USA Bundys Bande

Ammon Bundy im Büro des Malheur National Wildlife Refuge.

(Foto: REUTERS)

Amerikas Westen wird wieder wild: Eine bewaffnete Miliz besetzt ein Naturschutzgebiet in Oregon. Es geht darum, wem das Land gehört, der Bundesregierung, oder den Bundesstaaten.

Von Hubert Wetzel

Für manche ist Ammon Bundy einfach ein Irrer, ein Krimineller, gar ein Terrorist. Diese Sicht ist nicht ganz abwegig, denn vor ein paar Tagen stürmte Bundy mit einer Gruppe Gleichgesinnter, allesamt gut bewaffnet, in das Verwaltungsgebäude des Malheur National Wildlife Refuge, einem Naturschutzgebiet im Osten des Staates Oregon, das der amerikanischen Bundesregierung gehört. Seitdem halten Bundy und seine "Miliz", es sollen sechs bis zwölf Männer sein, das Naturschutzgebiet besetzt. Er werde erst abziehen, wenn die Regierung in Washington das Land wieder an die Bürger zurückgegeben habe, verkündete Bundy.

In den Augen anderer macht genau diese Forderung Bundy freilich zu einem Helden. Für sie ist der bärtige Rancher mit dem Stetson und der karierten Flanelljacke einer, der sich endlich auflehnt gegen die bleichen Bürokraten in Washington, die dem Volk das Land gestohlen haben und den Bürgern nun den Zugang zu Prärie und Wald versperren, sie mit Naturschutzregeln gängeln und Amerikas einst freien Westen in einen großen staatlichen botanischen Garten verwandeln.

Bundys Überfall auf den Park, der für seine seltenen Vogelarten bekannt ist, mag besonders spektakulär gewesen sein; die Gefahr, dass die Besetzung mit Blutvergießen enden könnte, macht den ganzen Fall zudem politisch sehr riskant. Doch die Kernfragen, um die es geht, sind nicht neu: Wem gehört das Land, das einmal der Wilde Westen war? Der US-Bundesregierung, die es schützt und hegt, damit Tiere und Pflanzen überleben und sich alle Amerikaner an der grandiosen Natur erfreuen können? Oder den einzelnen Bundesstaaten, die es vermutlich bereitwilliger freigeben würden für Landwirtschaft, Bergbau und Ölförderung, um Arbeitsplätze und Geld in die oft darbenden ländlichen Gebiete zu holen?

Diese Frage betrifft beileibe nicht nur ein paar Fleckchen der USA. Die amerikanische Regierung besitzt fast drei Millionen Quadratkilometer Land, vor allem zwischen Rocky Mountains und Sierra Nevada. In manchen Bundesstaaten, darunter Oregon, gehört die Hälfte des Territoriums oder mehr Washington. Und in der fernen Hauptstadt werden die Regeln für die Nutzung gemacht. Lokale Wirtschaftsinteressen kommen da oft zu kurz. Das löst immer wieder Streit aus. Der Bundy-Clan zum Beispiel zankt seit Jahren mit Washington um Gebühren dafür, dass er seine Rinder auf Bundesland grasen lässt. Familienoberhaupt Cliven Bundy, der der US-Regierung jede Legitimität abspricht, genießt deswegen in rechten Kreisen einen legendären Ruf. Die Militanz seines Sohnes, des 40-jährigen Ammon, wird zwar von den meisten verurteilt. Doch es gibt durchaus viele republikanische Politiker, die von Washington eine Rückgabe des Landes an die Staaten fordern.

Zu den Financiers dieser Bewegung gehören die ebenso reichen wie konservativen Brüder Charles und David Koch, die Umweltschutz für überflüssigen Quatsch halten. Bisher freilich scheiterten die Rufe nach Landrückgabe zumeist - Washingtons Landbesitz fußt auf der Verfassung, so leicht kommt da kein Bundesstaat ran.

Apropos Rückgabe: An die Rückgabe des Landes an jene, die früher Indianer genannt und von dort vertrieben wurden, denkt niemand.