Obama und die Militärtribunale: Politikwissenschaftler Dietmar Herz über den Umgang mit dem schwierigen Bush-Erbe, die neue Realpolitik des US-Präsidenten und die Risiken einer juristischen Aufarbeitung.
Dietmar Herz ist Professor am Lehrstuhl für Vergleichende Regierungslehre an der Universität Erfurt. Er hat auch an mehreren US-Universitäten unterrichtet.
US-Präsident Barack Obama. (© Foto: AP)
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SZ: Herr Professor Herz, warum ist es für Präsident Barack Obama so schwer, mit der Politik seines Vorgängers George W. Bush zu brechen?
Dietmar Herz: Obama hat mehr als andere US-Präsidenten mit der Vergangenheit gebrochen. Gleich zu Beginn hat er die Politik der Bush-Jahre total verrissen. Andererseits will er eine polarisierte Nation wieder zusammenführen. Beide Ziele widersprechen sich eigentlich.
SZ: Wie kann er den Konflikt lösen?
Herz: Obama beginnt nun eine realpolitische Wende. Er steht für eine neue Politik, aber er nimmt gleichzeitig Rücksicht auf Militär oder Geheimdienste, die den Demokraten traditionell eher misstrauen. Er wird die Folterfotos nicht veröffentlichen, weil ihm seine Generäle sagen, dass diese Dokumente den Hass auf US-Soldaten schüren werden. Er wird CIA-Mitarbeiter nicht vor Gericht stellen, obwohl sie gefoltert haben. Er will eine Entfremdung zwischen seiner Regierung und wichtigen Institutionen des Staats verhindern. Im Krieg in Afghanistan braucht er deren volle Loyalität.
SZ: Damit wird er jedoch seine Klientel, die Bürgerrechtler etwa, verärgern.
Herz: Die haben ja auch schon empört reagiert. Obama aber ist pragmatisch, er sagt sich, dass ihm diese Anhänger gleichwohl treu bleiben werden. Er ist der progressivste, liberalste Präsident seit langer Zeit. Seine Wähler wissen das.
SZ: Wie sind andere US-Präsidenten mit dem schwierigen Erbe ihrer Vorgänger umgegangen?
Herz: Gerald Ford wollte 1974 nach der Watergate-Affäre das Prestige der Präsidentschaft wiederherstellen. Er sagte, "unser Albtraum ist zu Ende". Er hat seinen Vorgänger Richard Nixon allerdings begnadigt, um zu verhindern, dass der wegen seiner Straftaten vor Gericht stehen musste. Das wurde damals heftig kritisiert, und es hat Ford wohl 1976 die Wahl gekostet. Allerdings muss man jetzt sagen, dass der Schritt sinnvoll war. Sonst wäre es zu der extremen Polarisierung, wie man sie unter George W. Bush erlebt hat, viel früher gekommen.
SZ: Muss man die Vergangenheit nicht auch juristisch aufarbeiten, um neu anfangen zu können?
Herz: Viele US-Präsidenten haben den Bruch ausgerufen, haben das Land neu gründen wollen. Jefferson hat das 1800 getan, später Ronald Reagan, indem er den Sozialstaat Roosevelts und Johnsons praktisch zerstört hat. Aber alle haben gewusst: Der Bruch muss für die Zukunft gelten, nicht für die Vergangenheit. Wenn Obama jetzt die Verantwortlichen der Bush-Zeit vor Gericht stellen würde, dann würden viele Amerikaner dies als "Angriff" auf Amerika begreifen, und viele würden sich wieder hinter die Republikaner stellen.
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(SZ vom 16.05.2009/bica)
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LilaLiechtenstein:,
ein sehr guter Kommentar aber leider nicht umsetzbar.
Ich Plädiere auch lieber auf ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende wo liegt das Problem.
Wenn vergangene unsägliche Geschichte nicht auf gearbeitet wird besteht immer die Gefahr das sie sich wiederholt.
