Ein Kommentar von Barbara Vorsamer

Auch nach den Vorwahlen in Ohio und Texas ist nicht klar, wer für die Demokraten ins Rennen geht. Das Publikum ist einfach zu ungeduldig.

Aus demokratietheoretischer Sicht ist es wunderschön anzuschauen, wie Wahlkampfmanager, Journalisten und Umfrageexperten versuchen, diesen Wahlkampf zu beeinflussen, vorherzusagen und zu interpretieren (oft gleichzeitig). Bei jedem Schritt scheitern sie grandios - weil die Wähler die Frechheit besitzen, zu wählen, wie sie wollen.

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So war es auch diesmal in Ohio und Texas. Die Umfrageinstitute sagten einen knappen Sieg Obamas vorher, und alle Medien hörten unisono eines: Hillarys letztes Stündlein schlagen. Doch je geringer die Erwartungen, desto einfacher lässt sich ein Erfolg erzielen - so dass die ehemalige First Lady ihre knappen Siege als große Trendwende verkaufen durfte.

Dass Hillary Clinton nun die Nominierung gewinnt, ist freilich alles andere als sicher. Ihr Konkurrent Barack Obama liegt immer noch bei den Delegiertenstimmen vorne. Es wird nun immer wahrscheinlicher, dass erst die Abstimmung beim Nominierungsparteitag im August die endgültige Antwort auf die K-Frage der US-Demokraten gibt. Genauso, wie es das System vorsieht.

Weder die amerikanischen Medien noch die Demokratische Partei werden es in den kommenden Monaten aushalten, keinen Kandidaten zu haben - und bange auf die endgültige Entscheidung der Wähler zu warten. Die Macher und Beobachter haben genug von dem ewigen Hin und Her. Sie wollen endlich einen Sieger. Und die Kandidaten bekommen finanzielle Schwierigkeiten.

Deshalb wird jetzt die nächste Vorwahl hochgejazzt. Nachdem weder die ganz frühen Vorwahlen in den Traditionsstaaten noch der Super-Duper-Tsunami-Tuesday noch jetzt Ohio und Texas eine Entscheidung brachten, soll am 22. April Pennsylvania bestimmen, wo es künftig langgeht. Pennsylvania ist ein zutiefst gespaltener Staat: Die ehemaligen Industriestädte Philadelphia und Pittsburgh gehören dazu sowie ein ländliches Gebiet, das zutiefst religiös geprägt ist.

Wahrscheinlich bringt der "Swing State" Pennsylvania genauso wenig eine Entscheidung wie die Wahlschlachten davor. Die amerikanischen Wähler lassen sich nicht bedrängen. Sie wählen nach eigenem Wissen und Gewissen - egal, wie knapp die Ergebnisse dann sind und egal, wie lange es dauert, bis eine Entscheidung feststeht. Gut so. Man nennt das Demokratie.

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(sueddeutsche.de/jja)