Von Moritz Koch, New York

Ein letztes Mal treffen die US-Präsidentschaftskandidaten in einem TV-Duell aufeinander: Wie McCain trotz Obamas Umfrage-Vorsprung das Rennen machen will.

Man könnte meinen, der Wahlkampf sei gelaufen. Nie zuvor in diesem Jahr war der Vorsprung von Barack Obama auf John McCain so groß wie jetzt. Und nie zuvor in der Geschichte hat ein US-Präsidentschaftskandidat kurz vor dem Ziel noch so viele Wählerstimmen verloren.

Barack Obama und John McCain; dpa

"Die Welt, die sie erben werden, ist ganz anders als die Welt, die sie erwartet hatten" - Ökonomen zweifeln an den Wahlversprechen der beiden US-Präsidentschaftskandidaten. (© Foto: dpa)

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Nach einer neuen Umfrage der New York Times und des Fernsehsenders CBS kommt Obama drei Wochen vor der Wahl auf 51 Prozent der Stimmen, McCain nur auf 39 Prozent. Die Attacken der Republikaner auf Obamas Charakter haben ihrem Kandidaten mehr geschadet als genutzt. Obamas Ansehen bei den Wählern verbesserte sich in der vergangenen Woche, während sich die Meinung über McCain deutlich verschlechterte.

Dennoch will McCain seine Angriffsstrategie fortsetzen. In einem Radiointerview deutete er an, Obamas Verbindung zu dem früheren Bombenleger Bill Ayres zum Thema des dritten und letzten Fernsehduells machen zu wollen, das heute Abend an der Hofstra University in Hempstead östlich von New York stattfindet. Obama hatte zuvor gestichelt, McCain traue sich anscheinend nicht, ihn direkt mit den Ayers-Attacken zu konfrontieren.

Die Republikaner setzten seit mehr als einer Woche auf eine Negativkampagne über die angebliche Freundschaft zwischen Obama und Ayers. Obama habe seine politische Karriere mit Ayers Unterstützung begonnen, behaupten sie. Die Demokraten kontern, McCain wolle von der eigentlich wichtigen Frage des Wahlkampfes ablenken: Wie soll das Land aus der schwersten Finanzkrise seit der Großen Depression herausfinden?

Wenn man den Umfragen glaubt, sehen das die Wähler ähnlich, und so räumt auch McCain inzwischen ein: "Die Hauptthemen des Wahlkampfes sind die Wirtschaft, die Wirtschaft und die Wirtschaft." McCain weiß, dass er das Blatt nur noch wenden kann, wenn er die unentschlossenen Wähler auf seine Seite zieht. Er rühmt sich als Underdog, der sich schon oft aus aussichtslosen Situationen herausgekämpft habe. Sein Problem: Nur eine Minderheit glaubt, dass McCain die besseren Rezepte gegen den Abschwung hat.

Am Dienstag versuchte der Republikaner daher, die Initiative zu ergreifen und präsentierte einen neuen Wirtschaftsplan. Seinen Vorschlag aus der vergangenen Woche, mit 300 Milliarden Dollar die Hypotheken von bedrängten Hausbesitzern aufzukaufen, flankierte der Senator aus Arizona mit dem Versprechen weiterer Steuerentlastungen. So will er beispielsweise Verluste am Aktienmarkt im größerem Umfang steuerlich absetzbar machen und die Abgabe auf Spekulationsgewinne senken.

Obama hat für die Vorschläge seines Kontrahenten nur Spott übrig. "Selbst die klügsten Investoren machten derzeit Verlust, und alles was McCain zu bieten hat, ist eine Senkung der Steuern auf Spekulationsgewinne." Der Demokrat hatte eine revidierte Fassung seines Wirtschaftsplans schon am Montag vorgelegt. Sie sieht unter anderem ein Moratorium für Zwangsversteigerungen und ein Konjunkturprogramm vor, mit dem die marode Infrastruktur des Landes modernisiert werden soll.

Ökonomen bezweifeln allerdings, dass die Kandidaten ihre Versprechungen einlösen können. "Die Welt, die sie erben werden, ist ganz anders als die Welt, die sie erwartet hatten", sagt David Resler, leitender Ökonom des Finanzdienstleisters Nomura Securities. "Die triste Realität schränkt ihren Handlungsspielraum ein." Auch UBS-Volkswirt Maury Harris glaubt, dass die Folgen der Finanzkrise die ideologischen Differenzen zwischen Obama und McCain verwischen werden: Der nächste Präsident werde es sich nicht leisten können, im Weißen Haus sein Wahlprogramm abzuspulen. Vielmehr werde er als pragmatischer Krisenmanager regieren müssen. Wer auch immer gewinne, habe keine andere Wahl.

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(sueddeutsche.de/cag)