Ein Kommentar von Christian Wernicke

Das verfluchte Erbe der Bush-Regierung darf nicht zu Amerikas Schande werden. Doch je weiter die Blutspur der Folterer in höhere Etagen führt, desto heikler wird sie für Obama.

Inzwischen hat Amerika einen Präsidenten, dem seine Nation und der Rest der Welt glauben, wenn er sagt: "Die Vereinigten Staaten billigen keine Folter." Mit exakt demselben Satz hatte zwar stets auch Vorgänger George W. Bush die Unschuld seiner Regierung beteuert. Nur abgenommen hatte ihm das - nach Guantanamo, Abu Ghraib und den (längst nicht mehr) geheimen CIA-Lagern - niemand mehr.

Obama, AFP

Präsident Barack Obama hat - von Amts wegen und mit den Aktenbergen -die Schande seines Vorgängers Bush geerbt. (© Foto: AFP)

Anzeige

Das Leugnen des 43. Präsidenten klang zuletzt so wie all die Schwüre eines Mannes, der neun Monate nach einer intimen Affäre jeden Verdacht auf Vaterschaft abstreitet, mit der einfältigen Begründung, er sei bei der Geburt des Kindes im Kreißsaal ja nicht dabei gewesen.

George W. Bush, Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Condoleezza Rice - sie alle haben gewusst, was sie da zeugten im Weißen Haus.

Damals, wenige Monate nach dem 11. September, verband sie die panische Sorge, schon morgen oder übermorgen könnten die Mörder der al-Qaida erneut zuschlagen.

Das trieb die erste Riege der Republikaner zum Bruch mit dem, was Amerika im Kern ausmacht: die demokratische Kontrolle aller Macht, die Ehrfurcht vor dem Recht, der Respekt für Würde und Menschenrechte. Also zeichneten sie ab, was ihnen die Haudegen aus CIA und Pentagon abverlangten: die "Lizenz zum Foltern" im Namen der nationalen Sicherheit.

Der Zweck heiligte die Mittel

Niemand stellte damals lange Fragen, der Zweck heiligte die Mittel und die sogenannten verbesserten Verhör-Techniken. Am Strategie-Pult in Bushs Anti-Terror-Krieg fiel nicht nur die Moral unter den Tisch.

Auch jeder Zweifel, ob in Todesangst versetzte Häftlinge tatsächlich wahrhafte Aussagen machen, wurde beiseitegeschoben. Dick Cheney, der Dickschädel dieser Denkschule, glaubt das alles bis heute.

Und er ist wenigstens ehrlich genug, es offen zu sagen: All die Staats-Quälerei habe funktioniert - und was gestern Recht war, könne heute doch kein Unrecht sein.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum Barack Obama die Aufarbeitung der Verantwortung sicherstellen muss.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Heikle Blutspur
  2. Tastend nach einem Mittelweg
Leser empfehlen