Von Christian Wernicke

Ohne Hillary Clinton kann Barack Obama nicht gegen die Republikaner gewinnen. Das Wochenende war jedoch nur der Anfang des Versuchs, die zerrissene demokratische Partei zu heilen.

Sie hat getan, was sie tun musste. Endlich, vier lange Tage nach ihrer Niederlage im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur, hat Hillary Clinton die Wirklichkeit anerkannt und zur Wahl von Barack Obama aufgerufen.

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Den Aufruf an ihre beinahe 18 Millionen Vorwähler, fortan für einen Sieg des schwarzen Mannes im November zu kämpfen, las sie ohne hörbare Vorbehalte vom Teleprompter ab.

Und nirgends ließ sie durchblicken, dass ihre Parteisolidarität an Bedingungen oder Posten - etwa das Amt der Vize-Präsidentin - gekettet sei.

So weit die Pflicht. Zur Kür gerieten Clinton jene Passagen, in denen sie das Vermächtnis ihrer gescheiterten Kampagne verkündete.

Die ehemalige First Lady verklärte ihre Kandidatur zum Akt der Emanzipation, zur historischen Etappe auf dem langen Weg zur Gleichheit der Geschlechter. Das Recht steht ihr zu, wenn es auch der eigenen Selbstinszenierung im Wahlkampf widerspricht.

Ein Teilsieg, um die Niederlage zu verkraften

Hillary braucht diesen Teilsieg, um die Niederlage zu verkraften. Und es mag vielen Clinton-Anhängerinnen helfen, ihre Enttäuschung zu überwinden und sich nun - trotz alledem - hinter Obama zu stellen.

US-WahlkampfClinton zum Rendezvous mit Obama Ohne Clinton kann Obama nicht gewinnen gegen die Republikaner. Er weiß das, sie hat es begriffen. Das Wochenende war nur der Anfang des Versuchs, die zerrissene demokratische Partei wiederzuvereinen, zu heilen. Dazu wird es noch vieler Auftritte von Hillary bedürfen.

Ihre Fans werden spüren, ob sie dann wieder nur ihrer Disziplin gehorcht. Clinton muss beweisen, dass sie mit mehr als nur ihrem Verstand zu ihrem Bezwinger steht. Nicht ihr Hirn, auch ihr Herz wird ihr abverlangt - um Obama im Herbst einen zweiten Sieg zu bescheren.

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(SZ vom 9. Juni 2008/odg)