dem neuen Gesetzentwurf in den USA künftig nicht mehr als "light" bezeichnet werden (© Foto: AP)

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Dabei waren es keineswegs die Aufklärung und das gestiegene Gesundheitsbewusstsein, die das Umdenken bewirkten. Immerhin weiß man seit mehr als 50 Jahren, dass viele Raucher an ihrem Laster sterben. Es waren die strengen Gesetze, die in den vergangenen Jahren in Amerika und Europa den gesellschaftlichen Wandel brachten.

Nun hat der US-Senat ein Gesetz erlassen, das die Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) mit umfangreichen Machtmitteln ausstattet. Bisher waren Tabakprodukte von Kontrollen, denen jedes Lebensmittel und jedes Medikament unterzogen werden, ausgenommen.

Obama will das Gesetz ratifizieren

Den Grund für die Ausnahmestellung der Tabakerzeugnisse kann man an der Abstimmungsliste zu diesem Family Smoking Prevention and Tobacco Control Act erkennen. Die 17 Senatoren, die gegen ihre 79 Kollegen stimmten, werden allesamt mit großen Summen von der Tabakindustrie unterstützt. Präsident Barack Obama, selbst Raucher mit Schwierigkeiten beim Aufhören, hat schon zugesagt, dass er das Gesetz ratifizieren wird.

Die wichtigsten Punkte darin sind die Einschränkung von Werbung sowie die Befugnis der FDA, die rund 600 Zusatzstoffe in Tabakprodukten zu kontrollieren. Ein Komplettverbot wurde verworfen, denn das Alkoholverbot der Prohibition begünstigte den Aufstieg des organisierten Verbrechens zur Schattenmacht. So zielt das Gesetz auch eher darauf, künftige Generationen davon abzuhalten, mit dem Rauchen anzufangen, als aktive Raucher zum Aufgeben zu bewegen.

Zunächst sollen, ähnlich wie in Deutschland, Mogelbegriffe wie "light" verboten werden. Außerdem will man das Jugendmarketing wie die Werbung mit Comic-Figuren und das Sponsoring von Pop-Veranstaltungen unterbinden. Geschmacksstoffe wie Vanille, Kirsch und Limone sollen verboten werden, mit denen Tabakfirmen ihre Zigaretten versetzen, um Kinder zum Rauchen zu bringen.

Das sind herbe Schläge für die Industrie. Kaum ein Produkt kann so sehr auf lebenslange Markentreue zählen wie die Zigarette.

In welchem Kontext die amerikanischen Bemühungen stehen, zeigt der Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO von 2008. Weltweit sterben jedes Jahr 5,4 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Bis 2030 könnte die Zahl auf mehr als acht Millionen steigen; die meisten werden in Entwicklungsländern sterben.

Die WHO spricht von einer Epidemie, die man verhindern kann. Es gibt jedoch keine medizinischen, sondern nur politische und gesellschaftliche Lösungen. Gesetze sind da entscheidende erste Schritte zur sozialen Ächtung einer tödlichen Angewohnheit.

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(SZ vom 13.06.2009/aho)