Von Wolfgang Koydl

US-Präsident George Bush hat bei allem Streit kein Interesse, das kommunistische Regime in Pjöngjang zu stürzen.

(SZ vom 25.7. 2003) - Was ist nur in George Bush gefahren? Da ist ein Mitglied der auf zwei Staaten zusammengeschrumpften "Achse des Bösen", das unverhohlen und provozierend mit dem Bau von Atomwaffen droht, und was tut der amerikanische Präsident? Er zuckt mit den Achseln.

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"Der Wunsch der Nordkoreaner, die Welt davon zu überzeugen, dass sie ein Nuklear-Arsenal entwickeln, ist nicht neu", das war alles, was Bush sagte, nachdem die jüngsten Berichte seines eigenen und des südkoreanischen Geheimdienstes über Nordkoreas Atomwaffenprogramm bekannt geworden waren.

Diese Berichte waren freilich alles andere als alt, und sie waren ziemlich Be-sorgnis erregend: Die Geheimdienste halten es durchaus für möglich, dass Pjöngjang gerade dabei ist, atomwaffenfähiges Plutonium herzustellen.

Noch im vergangenen März hatte Bush gedroht, dass die USA ein nuklear bewaffnetes Nordkorea "nicht dulden" würden. Doch nun erhob er lediglich wie ein gestrenger Onkel den Zeigefinger:

"Eine unkluge Entscheidung"

Nordkoreas Despot Kim Jong Il müsse lernen, dass "seine Entscheidung eine unkluge Entscheidung" gewesen sei.

Bushs Gelassenheit hat freilich einen guten Grund: Anders als im Irak geht es ihm in Nordkorea - fürs Erste jedenfalls- nicht um Regime-Wechsel, sondern um Regime-Erhalt.

Denn nur eine funktionierende Regierung in Pjöngjang kann liefern, was die USA, aber auch Nordkoreas Nachbarn China, Russland, Japan und Südkorea wünschen:

Ein verbrieftes, überprüfbares Ende der Nuklearambitionen. Dafür will die Bush-Administration einen aus amerikanischer Sicht hohen Preis entrichten.

Wie Richard Boucher, der Sprecher des State Departments, bestätigte, ist die Regierung bereit, Pjöngjang schriftlich eine formelle Nichtangriffs-Garantie zu geben, die über ein bereits abgegebenes, weniger verbindlich klingendes Versprechen hinausgehen würde.

Allerdings ist fraglich, ob Nordkorea einem solchen Papier Glauben schenken würde und sich dadurch von seinen Nuklearplänen abbringen ließe.

Vielleicht ein Treffen in Peking

Angeblich sollen beide Seiten im kommenden Monat in Peking unter Vermittlung der Chinesen zusammentreffen.

Unmittelbar darauf könnte nach den Vorstellungen Washingtons eine größere Konferenz einberufen werden, an der dann auch Vertreter Südkoreas und Japans teilnehmen würden.

Sie alle sollten "mit einer Stimme sprechen", wie Bush unlängst erklärte, und Kim Jong Il nur eine Botschaft übermitteln: "Eine Entscheidung, ein nukleares Arsenal zu entwickeln, wird Dich vom Rest der Welt entfremden."

Falls Nordkorea sich dann einsichtig zeigen würde, wären die USA nach Informationen der Washington Post bereit, dem Land "eine ganze Palette" von Hilfsangeboten zu unterbreiten - von Lebensmittellieferungen bis zur Energieversorgung.

In Washington ist man zuversichtlich, dass diese Strategie funktioniert.

Zum einen glaubt man, Nordkorea wirksam isoliert zu haben, solange Peking mit den USA an einem Strang zieht. Denn auch die Chinesen haben kein Interesse an einer nordkoreanischen Nuklearmacht.

Unter anderem deshalb, weil dies in Tokio Überlegungen befördern könnte, eine eigene Atom-Abschreckung aufzubauen. Zum anderen ist man sich in der US-Hauptstadt verhältnismäßig sicher, dass Pjöngjang selbst keine Eskalation der Krise wünscht.

Kim will überleben

Kim Jong Ils Ziel sei das Überleben seines Regimes, heißt es in Washington. Jede Zuspitzung des Konfliktes, der Ausbruch kriegerischer Handlungen gar, würde jedoch aus Sicht der USA das Ende des bizarren Despoten in Pjöngjang bedeuten.

Auch Amerika hat kein Interesse an einem bewaffneten Konflikt. Denn die Folgen wären unkalkulierbar: Nordkorea könnte verheerende Verluste unter amerikanischen Soldaten und südkoreanischen Zivilisten anrichten und Japan in einen Krieg verwickeln. Zudem würde sich China vermutlich zu einer nachhaltigen außenpolitischen Kurskorrektur gezwungen sehen und auf Konfrontation zu den USA gehen.

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