US-Vorwahl Trump: "Die Mauer muss schön werden, denn sie wird meinen Namen tragen"

TOPSHOT - Republican presidential candidate Donald Trump speaks during a campaign rally in North Charleston, South Carolina, February 19, 2016. / AFP / JIM WATSON

(Foto: AFP)

Der Milliardär zieht mit seiner Polit-Show weiter Tausende an. Doch trotz aller Witze und Beleidigungen: Donald Trump kämpft um jede Stimme.

Von Matthias Kolb, North Charleston (South Carolina)

Es ist eine außergewöhnliche Wahlkampf-Woche, die gerade zu Ende geht. South Carolina ist stolz darauf, dass die Politik hier einem "Kampfsport" ähnelt, bei dem auch mal Blut fließt (Gouverneurin Nikki Haley). Und brutal geht es zu: Die drei Favoriten Donald Trump, Marco Rubio und Ted Cruz beschimpfen sich als "unehrlich", "größter Lügner aller Zeiten" und "Betrüger".

Am Mittwoch kündigte Trump an, Cruz zu verklagen und ihm zu verbieten, einen Werbespot zu spielen, in dem ein Ausschnitt aus einem alten Interview zu sehen ist. 1999 bekräftigte der Milliardär, dass er pro-choice sei und Abtreibungen nicht verbieten würde. Der 30-Sekunden-Clip ist typisch für die schmutzigen Tricks, die momentan fast alle Kandidaten anwenden.

Doch als Donald Trump am Freitagabend in einer schmucklosen Messehalle in North Charleston (am gleichen Ort war am Montag George W. Bush aufgetreten) ans Rednerpult tritt, ist von den Anschuldigungen nicht mehr viel zu hören. Der 69-Jährige redet auch nicht über sein Fernduell mit Papst Franziskus, das am Vortag alle in Bann zog, sondern bietet den mehr als 2000 Zuschauern seine typische Mischung aus Angeberei, unhaltbaren Versprechen, Beschimpfungen und Witzen.

Trump becirct erst mal die anwesenden Journalisten: "Ich liebe euch. Sonst sage ich immer böse Sachen, aber heute sage ich: 'Ich liebe die Medien.'" Es folgt ein Appell, der den Ernst der Lage verdeutlicht: "Jetzt wird es ernst. Ihr müsst mich wählen. Je größer der Abstand, umso besser. Egal wie ihr euch fühlt und ob ihr den Tag überlebt: Gebt mir eure Stimme." Trump weiß, dass sein Vorsprung zuletzt geschmolzen ist und Cruz und Rubio darauf hoffen, dass sich viele Republikaner im letzten Moment für sie entscheiden.

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"Er zieht Leute an, die sonst nie wählen gehen"

Donald Smith aus Summerville weiß, dass er am Samstag sein Kreuz bei Cruz (mehr über dessen Strategie) machen wird. "So viele Amerikaner sind wütend auf die Parteien und die Regierung. Trump zieht einfache Leute an, die sonst nie wählen", sagt Smith, der 24 Jahre bei der US Army und auch in Baden-Württemberg stationiert war. Es stimmt: Im Publikum sieht man einen Mann in Fedex-Uniform und viel weniger Sakkos als bei Events von Rubio oder Cruz.

Für Smith ist Trump nicht konservativ genug: Er möchte die Rolle des big government beschränken. Doch das Interesse am "geborenen Entertainer" Trump ist so groß, dass er mit seiner Frau und dem noch studierenden Sohn ins Convention Center von North Charleston gekommen ist. Und Familie Smith klatscht laut, wenn Trump ruft: "Wir werden dieses Land wieder anständig reagieren."

Natürlich redet der Milliardär wieder viel über sein Lieblingsprojekt: "Diese Wand hier ist toll, sie erinnert mich an die Mauer, die wir bauen werden." Mit dem Grenzwall zu Mexiko würde verhindert, dass mehr Heroin ins Land komme und US-Bürger süchtig werden würden. Mit dem typischen Größenwahn sagt er: "Diese Mauer muss schön werden, denn sie wird mal meinen Namen tragen, glaube ich. Also muss sie besonders gut sein."

Großen Applaus bekommt der 69-Jährige nicht nur für seinen Boykott-Aufruf gegen Apple, sondern auch dafür, dass er Foltermethoden gegen IS-Mitglieder einsetzen würde: "Diese Leute köpfen Leute und wir finden Waterboarding schlimm? Die ganze Welt lacht uns doch aus."

Anschließend erzählt Trump eine Anekdote über US-General John Pershing ("harter Kerl, harter Kerl"), die ihn beeindruckt habe: Dieser habe Anfang des 20. Jahrhunderts 50 Terroristen gefangen. Dann habe er 50 Kugeln in Schweineblut getaucht und 49 Terroristen erschießen lassen. "Den letzten hat er laufen gelassen und gesagt: 'Geh zurück und erzähl deinen Leuten, was hier passiert ist'. Danach war 25 Jahre lang Ruhe," ruft Trump.

Obwohl er das Wort "Muslim" nicht ausspricht und es kaum Belege für diese Story gibt (Details bei der Washington Post), ist klar, dass der Republikaner hier antimuslimische Vorurteile bedient (Schweine werden im Koran als unrein beschrieben).

Den Rest der 45-minütigen Rede verbringt Trump damit, erneut zu betonen, dass er seinen Wahlkampf selbst finanziert (Riesenjubel, denn auch viele Konservative verachten Großkonzerne und reiche Spender) und Witze über Jeb Bush zu machen. Dieser habe mehr als 100 Millionen Dollar ausgegeben und habe miese Ergebnisse erzielt.

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Mit dieser Aussage hat Trump recht: "Ich habe am wenigsten ausgegeben und den größten Erfolg" und verspricht, diese Effizienz auf alle Bereiche zu übertragen. Wenn er erst Präsident sei, werden Medikamente billiger und auch die Schulen besser. Seinen Slogan "Make America great again", der auf Hunderten Schildern und Kappen zu sehen ist, variiert er dieses Mal ein bisschen: "Wir werden Amerika noch großartiger machen, als es jemals war."

An der Entscheidung von Donald Smith, Cruz dem Vorzug zu geben, hat der Auftritt nichts verändert. Über Trump sagt der Ex-Soldat zum Abschied: "Er weiß, wie man Leute unterhält." Vor der Tür läuft Familie Smith nicht nur an Souvenir-Verkäufern vorbei, sondern stößt auch auf Aktivisten aus New York. Ihre Botschaft ist eindeutig: Jeder andere Kandidat als Trump ist besser.