"Little Havanna", das kubanische Viertel von Miami, gilt als Hochburg der Republikaner - in Florida sind diese Wähler besonders wichtig. Diesmal jubelten jedoch die Obama-Fans.
"Guantanamera" klingt in der Wahlnacht durch die Hauptstraße von Little Havanna in Miami. Autos hupen in ohrenbetäubender Lautstärke. Durch ein Megaphon tönt es: "Viva McCain!"
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Am frühen Abend hofften sie noch - letztendlich jedoch vergebens: McCain-Anhänger in Miami. (© Foto: Marcel Burkhardt)
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Vor allem die Traditionalisten haben sich vor ihrem Stammlokal, dem Café Versailles, getroffen. "In Kuba gab es 1959 einen Wandel: Seid vorsichtig mit euren Wünschen!", steht auf den T-Shirts der Exilkubaner der ersten Generation.
Es sind alte Herren mit dicken Zigarren in den Westentaschen und hellen Strohhüten auf dem Kopf. Sie beschwören das Schreckgespenst Fidel Castro. Das Café Versailles ist für sie eine Parallelwelt. Hätte es die Revolution vor 49 Jahren nicht gegeben - die Alten würden heute an einem Platz wie diesem in Havanna ihren Kaffee trinken.
Barack Obama ist für sie als Präsident untragbar, weil er im Sommer 2008 das amerikanische Embargo gegen Kuba kritisiert und sich grundsätzlich bereiterklärt hatte für Gespräche mit den kommunistischen Machthabern der Karibikinsel.
Kritik an Obama
"Obama unterstützt Diktaturen, nicht nur in Kuba, auch in Iran, in Bolivien und Venezuela. Sein Wandel bedeutet, aus den USA, die wir lieben, ein sozialistisches Land zu machen", sagt Miguel Saavedra, ein Sprecher der Exilkubaner, mit heiserer, sich fast überschlagender Stimme.
Und Adolfo Bota, 72, der 1966 nach Miami kam, fürchtet: "Obama will kommunistische Diebe unterstützen." McCain ist für ihn dagegen ein "richtiger Amerikaner" mit "anständigem Lebenslauf".
Diese Einstellung erscheint fast schon wie ein Klischee. Tatsächlich aber ist die kubanische Gemeinde in Florida in diesem Jahr gespalten. Ein Resultat wie im Jahr 2000, als 82 Prozent der mehr als 450.000 Exilkubaner in Florida republikanisch gewählt hatten, ist hier heute undenkbar.
"Obama, Obama", skandieren zuerst nur einige junge Männer am Rand der Versammlung unter freiem Himmel. Für sie steht der Hass auf Fidel Castro nicht mehr im Vordergrund. "Wir mögen Leute wie Fidel und Chavez nicht, aber ein Präsident muss mit ihnen reden", meint der 23-jährige Renato Gutierrez.
Für David Hernandez, 34, ist Kuba auch nicht mehr das Hauptproblem: "Ich habe einen guten Job und ein Haus. Aber ich merke jetzt, dass die Leute kein Geld mehr haben. Ich habe Angst um meine Existenz. Amerika führt Krieg im Irak und in Afghanistan und die einfachen Leute hier wissen nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen."
Auch die kubanischen Einwanderer, die in den vergangenen Jahren in die USA gekommen sind, vertreten andere Ansichten als die Exilanten in den sechziger und siebziger Jahren. Adacha Bencomo zum Beispiel kam vor 20 Jahren aus Kuba: "Ich bin aus politischen Gründen gekommen, aber auch weil ich gedacht habe, dass ich mir hier Wohlstand erarbeiten kann", erzählt die Büroangestellte.
Enttäuscht von den Republikanern
Anfangs hat sie wie viele Exilkubaner die Republikaner unterstützt: "Ich habe große Hoffnungen in die Republikaner gesetzt, bin aber nur enttäuscht worden. Die Republikaner stehen für Krieg und Arbeitslosigkeit. Sie helfen einfachen Menschen, die hart arbeiten, nicht."
Heute steht Bencomo mit einem selbstgemalten Obama-Schild in Little Havanna. Sie hat ihre beiden Stieftöchter dabei, die "Obama-Obama" singen und dazu tanzen. Auf die Kuba-Fähnchen der Republikaner haben sie mit schwarzem Filzstift "Cubama" geschrieben.
Am Anfang jubeln nur einige versprengte Grüppchen für die Demokraten. Doch als sich der Sieg Obamas abzeichnet, strömen immer mehr Menschen auf die Straßen.
Aus ihren Autos halten sie riesige Plakate, sie schreien vor Freude. Die Atmosphäre erinnert an ein Volksfest an einem lauen Sommerabend. Die Alten lachen anfangs noch über die Jungen. Einige beschimpfen die jubelnde Menge als "Nichtsnutze". Andere ziehen sich in ihr Café zurück und hören die Radioberichte vom Sieg Obamas, den sie für einen Mann ohne politische Erfahrung und Rückgrat halten.
"Obama is winning", schreit draußen einer aus der Menge, das Handy am Ohr. Ein Obama-Anhänger aus Little Havanna ist vor dem Café auf einen Zeitungskasten gestiegen und stemmt das Bild seines Helden in den Nachthimmel.
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(sueddeutsche.de/plin)