USA Muslimas greifen zu den Hüten

"Ich bin Muslima, ich fürchte mich!" steht auf dem Schild, mit dem eine Frau in New York nach Trumps Wahlsieg ihre Ängste äußert.

(Foto: dpa)

Seit Donald Trump die Wahl zum US-Präsidenten gewonnen hat, fühlen sich viele Muslimas nicht mehr sicher und ändern ihr Äußeres.

Von Sacha Batthyany, Washington

Zwei Tage nach der Wahl des Republikaners Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA, nahm Blair Imami ihr Kopftuch ab und setzte sich einen Hut auf. Sie fühle sich mit Kopftuch auf den Straßen nicht mehr sicher, schrieb sie auf Twitter. Neulich habe ihr eine Gruppe Trump-Anhänger mit roten Mützen zugerufen: "Geh' doch zurück in dein Land!" Imami, 23, ist Frauenrechtsaktivistin. Sie ist schwarz, Muslima und lebt in Brooklyn, vielleicht einem der durchmischtesten Flecken der USA. "Amerika ist auch mein Land", sagte sie neulich in einem Radiointerview, nur fühle sie sich plötzlich unerwünscht.

Mit diesem Gefühl steht Imami nicht alleine da. Auf Twitter erzählen immer mehr Frauen, sie verzichteten auf ihr Kopftuch und trügen stattdessen einen Hut, um nicht aufzufallen. Sie erzählen in kurzen Sätzen ihre Geschichten: Belästigung im Bus. Tuscheln im Supermarkt. Kein Einlass mit Kopftuch in die Disco. Das mögen zwar Einzelschicksale sein. "Die meisten von uns leben ein gutes Leben hier", sagt Wardah Khalid, eine Autorin und politische Kommentatorin. Aber das Gefühl, als Muslima in den USA nicht willkommen zu sein, werde zunehmend stärker, findet sie. In einer Studie vor der Wahl gaben 70 Prozent der befragten Muslime an, Hillary Clinton wählen zu wollen. "Als das Ergebnis bekannt war, traute ich meinen Augen nicht", berichtet die Autorin Khalid. "Für mich ist seit dem 8. November klar: Man will uns hier nicht."

Donald Trump hat in seiner Rede in der Wahlnacht versprochen, ein Präsident für alle Amerikaner zu sein. In einem Fernsehinterview forderte er seine Anhänger dazu auf, Muslime nicht weiter zu belästigen. "Wenn es hilft, dann sage ich es hier und jetzt in aller Deutlichkeit: Hört auf damit!" Einige Wochen zuvor klang Trump noch anders. Als er am Sonntag vor der Wahl im Bundesstaat Minnesota auftrat, wo sich eine Gemeinschaft von 25 000 Somaliern niedergelassen hatte, nannte er die Somalier "ein Desaster" für den Staat. Trump hetzte mehrmals auf ähnlich ausfallende Weise gegen die in Amerika lebenden Muslime. So forderte der designierte US-Präsident ein Einreiseverbot für Muslime oder schlug vor, sämtliche Moscheen in den USA überwachen zu lassen, da sich dort "radikale Zellen" bildeten.

Mit dem pensionierten Drei-Sterne-General Michael Flynn hat Trump nun einen Mann zum Nationalen Sicherheitsberater ernannt, der den Islam in einer Rede als "Krebs" bezeichnet hatte, als "politische Ideologie", die sich "hinter dem Label Religion versteckt". Trump werde dem Kampf gegen den radikalen Islam die gesamte US-Außenpolitik unterordnen, befürchtet der demokratische Senator Chuck Schumer aus dem Bundesstaat New York. Der Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat sei das eine, so Schumer, "in den USA aber gegen Muslime zu hetzen, ist unentschuldbar".

Auch der Council on American-Islamic Relations (CAIR), eine islamische Bürgerrechtsorganisation, hat Sorge vor der wachsenden Islamfeindlichkeit. "2015 wurden 78 Moscheen attackiert, mehr als in den Jahren zuvor. Ich befürchte, wir werden den traurigen Rekord dieses Jahr brechen", sagte CAIR-Direktor Robert McCaw. Imami aber, die junge Muslima aus Brooklyn, will für das Recht auf ihr Kopftuch kämpfen. Sobald die aufgeheizte Stimmung im Land abklinge, sagt sie, gehe sie auf die Straße. "Ich lasse mir mein Amerika nicht wegnehmen."