US-Wahl US-Profisportler distanzieren sich von Trumps "Umkleidekabinengerede"

  • Auch im aktuellen TV-Duell versucht Donald Trump, seine frauenverachtenden Aussagen von 2005 als "Umkleidekabinengerede" abzutun.
  • Dagegen wehren sich Basketballer, Baseball- und Football-Profis. Einer betont: "Es ist nicht normal. Und sogar wenn es normal wäre, ist es nicht richtig."

Seit seine frauenverachtenden Sprüche aus dem Jahr 2005 bekannt wurden, versucht Donald Trump, sie herunterzuspielen. Auch im aktuellen TV-Duell mit Hillary Clinton führt er an, seine Äußerungen seien doch nur "locker-room banter", also "Umkleidekabinengerede" gewesen. Sprich: nicht ernst zu nehmendes Dumme-Jungs-Geplänkel.

Dagegen verwehren sich allerdings diejenigen, die sich tatsächlich mit den Gesprächen in Umkleidekabinen auskennen: Zahlreiche US-Profisportler beziehen zu Trumps Äußerungen in den sozialen Medien Position. "Umkleidekabine?", fragt Basketballspieler Jamal Crawford von den Los Angeles Clippers während der TV-Debatte auf Twitter - seinen anderen Tweets zufolge ist er eindeutig kein Trump-Fan. NBA-Spieler C. J. McCollum von den Portland Trail Blazers antwortet: Er habe so etwas wie Trumps Äußerungen noch in keiner Umkleidekabine gehört.

Baseball-Pitcher Brett Anderson von den Los Angeles Dodgers fragt, in welcher Art Umkleidekabinen Trump sich aufgehalten habe.

Jacob Tamme, American-Football-Spieler bei den Atlanta Falcons, fordert Trump bei Twitter auf: "Bitte hör auf, von 'Umkleidekabinengesprächen' zu reden." Und schickt später noch hinterher: "Es ist nicht normal. Und sogar wenn es normal wäre, ist es nicht richtig."

Er sei jeden Tag in einer Umkleidekabine, schreibt auch Football-Spieler Chris Conley von den Kansas City Chiefs, und Trumps frauenfeindliche Einlassungen seien kein Kabinengespräch. In einem zweiten Tweet schreibt er, dass er natürlich nicht in jeder Umkleidekabine gewesen sei. Doch von den Jungs, die er kenne und respektiere, habe er so etwas noch nie gehört: "Sie reden über Frauen, aber nicht so."

Erik Brady, Sportreporter bei USA Today, schrieb in einer Kolumne am Wochenende, er habe mehr als 40 Jahre lang Statements in Umkleidekabinen eingefangen und nie so etwas gehört wie Trumps Äußerungen.

"Niemand behauptet, dass Umkleidekabinen ein Hort des Fortschritts sind", schrieb Brady, Schwulen-Verunglimpfungen hätten sie über Dekaden hin beschmutzt. Das beginne sich nun endlich zu ändern. Doch was dieses Wochenende zu hören gewesen sei, sei schlimmer.

Trumps Äußerungen seien absolut erniedrigend für Frauen. Doch, so Brady, man solle eines bedenken: Wenn Trump sie als "bloßes Umkleidekabinengeplänkel ausgibt, erniedrigt er die Männer auch".

Trumps vulgäres Gerede

Am Freitag hatte die Washington Post eine Aufnahme aus dem Jahr 2005 veröffentlicht. Darin prahlt Trump im Gespräch mit TV-Moderator Billy Bush damit, wie er sich an eine verheiratete TV-Moderatorin rangemacht habe - ohne zu wissen, dass das Gespräch aufgezeichnet wurde. Trumps ordinäre Äußerungen gipfelten in der Verharmlosung sexueller Übergriffe: "Und wenn du ein Star bist, lassen sie dich alles machen. Ihnen an die Pussy fassen, alles."

Trumps Wahlkampfteam reagierte schnell - und beschrieb die Äußerungen seines Kandidaten bereits am Samstag als "Umkleidekabinengeplänkel". Eine Linie, der auch der Präsidentschaftsbewerber selbst seitdem folgt.

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