USA Eltern von Otto Warmbier verklagen Nordkorea

Im vergangenen Jahr hatte Trump die Eltern von Otto Warmbier zu seiner Rede zur Lage der Nation eingeladen - es gab Standing Ovations im Kongress.

(Foto: AP)
  • Die Familie des nach nordkoreanischer Inhaftierung gestorbenen US-Amerikaners wirft Pjöngjang vor, ihren Sohn "brutal gefoltert und ermordet" zu haben.
  • Der Schritt der Familie Warmbier kommt für die Trump-Regierung zu einem heiklen Zeitpunkt.
  • In wenigen Wochen ist ein Treffen zwischen dem US-Präsidenten und Nordkoreas Machthaber Kim geplant.

Die Familie des nach monatelanger Inhaftierung in Nordkorea gestorbenen Studenten Otto Warmbier hat bei einem Bundesbezirksgericht in den USA Klage gegen Nordkorea eingereicht. Die Eltern des 22-Jährigen, der im vergangenen Juni nur wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA gestorben war, werfen dem "kriminellen" Regime von Machthaber Kim Jong-un vor, ihren Sohn "brutal gefoltert und ermordet" zu haben. Die Klageschrift, die auf 22 Seiten schonungslos auflistet, was dem jungen Mann während seiner 17-monatigen Gefangenschaft widerfahren sein soll, kommt für die amerikanische Regierung zu einem heiklen Zeitpunkt.

Für Ende Mai oder Anfang Juni ist ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim geplant. Es wäre das erste Treffen zweier amtierender Staatsschef dieser Länder überhaupt. Die Trump-Regierung hatte sich in der Vergangenheit immer wieder zur Causa Warmbier geäußert und der Präsident hatte seine Politik des maximalen Drucks auch mit dem Fall begründet. An diesem Donnerstag wiederholte Trump-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders, dass der Präsident "in klaren Worten" über den Schmerz gesprochen habe, den "jeder Amerikaner fühlte, als wir Otto Warmbier verloren haben. Dieses Gefühl des Verlustes hat sich nicht verändert."

Trump selbst war in den vergangenen Wochen von seiner Droh-Rhetorik gegenüber Nordkorea abgerückt. Im vergangenen Jahr hatte er in Anspielung auf das nukleare Potenzial der USA davon gesprochen, dass er über den "größeren Knopf" verfüge. Außerdem verspottete er Kim als "kleinen Raketen-Mann". Jüngst hatte sich Trump jedoch zuversichtlich gezeigt, dass das angedachte Treffen mit einem positiven Ergebnis für die USA und die Welt enden werde. Über Kim sagte er: "Er hat sich zuletzt wirklich sehr offen und, ich denke, ehrenhaft gezeigt, bei allem, was wir sehen."

Kritiker befürchten, Trump könnte Kim zu weit entgegenkommen

Nordkoreas Machthaber hatte seinerseits die Bereitschaft signalisiert, sein umstrittenes Atomwaffenprogramm einzustellen. Vor einem Treffen mit dem verfeindeten südkoreanischen Nachbar in dieser Woche hatte er angekündigt, vorerst keine Atomwaffentests mehr durchzuführen und eine Testanlage stillzulegen. Kritiker befürchten jedoch, dass Kim dem US-Präsidenten - der erpicht darauf ist, eine Lösung im Konflikt mit Norkorea herbeizuführen - zu große Zugeständnisse abringen könnte.

Otto Warmbier war im März 2016 in Pjöngjang zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden, weil er versucht hatte, im Personalbereich seines Hotels ein patriotisches Propagandabanner zu entwenden. Die nordkoreanische Justiz stufte den Plakatabriss als staatsfeindliches Handeln ein. Warmbier war eigentlich nur auf der Durchreise in Pjöngjang, sein Ziel war Hongkong, wo er ein Auslandssemester absolvieren wollte.

Als er im Juni 2017 freikam und in die USA zurückgebracht wurde, lag er bereits im Koma. Ärzte stellten schwere Hirnverletzungen bei dem jungen Mann fest. Der 22-Jährige habe in allen Bereichen seines Gehirns großflächige Schäden am Hirngewebe, teilten seine Mediziner mit. Warmbier starb am 19. Juni.

In einem Statement, aus dem die Washington Post zitiert, wirft Otto Warmbiers Vater Pjöngjang vor, seinen Sohn als Geisel genommen und aus politischen Gründen als Häftling gehalten zu haben. Er habe als Pfand gedient und sei von Kim Jong-un ausgewählt worden, um ihn einer besonders brutalen Behandlung zu unterziehen. "Kim und sein Regime haben sich als unschuldig dargestellt, während sie gleichzeitig das Leben meines Sohnes zerstört haben", wird Fred Warmbier zitiert. "Die Klage ist ein weiterer Schritt, um Nordkorea für die barbarische Behandlung von Otto und unserer Familie zur Verantwortung zu ziehen."