USA Klimaforscher stellen Trump bloß

Wissenschaftler aus 13 US-Behörden warnen vor einem beschleunigten globalen Temperaturanstieg. Sie gehen an die Öffentlichkeit, weil sie befürchten, dass der Präsident ihre Erkenntnisse unterdrückt.

Von Marlene Weiss

Nach dem angekündigten Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen warnen Wissenschaftler den Präsidenten, dass er auf dem falschen Weg sei. In einem Klimareport von 13 Behörden für den US-Kongress heißt es, die vergangenen Jahrzehnte seien die wärmsten der zurückliegenden 1700 Jahre gewesen. Seit 1880 hat sich die Welt demnach insgesamt um 0,9 Grad Celsius erwärmt, ein Großteil dieses Temperaturanstiegs ist klar auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Selbst wenn sämtliche Emissionen sofort eingestellt würden, wäre ein Temperaturanstieg von weiteren 0,3 Grad Celsius in diesem Jahrhundert unvermeidbar.

Der mehr als 500 Seiten lange Text ist der umfangreichste globale Klimareport seit dem jüngsten Bericht des Weltklimarats IPCC aus dem Jahr 2013. Er ist Teil der nationalen Klima-Auswertung, die alle vier Jahre für den US-Kongress erstellt wird. Die Regierung von Präsident Trump hat jedoch die Veröffentlichung noch nicht genehmigt. Laut einem Bericht der New York Times, die den Entwurf zugänglich gemacht hat, befürchten einige der Autoren, dass der Klimareport abgeschwächt oder unterdrückt werden soll.

Bis zum 18. August müsste unter anderem die Umweltbehörde EPA dem Bericht zustimmen, deren Chef Scott Pruitt den Zusammenhang von CO₂ und Klimawandel leugnet. Am Freitag hatte die Trump-Regierung die Vereinten Nationen schriftlich darüber informiert, dass sie aus dem Pariser Klima-Abkommen aussteigen wolle. Viele der Autoren des Klimaberichts sind Wissenschaftler der Meeres- und Klimabehörde NOAA, unter deren Führung der Bericht entstanden ist, andere arbeiten an Universitäten oder bei der Nasa. Sie haben Hunderte Studien aus internationalen Fachmagazinen ausgewertet. Der Bericht befasst sich sowohl mit dem globalen Klimawandel als auch mit Veränderungen, die in den USA eingetreten oder zu erwarten sind. "Es gibt reichlich Beweise, dass sich das Klima verändert, von der obersten Atmosphäre bis in die Tiefe der Ozeane."

Seit 1880 sei der Meeresspiegel um 23 Zentimeter angestiegen, gut ein Drittel davon entfalle auf die Zeit seit 1990. Nie zuvor in den vergangenen Jahrtausenden sei das Wasser schneller gestiegen. Im Lauf des 21. Jahrhunderts würden "mit sehr großer Sicherheit" mindestens weitere 30 Zentimeter hinzukommen. Neue Erkenntnisse zur Stabilität des polaren Eises zeigten aber, dass bei hohen Emissionen selbst ein Meeresspiegelanstieg von 2,4 Metern und mehr nicht ausgeschlossen werden könne. Das Tempo, in dem die Ozeane versauern, sei in den vergangenen 66 Millionen Jahren beispiellos.

Auch in den USA hat der Klimawandel längst begonnen. Die Wissenschaftler rechnen damit, dass es in Amerika bis zum Jahr 2100 um 2,8 bis 4,8 Grad Celsius wärmer sein wird als am Ende des 19. Jahrhunderts - je nachdem, wie sich die globalen Emissionen künftig entwickeln. Starkregen sei bereits heftiger und häufiger geworden. Im Westen dürfte sich die Schneebedeckung im Winter verringern. Sollten die Emissionen weiter steigen, sei dort bis zum Ende des Jahrhunderts lang anhaltende Trockenheit möglich.