Von Moritz Koch, New York

Obama und McCain geißeln die Gier der Finanzbranche, doch beide haben ihren Wahlkampf mit viel Geld der Wall Street angetrieben.

Lehman ist pleite, Merrill Lynch verkauft, AIG unter staatlicher Kontrolle, und nur eines ist sicher: Die Finanzkrise wird noch weitere Opfer fordern. Mitleid aber kann die Wall Street nicht erwarten. Jedenfalls nicht von Barack Obama und John McCain.

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Muss jetzt bei seinem Wahlkampf auf viel Geld von der Finanzbranche verzichten: Barack Obama. (© Foto: Reuters)

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Die Gier der Händler habe Amerikas Wirtschaft an den Rand des Abgrunds getrieben, behaupten die Präsidentschaftskandidaten seit Tagen und überbieten sich mit populistischen Vorschlägen zur Bändigung des Raubtierkapitalismus. Dabei haben beide Politiker und ihre Parteien die so gescholtenen Bankiers bis zuletzt hofiert und ihre Wahlkampfmaschinerie mit dem Geld der Wall Street angetrieben.

Viel Geld von Lehman Brothers für Obama

Finanzfirmen und ihre Mitarbeiter überwiesen den Kandidaten seit Beginn des Wahlkampfs mehr als 114 Millionen Dollar. So spendabel war keine andere Branche, wie Zahlen des unabhängigen Center for Responsive Politics zeigen.

Mehrheitlich stand die Wall Street dieses Jahr auf Seiten der Demokraten. Obama und seine Parteifreunde konnten bis Ende Juni 52 Prozent aller Spenden der Finanz- und Immobilienbranche einstreichen. 2004, als George W. Bush gegen John Kerry gewann, lagen die Republikaner in der Gunst der Wall Street vorn.

Besonders Obama-freundlich waren die Mitarbeiter der untergegangenen Investmentbank Lehman Brothers. Von ihnen bekam der demokratische Senator mehr als doppelt so viel wie sein republikanischer Kontrahent McCain.

Auch Goldman Sachs, UBS und Citigroup bevorzugten Obama. Fast paritätisch spendeten die Angestellten von Morgan Stanley. Nur bei Merrill Lynch lag McCain vorn.

Seit Juli aber ist der Geldstrom aus New York für beide Lager so gut wie ausgetrocknet. Spendeneintreiber müssen sich nach neuen Quellen umsehen, um den teuersten Wahlkampf der amerikanischen Geschichte zu finanzieren. Gerade für die Demokraten könnte das Probleme bedeuten. Denn Obama entschied sich, für seine Kampagne auf Staatsgeld zu verzichten.

Spendenausfälle sind für ihn wesentlich schmerzhafter als für die Republikaner, die ohnehin nur noch über die Parteiorganisation Spenden eintreiben dürfen. McCains Wahlkampfteam muss seit Anfang des Monats auf privates Geld verzichten, weil es die 84-Millionen-Dollar-Hilfe des Finanzministeriums in Ansprunch nimmt.

Obamas Strategen hoffen, dass die Einnahmeausfälle von der Wall Street durch Kleinspenden von einfachen Bürgern kompensiert werden, die acht Jahre republikanische Regierungspolitik für die Exzesse im Finanzsystem verantwortlich machen. Bisher zumindest ging die Rechnung auf: Im August sammelte Obama mit 66 Millionen Dollar so viel Geld wie kein Kandidat vor ihm.

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(sueddeutsche.de/gdo)