Der Mann für die Moral wird mit pikanten Details aus seinem Privatleben konfrontiert: John McCain, aussichtsreichster Bewerber der Republikaner für das Präsidentenamt, soll einem Zeitungsbericht zufolge eine Affäre gehabt haben.

Rechtschaffenheit und moralische Integrität, in persönlicher wie in politischer Hinsicht - das sind die Werte, für die der aussichtsreichste Präsidentschaftsbewerber der US-Republikaner, John McCain, in der Öffentlichkeit stehen möchte.

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John McCain: Harte Vorwürfe gegen den Moralisten. (© Foto: AP)

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Doch das Bild des ehrenwerten, familienverbundenen Konservativen und Kämpfers für striktere ethische Regeln in der Politik könnte durch eine jetzt bekanntgewordene Verbindung einen deutlichen Knacks erhalten. Denn der Senator aus Arizona soll vor neun Jahren ein Verhältnis mit einer Lobbyistin gepflegt haben.

Wie die New York Times meldete, vertrat seine mögliche Geliebte, Vicki Iseman, die Interessen der Telekommunikationsbranche. McCain hingegen war als Vorsitzender des Handelsausschusses genau für den Bereich zuständig, in dem die für diese Konzerne relevanten Entscheidungen getroffen wurden.

Die Lobbyistin Iseman begleitete McCain der Zeitung zufolge zu Benefizveranstaltungen oder besuchte das Büro des Senators - und zwar so häufig, dass es den Mitarbeitern des Senators auffiel und einer sogar fragte: "Warum ist sie immer anwesend?".

Nach einer Veranstaltung flogen McCain und Iseman sogar gemeinsam im Firmenjet eines Kunden der Interessensvertreterin zurück nach Washington, berichtet die Zeitung. Zu diesem Zeitpunkt seien einige Berater des Senators bereits so besorgt über die Beziehung gewesen, dass sie beschlossen hätten, einzuschreiten.

Denn die Mitarbeiter befürchteten erhebliche negative Auswirkungen auf die politische Karriere McCains. Der Senator bewarb sich damals zum ersten Mal um die Präsidentschaftskandidatur seiner Republikanischen Partei.

Auch die damalige Kampagne stützte sich dabei wesentlich auf das Bild des untadeligen und von wirtschaftlichen Interessen unabhängigen Politikers - das McCain umso mehr betonte, als er in den späten achtziger Jahren in einen Skandal um einen Bankier und Grundstücksagenten verwickelt gewesen war, der für seine unseriösen Geschäfte ins Gefängnis wanderte.

Doch auch nach dieser Affäre, die McCain nach Ansicht mancher Beobachter erstaunlich unbeschadet überstanden habe, wie die Zeitung schreibt, habe der Senator sich hinsichtlich seiner moralischen Maßstäbe bisweilen geradezu paradox verhalten.

So sei McCain beispielsweise nie direkt von Washington in seine Heimatstadt Phoenix geflogen, um jeden Anschein von Eigeninteresse zu vermeiden, da er das Gesetz zur Eröffnung dieser Route vor Jahren unterstützt hatte. Auf der anderen Seite habe der Senator aber nichts Anrüchiges daran gefunden, gemeinsam mit Leitern großer Konzerne, die bei ihm um Unterstützung für ihre Interessen warben, deren Firmenflugzeuge zu nutzen, darunter Medienmogul Rupert Murdoch.

Obwohl McCain auch an seiner Beziehung zur Telekommunikationsbranchen-Repräsentantin nichts Unrechtes sehen wollte, überzeugten ihn seine Mitarbeiter im Jahr 2000, die Beziehung zu Iseman zu beenden - ganz gleich, wie weit diese wirklich gehen mochte. Der Senator und die Lobbyistin bestritten ohnehin stets, ein intimes Verhältnis gehabt zu haben.

Wie die New York Times schreibt, wehrte sich McCain zudem gegen den Vorwurf, er habe Iseman oder die Firmen, die sie repräsentierte, in irgendeiner Weise bevorzugt: "Ich habe das Vertrauen der Öffentlichkeit nie verraten", sagte er der Zeitung zufolge.

McCains Wahlkampfmanagement wies den Bericht denn auch als falsch zurück. McCain sprach in einer in der Nacht veröffentlichten Erklärung von einer "Schmutzkampagne". Die Amerikaner seien diese Art von Politik leid. Zudem gebe es in dem Artikel nichts, was darauf hinweise, dass er sich inkorrekt verhalten habe. McCain wollte sich im Laufe des Donnerstags selbst zu den Vorwürfen äußern.

Dem Senator aus Arizona ist die Nominierung als Präsidentschaftskandidat seiner Partei kaum noch zu nehmen. Nach seinen Siegen zuletzt in Wisconsin und im Bundesstaat Washington liegt er klar vor seinem letzten verbliebenen Rivalen Mike Huckabee.

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(sueddeutsche.de/AP/Reuters/grc/gba/gal)