Es ist einfach, zu Hillary Clinton gemein zu sein. Aber im Gegensatz zu Barack Obama weiß sie, dass ein Präsident nicht mit dem populistischen Anti-Washington-Reflex regieren kann.
Es ist einfach, zu Hillary Clinton gemein zu sein. Sie ist als erfahrenste Anwärterin auf das Weiße Haus angetreten - und das trotz ihrer katastrophalen Leistung als Kopf hinter Bill Clintons gescheiterter Gesundheitsreform.
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John Hulsman ist Forscher bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin und Inhaber eines Beratungsunternehmens für Auswärtige Angelegenheiten. (© Foto: John Hulsman Enterprises)
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Sie hat versucht zu vermitteln, dass sie ins Rennen gegangen ist, um armen Amerikanern zu helfen. Sie hat versucht, selbstlos auszusehen, während sie zur gleichen Zeit so siegessicher war, dass sie nicht daran dachte, eine Strategie für die Zeit nach dem Super Tuesday zu entwickeln. Arroganz und Unfähigkeit sind keine gute Kombination.
Aber Hillary Clinton hat in Washington bereits so viele Kämpfe ausgefochten, wie kaum jemand zuvor. Während ihres Abstiegs hat Barack Obama auf den populistischen Trick zurückgegriffen, Stimmung zu machen gegen Washington und alles, was dafür steht.
Clinton hingegen hat klar gemacht, dass man nur eine Chance hat, viel zu erreichen, wenn man die oftmals widerwärtigen Vorgänge in der Hauptstadt kennt. In dem Punkt hat sie recht.
Es war nicht überraschend, dass die Taktik, auf die Arbeit Washingtons zu schimpfen zum Einsatz kam, als das Rennen um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten wilder wurde. Obama reagiert auf die letzten verzweifelten Versuche der Clinton-Kampagne wie vorherzusehen war: Er gibt schöne Reden, aber er hat nicht die nötige Erfahrung, um ein guter Präsident zu sein.
Obama sagt: "Das letzte was wir brauchen, sind dieselben alten Leute (aus Washington), die dieselben Dinge tun wie früher." Wie schon die beiden einzigen erfolgreichen demokratischen Präsidentenanwärter der vergangenen 30 Jahre, Jimmy Carter und Bill Clinton, stellt Obama die Erfahrung - also das Wissen über die schmutzigen Tricks, mit denen man in Washington regiert - als moralisch verdächtig dar, statt sie als lebenswichtig zu begreifen, um Veränderungen herbeizuführen.
Washington ist für die meisten Amerikaner auf einer Stufe mit der Unterwelt. Seit Vietnam und Watergate steht die Hauptstadt für das Scheitern der USA. In der öffentlichen Wahrnehmung werden die Geschicke dort von einer Elite bestimmt, die keinen Respekt vor dem Rest des Landes hat.
Aber wie bereits Abraham Lincoln geschickt beobachtete, hat Amerika eine Regierung von, durch und für die Bürger. In einer Republik bekommen die Bürger die Regierung, die sie verdienen - schließlich sind sie die Regierung. Die Regierung in Washington von denjenigen zu unterscheiden, die sie gewählt haben, ist falsch.
Die Bilanz der vergangenen zwei demokratischen Präsidenten zeigt: Im Gegensatz zu einem Wahlkampf gegen Washington regiert man es auf eigene Gefahr. Wie kein anderer stieg Jimmy Carter mit dem Washington-ist-an-allem-schuld-Impuls auf, aber er fiel auch damit. Carter war ein unbekannter Ex-Gouverneur aus Georgia. Aber er wusste, seine wenigen Kontakte nach Washington galten als seine populärsten Eigenschaften.
Amerika war krank, es litt unter den Lügen über Vietnam, es war erschrocken über die Exzesse von Watergate. Es war scheinbar bereit, zu jedem aufzuschauen, der in die Sache nicht involviert war. Indem er mit dem Slogan "Ein neues Gesicht" warb, gewann Carter überraschenderweise die Vorwahlen - vor Herausforderern, die Teil der regierenden Klasse in Washington waren.
Indem er die Debatten nutzte, um den Mangel an Ehrlichkeit in Washington anzuprangern, gelang Carter bei der Wahl 1976 ein knapper Sieg über Gerald Ford. In seiner Antrittsrede blieb Carter bei seiner Botschaft und sagte, dass "die Regierung unsere Probleme nicht lösen kann". Im Rückblick fragt man sich, warum er überhaupt für das höchste öffentliche Amt kandidierte.
