US-Wahl Die letzte verzweifelte Hoffnung der moderaten Republikaner

John Kasich, der letzte moderate US-Republikaner im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.

(Foto: REUTERS)
  • Die letzten Hoffnungen moderater US-Republikaner, Donald Trump loszuwerden, ruhen auf dem Parteikonvent im Juli in Cleveland.
  • Dort wählen Delegierte aus allen Staaten den Kandidaten mit absoluter Mehrheit. Es könnte sein, dass Trump diese bis dahin nicht erreicht.
  • Ab der zweiten Wahlrunde sind die Delegierten mancher Staaten nicht mehr an den Wählerwillen gebunden, sie könnten also zu einem anderen Kandidaten wechseln.
Von Nicolas Richter, Washington

Wahlparteitage in den USA erinnern an Dauerwerbesendungen: Es wird pausenlos geredet und angepriesen, alles ist penibel inszeniert, und jeder weiß genau, wie es ausgeht. Am Ende der Woche spricht der Kandidat für das Weiße Haus, der allerdings schon seit Beginn der Woche feststeht. Beim Parteitag der Republikaner vor vier Jahren in Tampa war dies Mitt Romney. Als eine seiner Lebensleistungen wurde angeführt, dass er eine Großmarktkette aufgebaut hatte, die Briefumschläge und Büroklammern verkauft. Der Einzige, der aus dem Rahmen fiel, war Clint Eastwood: Minutenlang grantelte er einen leeren Stuhl an, was herrlich skurril war, die Parteitags-Regisseure allerdings nachhaltig verstörte.

Beim Konvent der Republikaner Mitte Juli in Cleveland nun könnte es passieren, dass man am Montag nicht weiß, wer am Donnerstag die Kandidatenrede hält. Jedenfalls hoffen das jene gemäßigten Kräfte, die den Beleidiger-in-Chief Donald Trump verhindern möchten. Diese Kräfte haben Trump zunächst über Monate lügen und fluchen lassen, in dem Glauben, er werde von selbst kollabieren. Stattdessen kollabierten dessen Gegenkandidaten Chris Christie, Jeb Bush und Marco Rubio. Trump gewinnt derweil eine Vorwahl nach der anderen, nichts scheint ihn anzufechten, nicht einmal seine Wahlkampfauftritte, die längst so aussehen wie die Prügelshow von Jerry Springer.

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Nach der ersten Runde sind viele Delegierte nicht mehr an den Wählerwillen gebunden

Seit Dienstag ruhen die letzten Hoffnungen, Trump noch loszuwerden, nur noch auf Cleveland. Dort wählen Delegierte aus allen Staaten den Kandidaten mit absoluter Mehrheit, also mindestens 1237 Stimmen. Die Planspiele gegen Trump beginnen mit der Prämisse, dass er diese absolute Mehrheit nicht erreicht. Das klingt sonderbar, weil Trump ja bisher in mehr Staaten gewonnen hat als jeder andere Rivale.

Allerdings sind ihm viele Delegierte entgangen, weil sie in den ersten Vorwahlen proportional an etliche Bewerber verteilt wurden und weil Trump eben auch in mehreren Staaten verloren hat, etwa in Texas gegen den Tea-Party-Senator Ted Cruz oder in Ohio gegen den moderaten Gouverneur John Kasich. Es kann also sein, dass Trump nach der letzten großen Vorwahl im Juni in Kalifornien etwa hundert oder ein paar Dutzend Delegierte fehlen.

Im Juli nun werden in der Sportarena von Cleveland, wo sonst der Basketballstar LeBron James spielt, die fast 2500 Delegierten abstimmen. Im ersten Wahlgang sind sie an das Votum der Vorwähler gebunden: Jene zum Beispiel, die aus Florida anreisen, wo Trump alle Delegierten gewonnen hat, müssen für Trump stimmen. Erreicht Trump nun nicht die absolute Mehrheit, folgt der nächste Wahlgang.

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Ab dieser zweiten Runde sind die Delegierten mancher Staaten nicht mehr an den Wählerwillen gebunden, sie können also zu einem anderen Kandidaten wechseln. Findet sich auch im zweiten Wahlgang keine absolute Mehrheit, folgt die dritte Runde, in der dann 80 Prozent der Delegierten so abstimmen dürfen, wie sie es für richtig halten.

Auf dem Basketballplatz wird ein Spiel beginnen, in dem Wortführer, Strippenzieher und Einflüsterer versuchen, einen Konsenskandidaten zu ermitteln. Dies wird brokered convention genannt, ein Parteitag, auf dem das Ergebnis "ausgehandelt" wird. Bei den Republikanern ist das seit 1948 nicht mehr vorgekommen, bei den Demokraten seit 1952.