US-Wahl 2008: Obama. 2016: Trump

Die Wähler in New Hampshire gelten als unberechenbar, weil viele zwischen Demokraten und Republikanern hin und her wechseln. Bei einigen wird es extrem.

Von Matthias Kolb, Salem

Heather Rydstrom ist aufgeregt. Gleich wird Donald Trump die kleine Bühne in der "Elk's Lodge" in Salem betreten und 55 Minuten lang Fragen von Wählern beantworten. Die 30-jährige Rydstrom wohnt nur fünf Minuten entfernt und sie hofft auf ein Selfie mit dem Milliardär. "Trump ist mein Top-Favorit. Ich mag auch Carly Fiorina, aber Trump ist der Beste", sagt sie.

Mittlerweile bereue sie es, 2008 für Barack Obama gestimmt zu haben: "Ich habe das Gefühl, dass er gegen uns ist." Sie fühle sich nicht mehr sicher, wegen all der Nachrichten über Terror-Anschläge und das Morden des Islamischen Staats. "Ich bin kein hater, aber die Flüchtlinge machen mir Angst", sagt sie. Natürlich seien nicht alle Muslime schlecht, versichert sie: "Ich habe Freunde, die mit Muslimen befreundet sind und dann müssen die ja nett sein." Oft wiederholt Rydstrom das, was auf vielen Baseballkappen steht: Trump werde "Amerika wieder großartig machen".

Allein dieser Montagmorgen in der Kleinstadt Salem verdeutlich, wie stark sich die Wähler in New Hampshire von jenen in Iowa unterscheiden. In Iowa sind die meisten Republikaner streng gläubige Christen, weshalb Ted Cruz dort so gut abschnitt. In New Hampshire, wo heute Nacht die nächste Vorwahl stattfindet, bevorzugten die Konservativen bisher Pragmatiker wie Mitt Romney oder John McCain. Und etwa 44 Prozent der 873 932 registrierten Wähler bezeichnen sich als unabhängig - und wechseln wirklich zwischen Republikanern und Demokraten hin und her.

Trump will nicht bei Sozialprogrammen kürzen

Auch Dianne Hartford gehört zu jenen für Europäer kaum vorstellbaren Wählern, die 2008 - und auch 2012 - für den Demokraten Obama gestimmt haben und nun Donald Trump wählen werden. Umfragen sehen Trump weit vorn, alles andere als ein Sieg wäre eine Sensation. "Trump setzt sich ehrgeizige Ziele und wird uns beschützen", sagt die ältere Frau.

Nationale Sicherheit, dieses Thema steht bei vielen Republikanern ganz oben. Hartford beunruhigt es, "dass wir nicht wissen, wer in unser Land kommt". Wie viele Trump-Anhänger sagt sie, dass der Vorschlag mit der Grenzmauer, die Mexiko bezahlen soll, "eher eine Idee" sei als ein konkreter Plan. Sie wünscht sich, dass Einwanderer legal einreisen, Englisch lernen und sich gut integrieren.

Mit dem, was Barack Obama erreicht hat, ist sie nicht zufrieden. Allerdings äußert sie sich versöhnlich: "An ihm allein lag es nicht, die Republikaner haben alles blockiert." Weil sie bereits in Rente sei, ist es Hartford besonders wichtig, dass die US-Wirtschaft schneller wächst.

Sie habe meistens die Demokraten gewählt und so gefällt es ihr, dass Trump verspricht, die Sozialprogramme Medicare und Medicaid zu erhalten. Natürlich nennt er Obamacare ein Desaster und sagt nur, dass er es "durch etwas Tolles" ersetzen will. Doch der Milliardär sagt in Interviews auch Sätze wie: "Wenn ich Präsident bin, wird niemand auf der Straße sterben, weil er zu arm ist für eine Krankenversicherung."

Aber anders als die meisten Republikaner will Trump, dass Reiche höhere Steuern zahlen und er will den Staat nicht auf ein Minimum reduzieren. Bei enttäuschten Demokraten kommt Trumps kritische Haltung gegenüber Handelsabkommen wie TPP ("lausiger Deal") ebenso gut an wie die Tatsache, dass er sich gegen den Irakkrieg ausgesprochen hat (Details hier).

"Deutschland ist in Aufruhr, es wird dort bald eine Revolution geben."

Als Trump die Bühne betritt, folgt viel Bekanntes: Jeb Bush sei "steif" und ein Verlierer. Gegenüber potenziellen Terroristen will er Waterboarding und "andere schlimmere Maßnahmen" einführen - auch wenn dies heute illegal ist. Weil Trump seinen Wahlkampf selbst finanziert, werde ihm niemand reinreden (auch dies gefällt den Anhängern von Demokraten und Republikanern). Seinen Plan, eine "schöne Mauer zu bauen", verteidigt er erneut - und äußert sich auch zu Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Was sie mit den syrischen Flüchtlingen macht, ist verrückt. Deutschland ist in Aufruhr, es wird dort bald eine Revolution geben."

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Dass bei den Demokraten Bernie Sanders vor einem Sieg in New Hampshire steht, weiß der von Umfrage-Ergebnissen besessene Trump natürlich genau. Bernie sei ein netter Kerl, aber eben ein Sozialist. "Das ist seltsam: Er ist Sozialist und er gewinnt. Ich habe immer mit Hillary gerechnet, aber ich weiß gar nicht, gegen wen ich antreten will", denkt Trump laut nach. Sein typisches Fazit: Es sei ja auch egal. "Ich werde spielend gewinnen."

Nach einer knappen Stunde gibt Trump sein Mikrofon an einen Helfer weiter und widmet sich seinen Fans. Er schüttelt Hände, unterschreibt das eine oder andere Buch oder Einlass-Ticket. Und Heather Rydstroms Traum geht in Erfüllung: Sie schießt ein Selfie mit dem Milliardär. "Ich bin so aufgeregt, ich muss sofort bei Facebook posten", ruft sie und verschwindet mit ihren Eltern im Schneegestöber.

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