Von Reymer Klüver

Obama sammelt an einem Tag 6,6 Millionen Dollar, Hillary Clinton muss dagegen ihr Privatvermögen anzapfen.

Wäre David Plouffe ein Hahn, er hätte ohne Zweifel aus Triumph gekräht. Gewaltig jedenfalls plusterte sich Barack Obamas Wahlkampfmanager am Mittwochabend auf, als die Nachricht eingetroffen war, dass Hillary Clinton im Januar ihren Wahlkampf mit fünf Millionen Dollar aus ihrem Privatvermögen gesponsert hatte.

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Beim Blick auf sein Wahlkampfkonto hat Barack Obama gut lachen. (© Foto: AFP)

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"Das ist ein dramatischer Schritt und ein klares Eingeständnis, dass die Dynamik auf unserer Seite ist", schrieb er jubilierend in einer Rundmail an Obamas Anhänger. Aufgekratzt fügte er die jüngsten Spendenzahlen der Obama-Kampagne hinzu: 6.644.245 Dollar seit Schließung der Wahllokale. Die war da noch nicht einmal 24 Stunden her.

Es ist eine ungeheuerliche Summe. Obamas Wahlkampfmaschine profitiert von einer beispiellosen Spendenzufuhr zur Finanzierung seines Wahlkampfs - und das nicht erst seit dem Super Tuesday. Im Januar waren es allein 31 Millionen Dollar. So viel hatte noch nie ein Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten in diesem Stadium des Vorwahlkampfs gesammelt, zu einem Zeitpunkt also, wo noch nicht ernsthaft absehbar war, wer wirklich der Favorit sein würde.

Hillary Clinton hatte mit 13,5 Millionen Dollar nicht einmal die Hälfte gesammelt. Im vergangenen Jahr lag Clinton noch in der Gunst der Spender vorn: Sie sammelte 115 Millionen Dollar, Obama 102 Millionen. Der Vorteil ist nun innerhalb von Wochen dahin geschmolzen.

Im Camp Clinton ist die Stimmung gedrückt, nach der anfänglichen Erleichterung am Dienstag, die großen Bundesstaaten an der Ost- und der Westküste gewonnen zu haben. Berater berichten von Spendenmüdigkeit unter ihren Anhängern, die nun schon seit zwei Jahren bedrängt werden, Geld zu geben. Erst für ihre Wiederwahl in den Senat 2006, und seither immer wieder für das Präsidentschaftsrennen.

Am Mittwoch rief Clinton ihre Freunde auf, doch bitte drei Millionen Dollar innerhalb von drei Tagen zu spenden, nur, um halbwegs mitzuhalten mit Obama. Top-Berater wollen im Februar auf Bezahlung verzichten. Patti Solis Doyle, Clintons Wahlkampfmanagerin, geht mit guten Beispiel voran. Es wird gemunkelt, dass Clinton noch weitere Millionen nachschießen werde.

Die New York Times taxiert das Vermögen der Clintons, die nach eigenem Bekunden praktisch pleite waren, als sie 2000 das Weiße Haus verließen, inzwischen auf zehn bis 50 Millionen Dollar. Nach Einschätzung Joe Trippis sind die plötzlichen Finanzprobleme für Clinton ein enormer Nachteil. "Der Kulturschock für ein Wahlkampfteam ist unglaublich", konstatiert er. Trippi muss es wissen. Er war Berater des gescheiterten demokratischen Präsidentschaftsbewerbers John Edwards.

Und zu allem Überfluss haben die Strategen im Clintons Wahlkampagne die kommenden Vorwahltermine praktisch weitgehend abgeschrieben: Louisiana, Nebraska, der Bundesstaat Washington und Maine am Wochenende, am Dienstag dann Virginia, Maryland und die Hauptstadt Washington - überall dürfte Obama vorn liegen.

Gute Chancen rechnen sich die Clintonians erst wieder am 4. März aus, wenn die beiden großen Bundesstaaten Ohio und Texas abstimmen. Bis dahin ist die Dynamik auf Seiten Obamas. Ihm gehören die Wahlsiege, die Schlagzeilen - und die Spendenmillionen.

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(SZ vom 08.02.2008/maru)