Von Reymer Klüver, Washington

Angesichts des deutlichen Vorsprungs ihres Konkurrenten Obama fordern einflussreiche Demokraten Hillary Clinton auf, nach dem Abschluss der Vorwahlen in der kommenden Woche die Niederlage einzugestehen.

Der Druck auf Hillary Clinton, das Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur verloren zu geben, wächst. Sowohl die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, als auch der Chef der Demokraten im Senat, Harry Reid, gaben zu verstehen, dass sie eine Entscheidung über den Kandidaten der Partei in der kommenden Woche wollen.

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Auf Hillary Clinton wächst der Druck, das Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur verloren zu geben. (© Foto: AP)

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Angesichts des deutlichen Vorsprungs von Barack Obama bei den Delegierten für den Wahlparteitag der Demokraten im August wird das allgemein als Hinweis der einflussreichen Parteigranden an Clinton verstanden, nach dem Abschluss der Vorwahlen in der kommenden Woche die Niederlage einzugestehen und offiziell ihren Verzicht auf die Kandidatur zu erklären. "Um diese Zeit in der nächsten Woche wird alles vorbei sein, einen Tag hin oder her", sagte Reid am Donnerstag.

Tatsächlich dürften die letzten ausstehenden Entscheidungen am Sonntag in Puerto Rico und am kommenden Dienstag in Montana und South Dakota am Vorsprung Obamas wenig ändern.

Clintons letzte Chance: Ein klarer Sieg in Puerto Rico

In Puerto Rico liegt Clinton Umfragen zufolge mit 50 zu 37 Prozent deutlich vor Obama. In Montana und South Dakota hingegen werden klare Siege Obamas vorausgesagt, so dass sich das Verhältnis bei den Delegiertenstimmen nicht wesentlich verändern dürfte.

Bisher führt Obama mit einem Vorsprung von rund 200 Delegierten. Einer Zählung der Nachrichtenagentur AP zufolge fehlen ihm noch 44 Stimmen, um sich die Mehrheit der Delegierten zu sichern. Clinton hofft offenbar noch immer, durch einen klaren Erfolg in Puerto Rico beim sogenannten popular vote an Obama vorbeiziehen zu können und so ein Argument für ihre Kandidatur zu erhalten.

Das popular vote ist die Gesamtzahl der bei den Vorwahlen abgegebenen Stimmen. Dort liegt Obama bisher mit 1,4 Prozentpunkten nur knapp vorn. Entscheidend für die Nominierung als Kandidat der Partei ist allerdings nicht die Mehrheit bei den abgegebenen Stimmen, sondern die Mehrheit bei den Parteitagsdelegierten.

Auch ein für Samstag mit Spannung erwarteter Schiedsspruch über die Einbeziehung der bisher nicht gewerteten Vorwahlen in Michigan und Florida dürfte die Gewichte nicht wesentlich verschieben. Die Delegierten beider Bundesstaaten sind bislang vom Wahlparteitag ausgeschlossen, weil Florida und Michigan absprachewidrig den Termin ihrer Primaries vorgezogen hatten.

Die Kandidaten hatten daraufhin dort keinen Wahlkampf gemacht. In beiden Staaten hatte Clinton gewonnen. Nun wird allgemein erwartet, dass das "Rules und Bylaws Committee" der Demokratischen Partei Delegierte beider Bundesstaaten auf dem Wahlparteitag zulässt - allerdings nur die Hälfte der sonst Florida und Michigan zustehenden Delegierten, oder alle Delegierten, aber nur mit halbiertem Stimmrecht.

Das dürfte den Vorsprung Obamas bei den Delegierten um etwa 20 Stimmen verringern. An der Gesamtsituation würde diese Entscheidung aber nichts ändern. Die für die Nominierung nötige absolute Mehrheit würde sich lediglich von 2026 auf 2117 Stimmen erhöhen.

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(SZ vom 31.05.2008/mb)