US-Vorwahl Trump: Der Papst ist einseitig informiert

  • Donald Trump rudert im Schlagabtausch mit dem Papst zurück.
  • Katholik Jeb Bush will sich aus der Angelegenheit heraushalten und rechtfertigt sich für seinen umstrittenen Waffen-Tweet.
  • John Kasich lobt den Papst, hält sich mit Kritik an Trump aber zurück.
Von Matthias Kolb, Columbia (South Carolina)

Für Donald Trump ist alles halb so wild. "Der Papst ist ein wunderbarer Kerl", sagt der Umfrage-König der Republikaner zu CNN-Moderator Anderson Cooper, nachdem er die kleine Bühne in Columbia betreten hat. Trotzdem sei es "nicht gut" gewesen, wie sich Franziskus über ihn geäußert hat. Der Pontifex hatte auf dem Rückflug von Mexiko nach Rom gesagt: "Ein Mensch der nur über das Errichten von Mauern nachdenkt, wo auch immer sie sein mögen, und nicht über das Bauen von Brücken, ist kein Christ."

Es folgte das klassische Trump-Programm: Der Milliardär verfasste eine harsche Pressemitteilung ("schändlich"), Kabelsender und viele US-Websites kannten kein anderes Thema und wenige Stunden später, beim abendlichen Townhall-Meeting mit Bürgerfragen gibt sich Trump ganz versöhnlich. Die Medien (Botschaft an seine Fans: "kann man eh nicht vertrauen") hätten die Sache "viel dramatischer" dargestellt und der Papst sei wohl einfach "einseitig" informiert (Botschaft: Das hat ihm wohl gerade die mexikanische Regierung eingeflüstert).

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Doch natürlich habe er nichts gegen den Papst, dieser habe "sehr viel Energie" (ein Riesenlob aus dem Mund von The Donald) und sei enorm charismatisch. Er würde ihn jederzeit und überall treffen - und macht dann Witze darüber, dass sich der Papst im Vatikan hinter einer "schrecklich großen" Mauer verschanze.

Die Mauer zu Mexiko, die von der dortigen Regierung bezahlt werden müsse, sei dringend nötig, um das Land zu schützen und zu verhindern, dass mehr Drogen ins Land kommen: "Ich habe ja gerade die Wahl in New Hampshire gewonnen und das größte Problem dort, über das alle reden, ist Heroin." Die Drogen kämen über "die südliche Grenze" ins Land und er werde als US-Präsident dafür sorgen, dass dies aufhöre.

Jeb Bush: Das ist Trumps persönliche Angelegenheit

Direkt vor Trump hatte sich Jeb Bush den Fragen einiger ausgewählter Bürger gestellt. Auch er wurde nach Franziskus' Trump-Kommentar gefragt. "Ich kriege immer Probleme, wenn der Papst etwas sagt", sagte der gläubige Katholik, der die Religion seiner Frau Columba angenommen hat. Es sei nicht seine Aufgabe, sich in dieser Gelegenheit zu äußern: "Ich zweifele nicht am Glauben von anderen Leuten, das geht nur diese Person und den Herrgott etwas an."

Bush, der kurz zuvor das Rennen um die Unterstützung von South Carolinas Gouverneurin Nikki Haley gegen Marco Rubio verloren hat, mühte sich im Rest des Abends, sich als erfahrener Staatsmann zu präsentieren. Er versuchte auch, den verunglückten Waffen-Tweet, der ihm viel Spott im Internet eingebracht hatte (Details hier), zu erklären: Er hatte einen Waffenhersteller besucht und dann sehr engagiert mit den Angestellten debattiert. Ihnen zu Ehren habe er das Bild gepostet - und um zu zeigen, dass das in der Verfassung garantierte Recht auf Waffenbesitz unbedingt verteidigt werden müsse.

Kasich: "Ich bin pro Papst"

Als erster der drei Kandidaten, die bei CNN auftraten (Cruz, Rubio und Carson waren am Vorabend dran), hatte John Kasich die Papst-Aussage so kommentiert: "Ich finde es gut, was der Papst macht. Ich bin pro Papst". Ohios Gouverneur, früher selbst Ministrant, kritisiert Trump nicht, sondern lobt Franziskus: "Der Mann gibt der Welt so viel Hoffnung. Er ist so bescheiden und redet darüber, was wir tun können - und nicht das, was verboten werden sollte oder unmöglich ist."

Kasich ist wohl der einzige Republikaner, der sich von der Papst-Kritik nicht direkt angesprochen fühlen muss (Details in diesem US-Blog): Er kritisiert ständig die Pläne von Trump, Cruz und Rubio, alle 11 Millionen illegalen Flüchtlingen zu deportieren. Dies sei nicht praktikabel und widerspreche den amerikanischen Werten.

Kasich spricht wie stets darüber, dass die US-Amerikaner mehr Mitgefühl für ihre Nachbarn und Mitmenschen zeigen müssen. Er ist hier ganz pragmatisch: Man dürfe nicht die Eltern von US-Bürgern abschieben, deren einziges Verbrechen darin bestehe, illegal die Grenze überschritten zu haben: "Sie sollen Steuern zurück zahlen und sich neu um einen Pass bewerben."

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Am Samstag wird sich zeigen, ob Kasichs mitfühlender Ansatz bei den konservativen Wählern in South Carolina besser ankommt als Trumps Mauer-Fantasien.