US-Whistleblowerin Chelsea Manning kritisiert renommierte US-Zeitungen

Chelsea Manning wurde am 17. Mai aus ihrer Haft entlassen.

(Foto: AFP)
  • Whistleblowerin Chelsea Manning ist seit Mai 2017 durch eine noch von Barack Obama gewährte Haftverkürzung in Freiheit.
  • Nun gab sie in der Vogue ein Interview - und kritisierte dabei unter anderem die zwei Zeitungen New York Times und Washington Post.

Der 17. Mai 2017 stellt einen Wendepunkt im Leben von Chelsea Manning dar. An diesem Tag - sechs Jahre, elf Monate und drei Wochen nach ihrer Verhaftung - wurde die US-Whisteblowerin aus dem Gefängnis entlassen. Nun, knapp drei Monate später, hat sie ein weiteres großes Interview gegeben. Die IT-Spezialistin Chelsea Manning, die sich damals noch Bradley Manning nannte, hatte Hunderttausende als geheim eingestufte Dokumente der US-Regierung an die Whistleblower-Plattform Wikileaks weitergegeben.

Es ist bezeichnend, dass Manning diesmal darüber nicht mit einer der großen Tageszeitungen gesprochen hat, sondern mit dem Modemagazin Vogue. Für die Septemberausgabe wurde sie von der bekannten Fotografin Annie Leibovitz im Badeanzug am Strand abgelichtet. In diesem Interview geht es neben gesellschaftlichen und Transgender-Themen auch um Kritik an dem Verhalten großer Tageszeitungen.

Denn ursprünglich wollte sie die 250 000 internen Depeschen und Dokumente gar nicht über Wikileaks veröffentlichen, wie Manning dem Magazin sagt. "2010 bin ich quer durch Washington D.C. geturnt, um die Washington Post zur Veröffentlichung dieses Materials zu bringen, und dann bin ich zur New York Times gegangen", erzählt Manning im Vogue-Interview. Doch die Reaktionen der beiden renommierten US-Zeitungen fielen für den damaligen Soldaten der US Army ernüchternd aus.

Ein Reporter der Post, mit dem sie kurz am Telefon Kontakt hatte, sah keine Geschichte in den Dokumenten. Und bei der Times hinterließ sie bei einem Vertrauensmann eine Nachricht auf der Mailbox - eine Reaktion gab es nicht. Später soll eben jener Redakteur gesagt haben, dass er keinerlei Erinnerung an eine solche Nachricht habe. Allerdings bekomme die Times Hunderte solcher Nachrichten jede Woche. Chelsea Manning stand damals allerdings unter Zeitdruck, denn sie musste zurück in den Irak. Also wandte sie sich an Wikileaks, die von Julian Assange betriebene Veröffentlichungsplattform.

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Für Manning sind dies systemische Probleme. Sie fordert, dass es mehr Wege geben sollte, um über die Handlungen der Regierung zu sprechen. Sie kritisiert zudem, dass es für interne Kritik bei der Regierung oder auch der US Army keine sinnvollen, funktionierenden Möglichkeiten gebe. "Mir sagen viele Leute, dass ich die richtigen Kanäle hätte nutzen sollen. Doch die richtigen Kanäle funktionieren nicht."

Dennoch bereut sie ihre Entscheidung bis heute nicht. Im Gegenteil, sie akzeptiert, dass sie für ihre Handlungen Verantwortung übernehmen muss. Allerdings sagt sie auch: "Ich denke es ist wichtig, sich zu erinnern, dass es, wenn bei der Regierung etwas falsch läuft, egal ob es illegal, unmoralisch oder unethisch ist, keine Möglichkeiten gibt, etwas dagegen zu tun."

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