Ein US-Kongressausschuss stuft die massenhafte Tötung von Armeniern im Osmanischen Reich als "Völkermord" ein. Die Türkei ist empört. Ankara und Washington steuern auf eine schwere Krise zu.
Die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei steuern auf eine schwere Krise zu. Nachdem der Auswärtige Ausschuss des US-Repräsentantenhauses am Donnerstag die massenhafte Tötung von Armeniern im Osmanischen Reich als "Völkermord" eingestuft hatte, rief Ankara noch am Abend seinen Botschafter Namik Tan aus Washington zu Konsultationen zurück, eine scharfe Form des diplomatischen Protests.
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Historischer Hintergrund des Streits ist die Vernichtung und Vertreibung der Armenier aus Anatolien 1915/16. Armenien sagt, dabei seien bis zu 1,5 Millionen Armenier systematisch ermordet worden. Das undatierte Foto zeigt Armenier auf der Flucht. (© Foto: Reuters)
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"Wir verurteilen diese Resolution, die die türkische Nation eines Verbrechens beschuldigt, das sie nicht begangen hat", erklärte die Regierung. Der Ausschuss hatte mit der knappstmöglichen Mehrheit von 23 zu 22 Stimmen der entsprechenden Vorlage zugestimmt. Das Dokument könnte nun dem Plenum der Abgeordnetenkammer des Kongresses vorgelegt werden. Ob es dort ebenfalls angenommen wird, ist unsicher.
In der nicht bindenden Erklärung fordert der Ausschuss Präsident Barack Obama auf, die "systematische und vorsätzliche Auslöschung von 1,5 Millionen Armeniern klar als Völkermord zu qualifizieren". Im Wahlkampf hatte Obama angekündigt, als Präsident ebendies zu tun. Diese Zusage hat er bislang nicht eingelöst. Der Ausschuss verlangte zudem, der Präsident solle sicherstellen, dass die Erinnerung an die Ereignisse im Ersten Weltkrieg Teil der US-Außenpolitik sei.
US-Außenministerin Hillary Clinton hatte versucht, eine Mehrheit für die Resolution zu verhindern. Ihr Ministerium begründete dies damit, das Votum könne die Annäherung zwischen der Türkei und Armenien gefährden. Ähnlich hatte sich der Sprecher des Weißen Hauses geäußert. Der türkische Präsident Abdullah Gül hatte am Mittwoch mit Obama telefoniert. Zudem waren türkische Politiker nach Washington gereist, um Abgeordnete dazu zu bewegen, gegen die Resolution zu stimmen. Vertreter türkischer Staatsfirmen riefen Chefs großer US-Unternehmen in den USA auf, sich gegen die Resolution auszusprechen.
Bereits im Jahr 2007 hatte ein Ausschuss des US-Kongresses eine Armenien-Resolution verabschiedet und damit eine diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern ausgelöst.
Das Dokument hatte es aber wegen des politischen Widerstands nicht bis ins Plenum des Repräsentantenhauses geschafft. Nach Ansicht türkischer Interessengruppen könnte es diesmal anders sein. Sie werfen Obama vor, im Unterschied zu seinen Vorgängern nicht deutlich genug zugunsten Ankaras Stellung zu nehmen.
Historischer Hintergrund des Streits ist die Vernichtung und Vertreibung der Armenier aus Anatolien 1915/16. Armenien sagt, dabei seien bis zu 1,5 Millionen Armenier systematisch ermordet worden. Die offizielle Türkei spricht von höchstens einer halben Million Toten, deren Schicksal den Kriegswirren geschuldet sei und bestreitet scharf, dass es sich um einen systematischen Völkermord gehandelt habe.
Im Video: Ungeachtet des Drucks der Regierung und der Türkei hat ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses das Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs als Völkermord eingestuft.
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(SZ vom 05.03.2010/dmo)
Szene München
Die Lage in der Tuerkei ist auf das aeusserste Angespannt und die Dinge in der Innenpolitik noch nicht klar entschieden. Da kommt dieser Bericht,richtig zur Unzeit,nur ein Schelm denkt sich dabei etwas boeses.
Kann ja so sein, wie sie vorhin schrieben.
Sie wissen aber auch,dass die Nerven der AKP und Erdogan durch die Aufdeckung der Putschabsichten und Pläne des kemalistischen Militärs und Verhaftung von 70 hochrangigen Militärs letzte Woche sehr angespannt sind.
Vielleicht wird es einen Judas geben - um im Bild zu bleiben und - und Erdogan wird doch noch durch die Kemalisten ausgeschaltet, die kein Interesse an einer weiteren Demokratisierung der Türkei haben, weil ihnen für immer die Mehrheit an die Moslems verloren geht.
Wo bitte sind die Beitraege hingekommen ? Haben sie die wieder alle geloescht,wie vor einiger Zeit,oder gefallen ihnen die Beitraege nicht ?Kann es sein das der grosse Zentralrat wieder die rote Karte gezeigt hat. Ich wuerde mich auf eine Antwort freuen.
Ihre Befürchtungen teile ich nicht.
Die Türkei wird wohl den Teufel tun und sich ins eigene Fleisch schneiden.
Dazu ist sie viel zu stark vom Wohlwollen und Tourismus der Europäer abhängig. Die Türkei ist mittelfristig in einer Phase des Wirtschaftsaufschwungs und den wird sie nicht riskieren wegen der Anerkennung einer historischen Tatsache.
Allerdings stünde es auch anderen Völkern gut an, wenn sie eigene historische Schuld zugeben würden.
@Kraftwerker das hoffe ich mal nicht das es so weit kommen wird, Geopolitisch hätte Europa damit ein echtes Problem mit dem selbst das super dolle Raketen(abwehr/angriff)system der Amerikaner kaum wirkung zeigen würde.
Ich verstehe nicht warum man diese Sache nicht wissenschaftlich/historisch Aufklären kann? Ohne das die Politik irgendetwas zu sagen hat. Denn die wahrheit ist klar und eindeutig! Wäre toll wenn mir das jemand beantworten könnte.
Hoch lebe die Naturwissenschaft! zum Teufel mit dem Rest. :D
Paging