Rädelsführer bekommen meistens hohe Haftstrafen oder sind dem Tot geweiht.
Selbstlose Menschen gab es immer in der Geschichte die so gar für ihre Überzeugung in den Tot gingen nur um das es der nächsten Generation besser geht.
Es ist ein Fehler der immer wieder gemacht wird, nach dem Ende eines Unrechtsregimes dessen Verbrechen nicht lückenlos aufzuarbeiten und die Täter, ihre Befehlsgeber und Helfer nicht zu bestrafen. Statdessen wird die Vergangenheit mit Harmoniesoße zugekleistert die Täter geschont und ihre Verbrechen mit "Befehlsnotstand" u.ä. entschuldigt. Das ist eine Verhöhnung der Opfer, wie sie schlimmer kaum vorstellbar ist!!!
Die nach dem Ende des Dritten Reiches nur pro forma betriebene Entnazifizierung ließ zahllose schreckliche Juristen auf ihren Posten, SS-Männer und KZ-Aufseher mutierten zu Polizisten und Beamten und konnten ungestört weiter ihr Unwesen treiben.
Ebenso verwenden die ehemaligen Stasi-Spitzel und IMs der Ex-DDR heute ihre großzügigen bundesdeutschen Renten dazu, mit Hilfe von Gerichten und Anwälten ihre Opfer mundtot zu machen, wenn sie an die Öffentlichkeit gehen und über Folter und Bespitzelung im Unrechtsregime DDR berichten wollen.
Eine Polarisierung sinnvoll und notwendig: auch in den USA sollte jeder nun ganz klar bekennen, ob er zu Folter und Terror, oder zu Demokratie und Bürger- und Menschenrechten steht!
Eine große Nummer war und ist der "Politikwissenschaftler" nicht. Bekommt man keinen Christian Hacke mehr?
jetzt ist er Präsident aller Amerikaner. So schwer es ihm auch fallen mag, es bringt nichts, wenn er die Verfehlungen der Bush-Regierung mit Eifer verfolgt.
Nein, er würde nur die Hälfte der US-Amerikaner gegen sich aufbringen und jede Unterstützung der Republikaner verlieren. Und die braucht er in den nächsten innen- und außenpolitisch hochbrisanten Jahren ganz dringend.
...und wieso klagt niemand anderes die Verbrecher dieser Welt an? Warum nicht wir, die wir ja anscheinend alle es besser wissen, warum machen wir (mich eingeschlossen) nicht eine Sammelklage gegen Bush, Cheney, Rice, Rumsfeld, Nordkorea, Afrika, Iran, Deutschland, Italien.. usw.. also eigentlcih alle, die gegen das geltende Menschenrecht verstoßen. Wieso machen wir keine Eingabe? Wäre es nicht auch unsere Pflicht? Wir haben immerhin keine Wahl zu gewinnen oder müssen es niemandem recht machen. Kennt jemand einen Anwalt, der eine Sammelklage gegen die Verstöße des Menschenrechts einleiten würde? Ich würde mitmachen. Aber ich weigere mich, enttäuscht zu sein. Sorry Leute. Wenn es diese Möglichkeit gibt und wir alle, die wir hier diskutieren uns einig sind, warum machen WIR es denn nicht?
Warum nicht die Ungezwungenen, die Nicht-Lobbyisten.
Ich kann es einfach kaum mehr hören, diese Litaneien, daß die Welt schlecht sei und alle sind unterdrückt und jeder hungert und lalala.. Anwälte dieser Welt, gebt uns die Möglichkeit einer Klage "DIe Zivilbevölkerung gegen Regierungen, oder Ex-Regierungen" Klage gegen Krieg und Klage gegen Geld und Werte vernichtung, gegen Folter, gegen Gesetze. Gibt auch gut Geld, wenn jeder Mitkläger 5 Euro gibt. Das wäre dann auch für Hartzer erschwinglich.
Wie-geht nicht? Ist denn Den Haag nicht auch MEIN Gerichtshof?
Paging