US-Wahl Bloomberg tritt doch nicht als Präsidentschaftskandidat an

Michael Bloomberg will nun doch nicht US-Präsident werden.

(Foto: REUTERS)
  • Der Ex-Bürgermeister von New York hat einen Monat lang überlegt und sich nun entschieden, nicht für das Amt des US-Präsidenten zu kandidieren.
  • Als Hauptgrund gibt er an, dass von seiner Bewerbung nur die Republikaner Donald Trump und Ted Cruz profitieren würden. Deren Einzug ins Weiße Haus will er aber verhindern.
Von Hakan Tanriverdi, New York

Das Kandidatenfeld im US-Wahlkampf ist um einen Milliardär ärmer. Michael Bloomberg, der frühere Bürgermeister der Stadt New York, hat am Montagabend bekanntgegeben, dass er sich nicht als parteiunabhängiger Kandidat für das Amt des US-Präsidenten bewerben wird. In einem Meinungsartikel auf der Website Bloomberg View - die dem Mulitmilliardär bequemerweise gehört - schildert der 73-Jährige seine Beweggründe.

Die Überschrift des Artikels lautet: "The Risk I will Not Take". Das Risiko, das er nicht eingehen wird, hat in diesem Fall zwei Namen: Donald Trump und Ted Cruz. Dies sind die zwei Republikaner, die sich derzeit die größten Chancen ausrechnen dürfen, von ihrer Partei als Kandidat fürs Weiße Haus nominiert zu werden.

Amerikaner seien aus zwei Gründen wütend

Das erste Drittel des Artikels liest sich dabei wie eine Begründung dafür, dass Bloomberg Präsident werden will. "Die gegenwärtigen Präsidentschaftskandidaten bieten keine Lösungen an, sondern nennen Sündenböcke. Sie versprechen Ergebnisse, die sie unmöglich liefern können", schreibt Bloomberg. Die Anwärter würden nicht daran arbeiten, die Feindschaft zwischen den Parteien zu überwinden, sondern eher noch zu vertiefen.

Die Amerikaner seien aus zwei Gründen wütend: Einerseits über den Stillstand innerhalb des Landes, andererseits über den verschwindenden Einfluss weltweit. "Aber Washington bietet nichts außer Stillstand", fasst er zusammen.

Gemäßigter Rechter im Kampf gegen Waffenlobby

Bereits seit Ende Januar wurde diskutiert, ob Bloomberg als etwaiger Kandidat antreten würde. Die New York Times berichtete damals, dass der Ex-Bürgermeister sich sehr über den Erfolg eines anderen New Yorker Milliardärs - Donald Trump - geärgert habe. Ebenfalls soll er den Aufstieg von Bernie Sanders, dem "sozialistischen Demokraten", mit Argwohn beobachtet haben. Bloomberg bestätigte kurze Zeit später, ernsthaft über eine Bewerbung nachzudenken. Er soll bereit gewesen sein, bis zu eine Milliarde aus seinem Privatvermögen, das auf 40 Milliarden Dollar geschätzt wird, zu investieren.

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Der Medien-Unternehmer Bloomberg, laut Forbes der achtreichste Mann der Welt, ist ein gemäßigter Rechter, der in seiner Zeit als Bürgermeister eher Technokrat als Ideologe war, sich seit längerem mit der amerikanischen Waffenlobby anlegt. Er teilte mit, 50 Millionen US-Dollar ausgeben zu wollen, um stärkere Waffengesetze zu erreichen.

"Ich würde nicht gewinnen"

Nun führt er aus, dass er monatelang dazu aufgefordert worden sei, ins Rennen einzusteigen. "Doch wenn ich mir die Daten anschaue, ist es klar, dass ich das Rennen nicht gewinnen würde", schreibt Bloomberg. Er könne ein paar Bundesstaaten gewinnen, aber das würde nicht ausreichen, um genügend Stimmen von den Wahlmännern und -frauen zu bekommen. Dieses Gremium, in das die 50 Bundesstaaten je nach Wahlergebnis und Einwohnerzahl unterschiedlich viele Delegierte entsenden, wählt offiziell den Präsidenten.

Wenn drei Personen zur Wahl stehen, also Republikaner, Demokrat und ein Unabhängiger, werde kein Kandidat eine Mehrheit der Stimmen im electoral college erhalten, glaubt Bloomberg. In diesem Ausnahmefall - der bis dato zweimal eingetreten ist - wäre es die Aufgabe des US-Repräsentantenhauses über den nächsten Präsidenten zu entscheiden. Dieses ist derzeit von Republikanern dominiert. Der Präsident hieße damit also Donald Trump oder Ted Cruz (Bloomberg rechnet Marco Rubio wohl keine nennenswerten Chancen mehr aus). Dies ist das Risiko, das Bloomberg nicht eingehen will.

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Trump sei ein Hetzer und Spalter

"Ich kenne Mister Trump seit mehreren Jahren und wir hatten stets ein freundschaftliches Verhältnis." Aber im Wahlkampf trete Trump als bisher heftigster Hetzer und Spalter auf, den Bloomberg je erlebt habe. Muslime daran hindern zu wollen, in das Land einzureisen, verstoße gegen zwei Grundprinzipien der USA: das Gebot der Religionsfreiheit und die Trennung zwischen Staat und Kirche.

"Trump spricht unsere niedersten Instinkte", klagt Michael Bloomberg. Ted Cruz trete in seiner Wortwahl zwar gemäßigter auf, sei aber inhaltlich ähnlich unterwegs wie Donald Trump.

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Klarerweise weiß Bloomberg auch, dass die spannende Frage nun ist, für wen er sich nun entscheidet. Darauf wolle er noch nicht beantworten, schreibt er: "Ich bin noch nicht bereit."

Doch indirekt hat er die Antwort längst gegeben: Es gibt kaum einen Zweifel, dass Bloomberg Hillary Clinton, die ehemalige Senatorin aus New York und frühere Außenministerin, für die geeigneteste Kandidatin hält.

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