US-Wahl Michael Bloomberg - der nächste Milliardär im Spiel

Der frühere Republikaner Michael Bloomberg will womöglich als Unabhängiger im Präsidentschaftswahlkampf kandidieren.

(Foto: AFP)
  • Der frühere New Yorker Bürgermeister und Milliardär Michael Bloomberg überlegt, sich als Kandidat für das Amt des US-Präsidenten zu bewerben.
  • Der 73-jährige ehemalige Republikaner würde als Unabhängiger antreten.
  • Bislang ist noch nie ein unabhängiger Kandidat US-Präsident geworden.
Von Nicolas Richter, New York

Keine Bevölkerungsgruppe ist so klein und beherrscht den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf dennoch so sehr wie Milliardäre. Das liegt zum einen am schwerreichen Geschäftsmann Donald Trump, der für die Nominierung der Republikaner kandidiert. Zum anderen an Bernie Sanders, dem selbsternannten Sozialisten, der in den Vorwahlen der Demokratischen Partei antritt und eine "Revolution" ankündigt gegen eine "Handvoll Milliardäre", die das Land beherrschten und plünderten.

Nun bringt sich ein weiterer Milliardär ins Spiel: der Geschäftsmann und frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg. Wie die New York Times am Wochenende berichtete, hat Bloomberg seine Berater beauftragt, den Plan für eine Kandidatur auszuarbeiten. Entscheiden wird er sich wohl spätestens Anfang März. Bloomberg, 73 Jahre alt, würde sich nicht um die Kandidatur der etablierten Parteien bewerben, sondern als Unabhängiger antreten. Er soll bereit sein, eine Milliarde Dollar aus seinem Vermögen auszugeben, das Forbes auf 36 Milliarden schätzt.

Mehr Technokrat als Ideologe

Bloomberg gilt als gemäßigter Rechter, hat aber zum Beispiel im Kampf gegen Schusswaffen mit den Republikanern gebrochen. Er ist nüchtern und pragmatisch, mehr Technokrat als Ideologe. Immer wieder hat er überlegt, sich als Unabhängiger an Amerikas Großparteien vorbei für das Weiße Haus zu bewerben, doch sah er nie einen realistischen Weg zum Sieg. Die Besonderheiten in diesem Wahlkampf um die Nachfolge Barack Obamas allerdings haben ihn nun offenbar dazu bewogen, sein Glück doch zu versuchen.

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Die Besonderheit liegt aus Bloombergs Sicht darin, dass beide Parteien radikale Kandidaten nominieren könnten, und dass bei der Hauptwahl im November also er allein übrig bleiben könnte als Stimme für Mäßigung und Vernunft. In seinem Umfeld heißt es, er beobachte mit Argwohn die Dominanz Trumps im Wettbewerb der Republikaner und den Aufstieg von Sanders bei den Demokraten.

Noch nie hat ein Unabhängiger die Präsidentschaft errungen

Sollte Hillary Clinton doch die demokratische Kandidatin sein, bliebe für Bloomberg keinerlei Raum. Offenbar aber sieht er eine eigene Kandidatur als Szenario für den Fall der Fälle: falls Clinton bei den Demokraten scheitern sollte und die Republikaner gleichzeitig Trump aufstellen oder den Ideologen Ted Cruz.

Ein Sieg Bloombergs in der Hauptwahl wäre sehr unwahrscheinlich: Noch nie ist es einem unabhängigen Kandidaten gelungen, die Präsidentschaft zu erobern. Außerdem würde Bloomberg - trotz drei solider Amtszeiten als Bürgermeister der größten US-Stadt - Argwohn in beiden politischen Lagern wecken. Als Geschäftsmann mit engen Kontakten zur Wall Street wäre er Linken nicht vermittelbar. Die Rechten wiederum würden sich reiben an seiner fortschrittlichen Haltung zu Waffenrecht und Abtreibung.

Trotz schlechter Aussichten möchte sich Bloomberg offenbar wenigstens alle Möglichkeiten offenhalten. In seinem Umfeld heißt es, er empfinde den aggressiven Ton und die drastischen Vorschläge vieler Kandidaten als Zumutung. Vielen seiner gemäßigten Landsleute geht es genauo, und vielleicht ist es nicht abwegig, dass sie ihn im Herbst als letzten Retter sehen.

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