Was im Wahlkampf noch ein cleverer Trick war, wurde beim Regieren zur Bürde, da Carter das Washingtoner Establishment arrogant ignorierte. Als sich die Probleme seiner Präsidentschaft häuften, waren die erfahrenen Demokraten nicht geneigt dem Mann zu helfen, der keine Anstalten gemacht hatte, sie um Rat zu fragen. Bei seiner Kampagne gegen Washington war Carter so weit gegangen, dass er Verbündete vergrault hatte, die seine erfolglose Präsidentschaft hätten retten können.
Fortsetzung auf der nächsten Seite: Auch Bill Clinton war ein Gouverneur aus den Südstaaten, der Washington schlechtmachte und damit Präsident wurde.
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Debatte über Militäreinsatz in Syrien
Ich denke, dass die Entscheidung für Clinton oder Obama viel stärker vom Gefühl der Menschen abhängt, wie die zwischen McCain und seiner(m) Herausforderer.
Mal ehrlich, so groß ist der Unterschied zwischen den Beiden ja nicht. Selbst nach etlichen mitverfolgten Debatten fällt es schwer diese Details mal einfach so aufzuzählen. Was bei vielen Menschen zählt ist das Gefühl das sie vermittelt bekommen.
Obama hat einfach eine bemerkenswerte Ausstrahlung, im Vergleich dazu ist Hillary einfach schon sehr abgenutzt und verkörpert geradezu das Alte, das was schon Jeder kennt.
Nach den Jahren unter den Bushs und zumindest einem Teil der Zeit unter den Clintons sehnen sich viele Amerikaner wohl schon sehr nach einem Neuanfang. Das geht zwangsläufig dann auf Kosten der Erfahrung, aber das akzeptieren die Leute.
Mal ehrlich, eine solche Persönlichkeit wie Obama würde auch in Deutschland gute Chancen haben. Ein frisches Gesicht, reichlich Charisma und die Aussicht die ritualisierten Grabenkämpfe einmal zu überwinden klingt doch viel besser als Merkel, Beck, Westerwelle und all diese traurigen Gestalten mit ihren immer gleichen, immer öden und vorhersehbaren Statements und Beissreflexen.
Ein deutscher Obama, das wäre doch mal eine schöne Vorstellung
Don_Vito
Ich ziehe Hillary Clinton gegenüber Obama vor, sehe aber beide als gute Kandidaten. Gewinnt Obama am 4. März auch nur entweder Ohio oder Texas steht er aber praktisch als Kandidat fest. Durch die proportionale Aufteilung der Delegierten bei den Demokraten reichen dann knappe Siege in kleineren Staaten (bzw. ein realistischer Sieg in Pennsylvania) nicht mehr zum Aufholen.
Clintons berechtigter Verweis auf ihre größere politische Erfahrung, schließlich hatte sie im Weißen Haus mehr politisches Gewicht als mancher Vizepräsident in der US-Geschichte, hat auch deshalb wenig genützt, weil dem ihr Votum für die Autorisierung militärischer Gewalt gegen Irak entgegengehalten werden kann. Obama war damals noch nicht im US-Senat und stand daher auch unter geringerem politischem Druck, hat den Krieg aber richtigerweise von Anfang an abgelehnt. Hinzu kommen Managementfehler in Clintons Kampagne, die der zu großen Siegessicherheit geschuldet waren und natürlich Obamas inspirierende Rhetorik. Nach vielen Jahren Arbeit im Trommelfeuer der republikanischen PR-Maschinerie wäre es dennoch bitter für die Senatorin, von jemandem besiegt zu werden, der gerade auch weil er das nicht erlebt hat unverbraucht und parteiübergreifend attraktiv wirkt.
Ob sich die guten Umfragewerte Obamas im direkten Vergleich mit John McCain halten lassen ist zudem unsicher. Er hat ein relativ liberales Abstimmungsverhalten aufzuweisen, was in den demokratischen Vorwahlen nicht gegen ihn zu verwenden war, im eigentlichen Wahlkampf aber durchaus. McCain kann außerdem seine außenpolitische Erfahrung besser ausspielen als Clinton, die Wählerschaft insgesamt ist weniger kriegskritisch als die Teilnehmer an demokratischen Vorwahlen. Dazu werden massive persönliche Angriffe kommen, vielleicht nicht von McCain selbst, aber aus seiner Partei und deren Umfeld.
Hillary Clinton hat das alles schon hinter sich und die Republikaner können kaum noch etwas Neues gegen sie vorbringen. Obama wird dagegen erst zeigen müssen ob er dem gewachsen ist, oder ob nicht für viele Wüsche, die eine Koalition ganz unterschiedlicher Wähler auf ihn projiziert, den Republikanern der Nachweis der Unvereinbarkeit gelingt.