Gefährliche Statistik: Präsidentschaftskandidat Obama liegt wenige Tage vor der Wahl in Meinungsumfragen vorne. Doch er sollte sich nicht allzu sicher fühlen - zu oft haben sich Demoskopen schon geirrt.
Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika heißt Barack Obama.
Nicht zu viele Vorschusslorbeeren: Obamas Vorsprung in den Umfragen kann gefährlich werden. (© Foto: AP)
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Ganz bestimmt.
Alle Institute der USA sind sich hier einig, CBS News geht sogar von einem Vorsprung von 14 Prozentpunkten aus. Doch dass bei Umfragen Vorsicht geboten ist, wusste schon Fußballreporter Werner Hansch, der sagte: "Ja, Statistiken. Aber welche Statistik stimmt schon? Nach der Statistik ist jeder vierte Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit."
Auch Obama traut dem Hype nicht. Er tritt schwungvoll auf die Euphoriebremse und versucht, seinen Vorsprung kleinzureden. Richtig so: Denn Umfragen sind nicht die Wahlen, auch wenn oft so getan wird als wären sie das amtliche Endergebnis oder zumindest ein Zwischenstand.
Noch ist keine einzige Stimme für Obama gezählt worden. Für McCain auch nicht. Und die Umfrageinstitute haben sich schon während des Vorwahlkampfes vor allem mit Fehlprognosen hervorgetan.
Wahlergebnisse vorherzusagen ist nicht einfach - schon alleine, weil die Institute mit Stichproben arbeiten und diese auf die Bevölkerung hochrechnen. Das bedeutet, eine Prognose ist nur auf ein paar Prozentpunkte genau.
Das aber macht die meisten Vorhersagen irrelevant. So soll Obama Gallup zufolge 49 Prozent erhalten, sein republikanischer Konkurrent John McCain 47 Prozent. "Ein paar Prozentpunkte" hin oder her könnte hier das Ergebnis ins Gegenteil verkehren.
Diese Ungenauigkeit - im Statistikkauderwelsch "Konfidenzintervall" - ist aber nicht die einzige Fehlerquelle.
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machen wenn ein Kopf an Kopf/ too close to call ? Rennen in den US Medien herbeigeschrieben wird. Das ist naehmlich das Szenario vor dem ein Wahlbetrug wie bei Bush vorbereitet wird.( Manipulation der Wahlmaschinen ,Indiane ect)
Aber natuerlich muss sich Obama generell Sorgen machen denn da gibt es immer noch die" Kennedy-Loesung.
ich würde es nicht nur auf die elimination der nichtwähler aus der stichprobe schieben: wie sie schon festgestellt haben, geben die menschen nach der wahl verlässlichere antworten. das ist wohl mit ein hauptgrund für die hohe genauigkeit: bei früheren umfragen können sie nur meinungen feststellen, welchem kandidaten die befragten personen ihre stimme geben wollen. meinungen korrelieren jedoch nur zu einem bestimmten grad mit tatsächlichem verhalten, und zudem kommt hinzu, dass manche menschen ihre wahre meinung vielleicht nicht mitteilen wollen / sich selbst noch nicht sicher sind / etc...
wenn die stimme dann abgegeben wurde, teilen die menschen ihre wahl offensichtlich relativ verlässlich mit.
alle demoskopischen Erhebungen sind mit viel Vorsicht zu genießen, die Gründe sind im Artikel ja angeführt. In Deutschland sind dementsprechend die Wahlvoraussagen in den vergangenen Jahren katastrophal falsch gewesen. Dagegen ist seit einigen Jahren die 18 Uhr-Prognose am Wahltag erstaunlich präzise. Die Menschen geben auf die Frage: "Was haben sie heute gewählt" anscheinend ehrliche Antwort.
Die Streuung scheint also von den Nichtwählern zu kommen, die vorher vollmundig alles mögliche verkünden, sich dann aber in die Büsche schlagen.
aber es sollte im richtigen Umfeld pasieren.
