US-Vorwahlen Sanders und Clinton: Wer spürt hier den Rückenwind?

US-Vorwahlen: Hillary Clinton bei einem Auftritt in Texas

(Foto: AFP)

Hillary Clinton verliert nicht, Bernie Sanders gewinnt nicht. Und doch liefern die Vorwahlen von Nevada wichtige Schlüsse.

Analyse von Johannes Kuhn, New Orleans

Der amerikanische Wahlkampf ist auch eine Schlacht um Deutungshoheit und Begriffe. Da wäre die "Firewall", jene Mauer aus Staaten, auf die sich Kandidaten normalerweise verlassen können - die sie allerdings auch nicht verlieren sollten. Hillary Clinton hat mit ihrem Sieg in Nevada bewiesen, dass der erste Teil ihrer Mauer stabil ist. Allerdings kam Bernie Sanders ihr mit vier Prozent Abstand recht nahe.

"Vor fünf Wochen lagen wir noch 25 Prozent zurück", betonte deshalb der Senator aus Vermont am Wahlabend und reklamierte einen anderen Begriff für sich: Das "Momentum", jener aus der Physik entnommene Impuls, der politischen Rückenwind signalisiert.

Doch zur Logik des Momentums gehört, dass es sich auf ultrakurze Zeitspannen bezieht - und nach dem Quasi-Unentschieden in Iowa und Sanders' Sieg in New Hampshire erweckt die knappe Niederlage des Politikers mit den sozialdemokratischen Ansichten den Eindruck, dass er an Rückenwind verliert.

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Doch das sind psychologische Noten, wichtiger an Nevada waren erste Indizien zum Wahlverhalten jener Bevölkerungsgruppen, die in Iowa und New Hampshire fast keine Rolle spielten: Latinos und Afroamerikaner.

Einer Wählerbefragung zufolge hatte Sanders bei den Latinos eine kleine Mehrheit (54 zu 45 Prozent), allerdings gibt es Zweifel an der Korrektheit dieser Zahlen, da Clinton in Clark County (der Gegend um Las Vegas) relativ klar gewann und dort der Anteil hispanischer Bürger am höchsten ist.

Noch gibt es keinen Verlierer - und keinen Gewinner

Den gleichen Daten zufolge erzielte Clinton bei den schwarzen Wählern eine deutliche Mehrheit (76 zu 22 Prozent). Das wäre wiederum ein Vorzeichen für die nächste Vorwahl in South Carolina am kommenden Samstag, wo viele Afroamerikaner leben und bei den Demokraten abstimmen. In diesem weiteren "Firewall-Staat" führt Clinton, deren Mann Bill oft als "erster schwarzer Präsident" bezeichnet wurde und dort sehr populär ist. Auch in den sieben anderen Bundesstaaten des Südens, die am Super Tuesday Anfang März wählen, liegt die Ehefrau des ehemaligen Gouverneurs von Arkansas Umfragen zufolge teils deutlich vorne.

Hat also nun Clinton das "Momentum" auf ihrer Seite? Zumindest machte sie den Eindruck, aus der Niederlage in New Hampshire gelernt zu haben: Anders als dort betonte sie am Samstagabend in Nevada das "wir" stärker als das "ich".

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"Amerikaner haben Recht, verärgert zu sein", sagte sie in ihrer Siegesrede in Anspielung auf Sanders' Botschaft des "Genug ist genug". Um dann mit "Wir sind auch hungrig nach wirklichen Lösungen" die erfahrene Macherin zu geben, die nur verspricht, was sie auch hält. Doch auch in Nevada gelang es ihr nicht, mit diesem Realismus die jungen Wähler zu erreichen, für die Glaubwürdigkeit ein wichtiger Faktor ist.

Und Bernie Sanders? Gab sich trotzdem optimistisch, am Super Tuesday viele der elf Staaten gewinnen zu können - für die Mobilisierung von Sympathisanten hat er durch viele Kleinspenden inzwischen genug Geld. In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob er einen anderen Ton anschlagen wird, um seine Wählerbasis zu verbreitern.

Noch gibt es also keinen Verlierer bei den Demokraten - wie eindeutige Gewinner sehen Clinton und Sanders allerdings auch noch nicht aus. Die Vorteile dürften bei der Ex-Außenministerin liegen.

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