Über den Wert oder Unwert einer Umfrage kann man viel und lange philosophieren. Aber letzlich geben Umfragen doch ein relativ realisitsches Bild wieder. Dass sollte eigentlich für den normalen Süddeutschenleser genügen - der kaum eine Ahnung von der Funktionsweise und Wert der Marktforschung hat. Wenn jemand den Artikel liest, kann nämlich leicht das Bild entstehen, dass Marktforschung nichts taugt und den Ergebnisse nicht zu glauben ist. Das stimmt natürlich nicht.
Eigetnlich sollten zu allen Ergebnisse auch Erklärungen genannt werden - nur versteht diese ja auch wieder keiner. Ohne Signifikanzniveau, Standardabweichung etc. ist es ja eigentlich Quatsch Wahlprognosen zu veröffentlichen.
Besser wäre es, wenn Einzelwerte höchstens im Trend dargestellt werden, während einmalige Ergebnisse nur in Bandbreiten dargestellt wird.
Was es in USA noch schwieriger macht, sind die Wahlmänner. Man wählt ja nicht den Präsidenten, sondern einen Wahlmann. Der könnte ja plötzlich bei der eigentlichen Präsidentenwahl jemand anders wählen. Außerdem die Anzahl der Wahlmänner pro Land auch nicht ganz repräsentativ verteilt. Nur deswegen konnte ja letztes Mal Bush überhaupt eine zweite Amtszeit erreichen, obwohl er weniger Stimmen hatte...
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihr Artikel ist zwar wichtig, weil Sie damit die Bevölkerung aufklären helfen, was Umfrageforschung am Beispiel von Wahlen zu leisten vermag und was eben nicht. Umfragen geben Stimmungen wieder, können das Endergebnis jedoch nur bedingt vorhersagen, weil eben unkalkulierbare Fehlermargen enthalten sind. Leider enthält der Artikel eine Reihe von Fehlern bzw. schrägen Darstellungen.
1.
In der US-Wahl 1936 Gallup versus Literary Digest lernte die Umfrageforschung, dass es nicht auf Masse ankommt, die befragt wird (wie durch die Zeitschrift Literary Digest, die den Fragebogen über die hauseigene Zeitschrift Ihren Leser/inne/n schriftlich anbot) sondern auf eine Stichprobe, die die Grundgesamtheit (hier die amerikanische Wahlbevölkerung) tatsächlich auch real abbildet (Gallup).
Weniger Personen zu befragen reicht dann aus, wenn eine Zufallsstichprobe befragt wird. Sie ist in diesem Fall sogar besser. Nicht die Masse machts, sondern die Qualität der Stichprobe.
Ob es Telefonumfragen sind oder eine andere Befragungsart verwendet wird, ist eine wichtige, aber eine völlig andere Frage und stand 1936 jedenfalls nicht im Vordergrund der Debatten.
Die Diskussion um Telefonumfragen wird also historisch falsch eingeordnet. 1936 gilt als Jahr der Durchsetzung von Stichproben versus Massenbefragungen (Gesetz der großen Zahl) in der Umfrageforschung, unabhängig von der Befragungsart.
2.
Der "Bandwaggon-Effekt" ist kein Effekt, vor dem Obama Angst haben muss. Im Gegenteil. Er muss nur den Bradley-Effekt fürchten. Denn der Bandwaggon-Effekt besagt, dass die Leute auf den Zug aufspringen, auf dem die beste Musik gespielt wird. Unsichere tanzen mit dem Wagen mit, der auf der Gewinnerstrecke fährt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen in den Umfragen tut dies Obama seit geraumer Zeit. Dem Kandidaten Obama nutzt also der Bandwaggon-Effekt zur Zeit, weil unentschiedene Wähler vom Winning Team angezogen werden. Das wird leider mißverständlich und etwas schräg in Ihrem Artikel angesprochen.
Ich bitte Sie, zumindest diese falschen Informationen zu korrigieren.
Liebe Grüße
Dr. Bodo Lippl
zur Zeit Verwaltung der Professur Methoden der empirischen Sozialforschung an der Leibniz Universität Hannover
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